Wo soll ich denn schießen gehen? – Wie man einen passenden Verein für sich findet  

25 Feb

Wie auf einige andere davor schon, so kam ich auch auf dieses Thema durch die sozialen Netzwerke: Wo kann man Schießen gehen als Anfänger? Was ist das Beste für mich?

Die Antwort wird zunächst „im Schützenverein“ sein. Hier bekommt man den sicheren Umgang mit der Waffe vermittelt, idealer Weise ein paar Tipps, wie man das Ziel trifft und kann die Vereinswaffen nutzen. Man kann nette Leute kennen lernen, kann sich austauschen, bekommt ein paar Tipps von alten Hasen und darf auch die ein oder andere Waffe von Vereinskollegen mal ausprobieren, um herauszufinden, was einem liegen könnte, wenn man seine eigenen Waffen kaufen wird.

So sollte es idealer Weise sein.

 

Was will ich?

 

 

Wenn man zu Anfang schon eine Ahnung hat, wo die Reise hingehen könnte – Luftgewehr, Kleinkaliber, eher Lang- oder Kurzwaffe (oder beides), eher statisch/Präzision oder eher dynamische Disziplinen – kann das natürlich sehr helfen bei der Auswahl des Vereins. Was bringt mir ein Verein, in dem nur Luftgewehr geschossen wird, wenn ich Großkaliber schießen will? Hier gilt es auch, gesetzliche Bestimmungen zu beachten, denn u.U. sind hier Grenzen gesetzt (z.B. Alterbeschränkungen für gewisse Kaliber bei Minderjährigen).

 

Wie erkenne ich einen (für mich) guten Verein?

 

 

Also, die erste Herausforderung ist die, einen geeigneten Verein zu finden – und das scheint nicht immer zu glücken, wenn man manchen Beitrag im Netz liest, in dem der Verfasser Probleme hat, Waffen zu beantragen oder ähnliches (hier ein erklärender Videoclip zu manchen Fragen und Problemen von Kenneth Smith). Manchmal scheint es daran zu liegen, dass Blockwarte in Vereinen ihre eigene „Machtposition“nutzen, um unliebsame Waffen, Kaliber oder Disziplinen zu diskriminieren.

Es ist natürlich schwierig, wenn zu Beginn nur ein diffuser Wunsch „irgendwie zu schießen“ da ist. Aber gerade dann wäre es gut, wenn in dem Verein der Wahl ein breiteres Angebot vorhanden ist, um verschiedene Disziplinen auszuprobieren.

Besonders bei jüngeren Menschen entscheiden oft zwei Faktoren die Vereinswahl maßgeblich mit: der Vereinsbeitrag (und die Aufnahmegebühr) und die Entfernung vom Wohnort (denn die setzt Mobilität, d.h. letztlich auch wieder Geld, voraus). Hier wird unter Umständen so manche Grenze gesetzt. Etwas verallgemeinernd kann man sagen, dass die ländlichen Vereine meist günstiger sind als die städtischen, man dafür aber aus keinem so breiten Angebot an Vereinen wählen kann und eventuell etwas weiter fahren muss, um den Verein der Wahl zu finden.

 

Wie finde ich raus, ob der Verein zu mir passt?

 

Eventuell ist man schlecht beraten, einfach den günstigsten oder nächstgelegenen Verein zu wählen: wer selbst am liebsten in taktischer Kleidung herumläuft und von einer „black rifle“ träumt, könnte in einem Traditionsverein wahrscheinlich befremden auslösen, wo das Tragen der Vereinsuniform zu bestimmten Terminen Pflicht ist und ältere Herrschaften diese „Sturmgewehre“ für Teufelszeug halten. Und wer gerne in Westernkleidung Wildwest-Disziplinen mit Revolver und Unterhebelrepetierer schießen will, der sollte am Besten auch Gleichgesinnte suchen. Menschen tendieren dazu, sich über andere Kostümierungen lustig zu machen….(da machte sich doch neulich am Schießstand ein Jäger in waldgrüner Jägermontur über mich lustig, weil ich eine Cargohose und „Desert Boots“ trug und fragte mich, ob ich zur Wehrsportübung gehe…..HALLO???)

Die oben genannten Faktoren können also dazu beitragen, ob die Chemie zwischen den alteingesessenen des Vereins und dem Neuling stimmt. Bitte nicht falsch verstehen, ich will nicht dem Sektierertum das Wort reden, mir persönlich ist es egal, welchen „Style“ jemand bevorzugt, auch wenn ich dem ein oder anderen für mich nichts abgewinnen kann. Und wäre es nicht schön, wenn die unterschiedlichen Stile in einem Verein versammelt wären und man so auch Neues von anderen ausprobieren könnte? Praktikabel ist das allerdings nicht (es müsste sich schon um einen sehr großen Verein handeln), wenn man die Anschaffung von Vereinswaffen, unterschiedliche Trainings usw. berücksichtigt. Und die Abgrenzung zu Anderem und Andersartigem scheint nun mal ein menschlicher Wesenszug zu sein – das ist in anderen Sportarten mit unterschiedlichen Stilen und Disziplinen nicht anders!

