Zwei Sorten von „Bürgern“? Wie der Staat seine Privilegien verteidigt

7 Apr

Wie viele andere, die für ein liberaleres Waffenrecht in Deutschland sind, erwartete ich gespannt die Talkrunde bei Maischberger am 06.04.16, wo es um das Thema
Mehr Einbrüche, mehr Kriminalität: Kann der Staat uns noch schützen?“ ging. Hierzu war neben zwei Einbruchopfern, einem Ex-Profieinbrecher, einem Polizisten und einem Politiker auch Katja Triebel eingeladen, die die Position vertrat, dass das deutsche Waffenrecht zu streng sei und wir ein liberaleres Waffenrecht wie beispielsweise in Österreich bräuchten. Selbstschutz muss das Recht eines Bürgers sein, denn die Polizei kann einen schließlich nicht schützen.

Ich will hier keine detaillierte Beschreibung der Sendung geben, sondern gleich auf einen bestimmten Aspekt eingehen, aber hier nur soviel: Ich kann Frau Maischberger nur ein Lob aussprechen, dass sie in dieser Runde sehr neutral geblieben ist (obwohl ein liberaleres Waffenrecht wohl nicht ihre persönliche Ansicht ist) und eher Polizei und Politik auf den Zahn fühlte. Denn genau über jene zwei habe ich mich – und, wenn man sich die Kommentare in den Social Media anschaut, auch viele andere – ziemlich geärgert.

 

Es ist immer dasselbe: Politiker bekommen Schnappatmung, wenn Bürger Waffen wollen. Ich verstehe das: Es ist ein Herrschaftsreflex, dass alles abgeblockt wird, was dem Untertanen mehr Macht verleiht. Theoretisch sind wir zwar nicht deren Untertanen, weil sie unsere „Volksvertreter“ sind, aber das ist eben nur theoretisch so. Die Herrschaften scheinen das anders zu sehen und das wird immer wieder deutlich. Herr Studt hat sich in dieser Sendung auch alles andere als gut geschlagen. Auf kritische Nachfragen von Fr. Maischberger kam nur der übliche Politiker-Sprech, mit anderen Worten hohles Phrasengedresche.

Mein persönlicher Negativ-Favorit war aber Hr. Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Die Arroganz, mit der er, wie viele andere (hohe, aber nicht nur) Polizeibeamte, argumentiert und andere als unfähig im Umgang mit Waffen zur Selbstverteidigung darstellt, ist einfach frech. Wie er so schön betonte, „er hat das (Kriminalistik) ja studiert“ – wie so oft scheint das der Freifahrtschein für arrogantes Verhalten zu sein, nicht nur in diesem Bereich, sondern auf alle Felder und Themenbereiche bezogen, die man studieren kann. Leider sagt das im Endeffekt nichts über tatsächliches Können und Expertentum aus. Aber lassen wir mal die mit geschwellter Brust zur Schau gestellte Expertise von Hr. Fiedler beiseite: Wie sieht es denn mit dem „normalen“ Polizisten aus?

Er behauptet, nur er und – ich gehe mal davon aus – seinesgleichen sind kundig (im Notwehrrecht, Recht allgemein) und geschult (im Waffengebrauch) genug, um sich mit Waffen verteidigen zu dürfen. Nun, ich habe schon ganz andere Polizisten kennen gelernt….

Zunächst mal zu „geschult“: Training ist wichtig, ansonsten rosten Fähigkeiten ein. Und wie viel trainiert so ein Polizist? Da muss man nur mal auf einen Artikel vom Dezember aus der Morgenpost verweisen und weiß, dass es um das Training der Polizei nicht zum Besten bestellt ist. Im Durchschnitt gehen Polizisten 3-4 Mal im Jahr schießen und machen ca. 50 Schuss. Da kann jeder Sportschütze nur darüber lachen, der 12-18 Mal im Jahr trainieren MUSS, um sein Bedürfnis nicht zu verlieren und der ein Vielfaches an Schussleistung hat.

Schon die Ausbildung scheint nicht ausreichend zu sein. Ich hatte schon eine „frischgebackene“ Polizistin unter Aufsicht, die die Pistole nach dem Schießen mit dem Lauf Richtung Schützen/Zuschauer im hinteren Bereich des Standes und nicht, wie es sich gehört, in Richtung Kugelfang ablegte (mehrfach). Ein Anfängerfehler, der aus Sicherheitsgründen jedem Sportschützen schon zu Beginn mit Nachdruck ausgetrieben wird. Wie gesagt, diese junge Dame hatte die Polizeiausbildung abgeschlossen. Sehr schön auch der Fall, wo einem Reporter bei einer Waffendemonstration auf der Polizeistation von einem Polizisten ins Bein geschossen wurde.

Und auch das „kundig“ muss in einigen Fällen angezweifelt werden. Aus eigener Erfahrung kenne ist Polizisten, die offensichtlich mit den Begriffen „Waffenbesitzkarte“, „Waffenschein“ und „kleiner Waffenschein“ nichts anfangen können.

