Wie ich mit schießen anfing- ein paar Erfahrungen und Gedanken dazu, wenn man als Frau zu Schießen beginnt

17 Jul

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In „über mich“ habe ich ja schon grob dargelegt, wie mein Werdegang im Bezug aufs Schießen aussah. Ich wurde vor einiger Zeit gefragt, wie ich denn meinen (Neu-) Start speziell als Frau empfunden habe, wie war das in diesem sehr Männer-lastigen Sport, wie waren meine Erfahrungen?

Zunächst mal zum Schützenverein: Ich kann sagen, dass ich hier sehr freundlich aufgenommen wurde. An dem Tag, an dem ich das erste Mal reinschnupperte, wurde noch ein weiterer Newbie eingewiesen – er ist bis zum heutigen Tage einer meiner liebsten Schießpartner geblieben! Jedenfalls wurden wir in die Sicherheitsregeln, grob die Funktionsweise der Waffen (Groß- und Kleinkaliber, Pistole und Revolver, also insgesamt 4 Kurzwaffen) und Waffenhandhabung eingewiesen – und durften dann einfach mal unser Glück versuchen (25m, auf Präzisionsscheibe). Als „Leckerli“ und um den Unterschied zu spüren wurde in den Smith & Wesson-Revolver erst .38 Spezial und dann .357 Magnum geladen. Das ist als Einweisung natürlich für all jene der Himmel, die zunächst bei einem Schützenverein angefragt haben und zu hören bekamen, dass sie erst mal 1 Jahr lang Luftgewehr schießen müssen…(Ich war das nicht, habe diese Geschichte aber schon mehrfach gehört). Ich war in jenem Schützenverein erst die zweite Frau (von ca. 35 Mitgliedern), aber ich habe da prinzipiell kein Problem damit, mich in einem sehr Männer-lastigen Umfeld zu bewegen.

Auch ein sehr Männer-lastiges Umfeld stellte stellte meine Weiterbildung in der Sicherheit (Personenschutz-Lehrgang) dar. Auch hier wurde geschossen – alle 2 Wochen einen Tag lang (naja, eher einen halben…). Hier konnte ich Macho-Gehabe in Reinform erleben. Während die Sportschützen im Verein über Waffen fachsimpelten, stolz ihre Neuerwerbungen zeigten und über zukünftige (Ausrüstungs-)Wünsche sprachen – aber alles auf eine Art und Weise, wie man es in jedem anderen Hobby auch vorfindet – wollten hier doch so einige demonstrieren, was für tolle Hechte sie an der Waffe sind, wie toll sie doch Bescheid wissen. Einige waren davor bei Militär und Polizei gewesen, das ließ doch eigentlich Treffsicherheit und Fachkenntnis vermuten…Da ich mich mit 3 Monaten Schützenverein noch als blutigen Anfänger sah (zu recht!), schüchterte mich der vermutete Vorsprung zunächst ein (warum falle ich da nur immer wieder drauf rein?). Nach 2-3 Monaten Ausbildung hatte ich aber durchaus gemerkt, dass da bei dem ein oder anderen viel weniger dahinter ist, als sie einem weiß machen wollen. Oder warum war mein Trefferbild nach einiger Zeit besser als das von einem größeren Teil der Teilnehmer?

Was auch mit rein spielte: ich habe ein Handicap, ich bin Linksschütze (Auge – Hand – Bein: alles links dominant), das macht die Sache am Anfang nicht leichter. Ich bin zwar gewohnt, Dinge, die mir gezeigt werden, zu “ spiegeln“ (beispielsweise beim Boxen). Da die meisten Waffen aber nun mal auf Rechtshänder ausgelegt sind, reicht „spiegeln“ nicht aus, man muss Lösungen zur Bedienung finden, die für einen Linkshänder funktionieren (später, wenn man eigene Waffen hat, kann man sich Linkshänderwaffen kaufen oder manche Modelle auf links umbauen – aber bis dahin kommen die meisten Linkshänder auch mit ihren Lösungen gut zurecht und brauchen das eventuell gar nicht). Bei Schießdisziplinen, bei denen es nicht auf Geschwindigkeit ankommt, ist das ohnehin nicht so relevant, für die Drills in der Schießausbildung für Personenschutz aber schon. Ich hantierte also rum, versuchte die für mich richtige Handhabung raus zu finden – warum meinte da immer irgendwer, er könnte mir Linkshänder als Rechtshänder eine Patentlösung bieten? Wie oft wurde mir bei Trockenübungen die Waffe aus der Hand genommen – nach einiger Zeit bin ich darüber regelrecht zornig geworden, nur meine Beherrschung hielt mich davon ab, dem nächsten, der das tun wollte, eine zu kleben…

Ich bin nicht beratungsresistent, im Gegenteil, ich bin sehr wissbegierig und nehme neue Informationen gerne auf – aber bitte von einem qualifizierten Menschen. Ich habe sowohl in Deutschland wie auch den USA Freunde, die einen sehr hohen Wissensstand um Waffen und Schießen erreicht haben – die frage ich gerne und von denen lasse ich mir gerne etwas sagen, aber bitte nicht von Leuten, die selbst nur über rudimentäres Halbwissen verfügen, aber hin und wieder der Meinung sind, sie hätten einem auf natürliche Weise (so als Mann) etwas voraus, wenn es um Waffen geht.

Frauen – lasst Euch das nicht gefallen! Es gibt viele (auch Männer), die behaupten, Frauen hätten sogar die bessere Veranlagung zum Schießen – lasst Euch also nicht wie dumme Mäuschen behandeln!

Obwohl ich ein großer Befürworter der Koedukation bin (Männlein und Weiblein müssen einfach lernen miteinander klar zu kommen – basta!), denke ich, dass es sinnvoll ist, spezielle „Schnupper-Schießen“ und Einweisungen als „Ladies only“ zu gestalten. Der Einweiser kann männlich sein, wobei eine Frau auch hier gut und sinnvoll sein kann. Aber die Gruppe sollte nur aus Frauen bestehen: in einer Atmosphäre ohne Gegockel und Machogehabe können Frauen besser Selbstbewusstsein im Umgang mit der Waffe entwickeln und sehen, was sie können. Wenn sie dann Feuer gefangen haben, kann man sie ruhig auf die Männer loslassen….

 

Ich bin zwar Feministin, aber für Gleichberechtigung – ehrlich! Als Ausgleich darf es natürlich Schießkurse nur für Männer geben…;-)

 

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