 

Vorteile – Nachteile verschiedener Vereinsformen

 

Bei der Wahl ist auch zu beachten, ob der Verein eine eigene Schießstätte betreibt oder sich nur irgendwo einmietet. Bei Vereinen mit eigener Schießstätte sind zwar mehr und längere Trainingszeiten wahrscheinlicher, aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass Arbeitsstunden anfallen, ist größer. Das bedeutet wiederum ein Mehraufwand an Zeit (oder Geld, den meist kann man sich davon „frei kaufen“). Oder: wird erwartet, dass man 3x die Woche zu geselligem Beisammensein und diversen Feierlichkeiten erscheint? Wer das nicht will, ist mit einem Verein ohne eigene Schießstätte, der sich irgendwo einmietet und „shoot & go“ anbietet, besser beraten. Der Nachteil hier könnte sein, dass die Trainingszeiten dann sehr begrenzt sind.

 

Verbände

 

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Vereine als Überbau noch die Verbände haben. Zu nennen wäre hier der DSB, BDS, DSU, BDMP. Die Verbände haben ihre spezifischen Vorgaben, wem wann wie viele und welche Waffen als Bedürfnis zu genehmigen sind. Auch hierauf sollte bei der Vereinswahl geachtet werden. Denn wenn es auch Überschneidungen in den Disziplinen gibt, so bieten einige Disziplinen nur ein Verband an. Prominentestes Beispiel dürfte hier wohl IPSC sein: Wer diese dynamische Disziplin schießen will, sollte sich einen Verein mit dem BDS als Verband suchen, denn nur der BDS vertritt den IPSC in Deutschland. (Andererseits kann man durchaus in mehr als einem Verband sein.)

Letztlich kann man auch, wenn man das erste Jahr in einem Verein überstanden hat (und somit seine WBK(s) und eventuell ersten Voreinträge erworben hat), sich auch von seinem Verein trennen und – wenn man so ohne weiteres keinen passenden Nachfolgeverein findet – auch direkt Mitglied beim Verband werden (Beim BDS geht das, beim BDMP können ohnehin nur Einzelpersonen und nicht Vereine Mitglied werden, bei den anderen Verbänden bin ich überfragt) und darüber an Wettkämpfen teilnehmen oder sein Bedürfnis erhalten. Trainieren kann man dann entweder allein (wenn man den Schießleiter hat) oder mit ein paar Schießpartnern, indem man sich bei Vereinen oder gewerblichen Schießstätten Bahnen oder Stände mietet. Das kann u.U. kostengünstiger – oder die einzige Möglichkeit! – sein, wenn die Trainingstermine des Vereins/der Vereine aus zeitlichen Gründen nicht nutzen kann.

 

Gibt es kommerziell vs. im Verein?

 

Prinzipiell gibt es die Möglichkeit, auf kommerziell geführten Schießstätten eine Waffe auszuleihen und unter Aufsicht und mit der dort erworbenen Munition zu schießen. Für diejenigen, die das Schießen erst mal ausprobieren möchten, ist das eine gute Möglichkeit, auf längere Sicht ist das teurer – und wahrscheinlich auch unbefriedigend. Manche bieten auch Angebote für Feiern, Betriebsausflüge oder ähnliches und halten Waffen bis .50BMG bereit.

Eine Veranstaltung, die man auch als Einzelperson besuchen kann, wenn man noch nie geschossen hat und Spaß mit Waffen haben möchte, ist die „Out of the Box Challenge“, die Oliver Huber in Bochum ein Mal monatlich anbietet.

 

 

Auch wenn  dies bestimmt nicht erschöpfend sein kann, was es zu diesem Thema zu sagen gibt, so hoffe ich wenigstens ein paar Denkanregungen gegeben zu haben.

 

Insgesamt sind die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung durch das Internet ja recht gut, auch wenn es genug Vereine gibt, die keine Internetpräsenz haben. Ein guter Ansatz ist auch, in den Social Media in den entsprechenden Gruppen seine Suche nach einem Verein Nähe XY (Präferenz für Disziplin XY) bekannt zu machen.

Es gibt viele nette Schützen da draußen, die einen Neuling gerne mal in ihren Verein mitnehmen.

 

Dennoch wäre eine Plattform wünschenswert, auf die ein Anfänger, der in eine Suchmaschine „Schießen“, „Schützenverein“ oder ähnliches eingibt, unweigerlich stößt und die ihn, nach Regionen geordnet, mit den nötigen Informationen, Adressen und Ansprechpartnern versorgt, so dass er von Beginn an gut beraten ist. Die Seite der German Rifle Association wäre hierfür eine ideale Plattform und ich hoffe, dass sie in Zukunft in diese Richtung ausgebaut wird und entsprechende Netzwerke entstehen.

3 thoughts on “Wo soll ich denn schießen gehen? – Wie man einen passenden Verein für sich findet  

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