Damit will ich nicht sagen, dass alle so sind. Es gibt natürlich auch solche, die einen hervorragenden Wissensstand haben. Und/oder diejenigen, die wissen, dass das Training im Beruf nicht ausreicht und – auch aus Neigung – zusätzlich in ihrer Freizeit (und auf eigene Kosten!) schießen gehen, so dass sie besser trainiert sind als der Durchschnitt der Polizeibeamten. Wie sagte mir einmal ein Schützenkamerad, der Polizist ist, so schön: „Polizisten sind einfach nur ein Durchschnitt der Gesellschaft, da gibt es Linke und Rechte, welche die Drogen nehmen, Verbrecher darunter – einfach alles.“

Also: Da die Gesellschaft sozusagen der „Durchschnitt der Gesellschaft“ ist, warum sollte dann nicht auch auf die Bürger, die keine Beamte sind, zutreffen, dass manche eben Waffen sachgerecht nutzen können?

 

Privilegien werden nun mal mit Zähnen und Klauen verteidigt und es gibt ganz sicher eine nicht zu geringe Zahl an Beamten/Polizisten, die sich darin gefallen, Waffenträger zu sein – und zwar NUR SIE. Wo kämen wir da hin, wenn das jeder unter gewissen Voraussetzungen dürfte? 2012 war ich bei der noblen Großveranstaltung „100 Jahre Axel Springer“ als Security im Einsatz. Der Außenbereich (Straße) war von der Polizei zusätzlich gesichert. Eine Polizistin, die erhobenen Hauptes an uns vorbei stolzierte, meinte ganz abfällig über uns zu ihrer Kollegin: „Ach, die haben ja eh keine Waffen!“ Ich dachte so bei mir: „Tja, aber im Gegensatz zu Dir (wahrscheinlich), kann ich die auch richtig bedienen…“

Wie gesagt, Privilegien werden naturgemäß verteidigt, aber richtig aufregen könnte ich mich darüber, dass manche Bürger immer noch ins selbe Horn blasen wie die Polizei und sagen, „nur Polizei und Militär sollen Waffen haben…“ (wie man es in den Kommentaren unter Artikeln und in den Social Media vielfach liest).

 

Wie zu erwarten, wurde also eine Liberalisierung des Waffenrechts 5:1 entschieden abgelehnt. Der Pfarrer soll mal schön a la Käßmann seine Feinde lieben, bei Bedarf gibt die ihm bestimmt etwas Nachhilfe. Der Ex-Verbrecher-nun-Sicherheitsexperte plädierte für mehr Sicherheit an den Wohnungen (Material und Technik). Und natürlich kam gleich wieder der Schrei nach dem Staat: Der soll das nämlich per Gesetz vorschreiben. Es ist zum die Haare raufen!!! Kennt irgendjemand den Begriff Eigenverantwortung noch??? Freie Entscheidung??? Denn das hätte man auch bei dem Einzelfall-Beispiel der 80-Jährigen, ob die sich denn nun mit Schusswaffe bewaffnen solle, gefragt. Wie wäre es, das der 80-Jährigen zu überlassen?

 

Niemand sagt, dass nun alle Waffen kaufen sollen oder gar müssen. Aber die, die es wollen und bereit sind, sich dafür schulen zu lassen, muss es doch nicht so verdammt schwer gemacht werden. Wie eine sinnvolle Schulung aussehen könnte, die auch praxisnäher wäre als auf 25m-Präzisionsschießen für den Verteidigungsfall zu trainieren, zeigt diese Webseite. Aber leider müssten dazu auch was das Training angeht die deutschen Gesetze gelockert werden. Denn so bleibt es ein Zirkelschluss: Die verteidigungswilligen Bürger dürfen nicht entsprechend trainieren (so, wie die Polizei es darf) und die wiederum sagt, dass die Bürger keine Waffen bekommen dürfen, weil sie ja nicht entsprechend trainieren können. Wirklich geschickt eingefädelt…

 

Zum Schluss noch: Wenn man die Kommentare auf Facebook  zur Maischbergersendung ansieht, dann kann man feststellen, dass die Meinung einer immer größer werden Gruppe von Menschen in Deutschland sich schon deutlich geändert hat. Bald müssen mal ein paar bessere Argumente kommen, Hr. Fiedler, als der empfohlene, für die Gesundheit ach so tolle Kampfsport/waffenlose Selbstverteidigung, um die Leute bei der Stange zu halten!

 

Und noch etwas: Der Blogbeitrag zu dieser Sendung auf dem „Blog vom Schwaben“ ist diesmal sehr unemotional, aber der kann auch ganz anders. Irgendwie würde ich mir gegen die Arroganz von Politik und Polizei auch mal den da sitzen wünschen. Ich glaub, die brauchen das mal….

 

Hier sind die Reaktionen der Presse auf der GRA-Seite zusammen gestellt.

7 thoughts on “Zwei Sorten von „Bürgern“? Wie der Staat seine Privilegien verteidigt

  1. Üben…….?

    Nun ja, wenn man sich besieht was Untersuchungen zum Thema Schusswaffengebrauch in Notwehr sagen, so sollte die Handhabung sicher geübt werden, aber das „Treffen“ ist weit weniger wichtig.

    Denn laut Statistik, ( weiss gerade nicht mehr welche das war, Sorry ) werden die Waffen im Verteidigungsfall meist auf nur wenige Meter eingesetzt.
    Man spricht von bis 3m, was eigentlich im Notwehrfall recht logisch ist, denn niemand sieht sich stark bedroht solange ein Täter noch 10 oder 20 m entfernt ist.

    Nein, es passiert erst etwas bevor der Notfall eintritt und der Waffenträger reagiert.

    Es muss also keineswegs ein Sportschütze sein wer sich erfolgreich wehren will, zudem wäre Abschreckung durch „zeigen“ ja eigentlich die beste Verteidigung.

    Wer die Handhabung vereinfachen möchte weil er wenig übt, üben will, der nimmt einen Revolver den dabei fallen gegenüber einer Pistole, 2-3 Manipulationschritte bis zum Schuss weg.

  2. Mein Kommentar bezog sich auf die Bloggerin.

    @ Walter Roth,
    eine Studie der amerikanischen Polizei hat festgestellt, daß Schießereien sich überwiegend im Bereich von 3 – 5 Meter abspielen. Nebenbei wurde erwähnt das in der Distanz Messerangriffe wesentlich gefährlicher sind ! (wurde bei Katja Triebel und der GRA schon veröffentlicht).
    Und ja, da gebe ich Dir Recht : Zeigen was man hat, aber dazu muß man auch „Mum“ haben.

  3. Messerangriffe…………….

    In meinem Kommentar sprach ich von Notwehr mit Hilfe einer Schusswaffe.
    Das gilt gegen einen Schlagring, gegen Messer und anderes.
    Wenn jemand mit einem Messer auf mich zukommt, dann ist der Fall umso offensichtlicher und erleichtert mir die richtige Reaktion deutlich.

    Wenn jemand im Gedränge, oder erst wenn er auf Tuchfühlung ist ein Messer zieht, ja dann ist das sehr gefährlich und da hilft die Waffe vielleicht auch nicht mehr.

    In Israel zeigt sich aber, dass Messerstiche nicht sofort zur Abwehrunfähigkeit führen, ja ein Angegriffener noch eine gute Chance zum ziehen der Waffe hat und so weiteres einstechen verhindern kann.
    Zudem wurden, das sehen wir aktuell gerade in Israel, viele Terroristen durch bewaffnete Passanten und deren sofortiges entschlossenes Handeln unschädlich gemacht, was viele Todesopfer verhinderte.

    Nicht umsonst gab es in Israel 3-4 mal so viele tote arabische Attentäter wie getötete Israelis.
    Das Stichwort dabei ist die psychische Vorbereitung, oder sagen wir ……mentale Einstellung gegenüber solchen Dingen die man sich selber angedeihen lassen muss.

  4. Zum Artikel zurück…………….

    Hiermit etwas Prinzipielles was sich jeder Bürger mal im Kopf reifen lassen sollte.

    Ein gesunder Bürger muss selber Entscheiden. ( Libertäre wissen das )

    Er muss sich vom ausser Kontrolle geratenen Staat absetzen können, ….auch indem er sich über unsinnige Paragraphen hinwegsetzt.
    Jede Diktatur schafft einen Gesetzesrahmen der sie und nur sie allein am Leben erhält.
    Und da gleicht sich die Spitzenpolitik der heutigen BRD gerade jenem 1000 Jährigen Reich an das sie jeden Tag benutzt um uns gefügig ….unser ewig schlechtes Gewissen am Leben zu erhalten.

    Wenn es um Sicherheit geht hat jeder Bürger ganz eigene Rechte, kein Staat kann verlangen das man sich latent dem Tod aussetzt nur weil der Staat sich um jeden Preis die Macht über seine Untertanen sichern will. Und nur um das Überleben der Welt unserer Politiker geht es dabei, um nichts anderes.
    ( Ausnahme …der Verteidigungsfall eines Landes.)

    Deutschland driftet aktuell in die Diktatur ab, Denunziantentum ( Polizisten verlieren Arbeit weil AfD oder Pegida Befürworter / Antifa denunziert ) und Zensur ( unter anderem Facebook / Fall Akif Pirinci ) sind wieder so allgegenwärtig wie ab 1933.
    Die Politischen Eliten haben sich völlig einer Ideologischen Verirrung zugewendet die im Sozialismus seinen Ursprung hat, ( siehe Flüchtlingskrise n/ EU / Euro ) dem darf sich jeder Bürger kraft eigener Moral und eigenem Entschluss entziehen und notfalls aktiv wiedersetzen.

    Es gibt keine Pflicht an seinem eigenen Untergang mitarbeiten zu müssen.

    Punkt 1 dabei ist die Sicherung seines Vermögens vor dem Staat, auch in Panama wenn es dazu taugt.

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