Wenn Feministinnen frauenfeindlich werden – Frauenstereotypen beim Thema Frauen und Waffen

11 Aug

Viele Frauen wissen es bereits: Es sind mitnichten immer Männer, mit denen man es zu tun hat, wenn es um frauenfeindliche Stereotypen geht, oft genug kommen die Anfeindungen quasi aus dem „eigenen Lager“, von Frauen. So ist es auch, wenn es um Schusswaffen geht. Natürlich gibt es jene Männer, die ihr Territorium „Waffen“ verteidigen wollen und deswegen Frauen als zu blöd, schwach und ungeschickt hinstellen, um mit Waffen umgehen zu können. Da das aber meist nur ein paar Idioten sind, die selbst nicht viel können, kann man die getrost mit einem Schulterzucken übergehen. Man wundert sich aber schon, wenn linken Feministinnen jede frauenfeindliche Stereotype, gegen die sie selbst in anderem Kontext heftig protestieren würden, nutzen, um gegen etwas zu argumentieren, was nicht in ihr Weltbild passt: Waffen.

Ich habe nun schon einige Bücher zum Thema Frauen und Waffen gelesen, alle aus den USA, aus unterschiedlichen Dekaden. Insofern konnte mir „Gun Women“ von Mary Zeiss Stange und Carol Oyster (Herausgeberinnen und Verfasserinnen des ersten Beitrags) nicht viel Neues bieten. Nicht falsch verstehen, das Buch ist absolut lesenswert: In verschiedenen Kapiteln werden die Themen Selbstverteidigung, Frauen bei Polizei und Militär, Jagd und Sport abgehandelt. Jedem Kapitel ist ein kurzer Beitrag der jeweiligen Verfasserin vorangestellt, in dem sie über ihre Geschichte bzw. Beziehung zu Schusswaffen schreibt. Aber der wichtigste Beitrag ist meiner Meinung derjenige, den die Herausgeberinnen verfasst haben: „High Noon at the Gender Gap“ („High Noon an der Geschlechterkluft“).

Die beiden sind Akademikerinnen und machen in einem Vorwort klar, dass sie „Pro-Firearms – Pro-Feminist“ sind, machen aber gleichzeitig deutlich, dass solche Etiketten wie „Feministin“ eben nicht so einfach sind. Ich hatte bereits in meinem Blogbeitrag „Was hat Feminismus mit Waffen zu tun?“ auf das schwierige Wort „Feminismus“ hingewiesen und die Geschichte der Frauenbewegung kurz erläutert. Die ersten Frauen, die sich für mehr Rechte für Frauen einsetzten (die damals ja wirklich nur Menschen 2. Klasse waren), kann man kaum mit jenen linken Feministinnen der 2. Welle des Feminismus vergleichen, und man tut jenen jungen Frauen, die sich mit Schildern wie „ich bin keine Feministin/ich brauche Feminismus nicht, weil….“im Internet zeigen, unrecht, wenn man sie als Petticoat tragende 50er-Jahre-Heimchen sehen will, denn alles, was diese Frauen ausdrücken wollen, ist, dass sie sich gegen jene bizarren Blüten und den Männerhass stellen, den der heutige Feminismus bzw. die Genderisten hervorbringen. Sie sind meist ganz „old school“ für Gleichberechtigung und das heißt heutzutage, dass man auch mal sagen muss, dass auch Männer Opfer sein können: Opfer von gewalttätigen Partnerinnen,  von falschen Anschuldigungen und vielem mehr. Der „weiße Mann“ ist nicht an allem schuld und kann nicht für jedes Unrecht verantwortlich gemacht werden. Das sind Gründe, warum heutzutage immer mehr Frauen das Etikett „Feminismus“ ablehnen. Andere, wie Stange/Oyster, wiederum wollen den Begriff nicht kampflos jenen linken Feministinnen überlassen und stellen klar, dass die Wirklichkeit etwas vielfältiger ist als die in den Medien dargestellten Stereotypen es vermuten lassen. Und so bezeichnen die beiden sich eben als Pro-Gun-Feministinnen.

Aber nach diesem Exkurs über den Feminismusbegriff nun wieder zurück zu den Vorwürfen und Thesen der (linken) Anti-Gun-Feministinnen.

Der Themenkomplex Waffen – Frauen – Waffenkontrollgesetze gewann in den USA in den 90ern richtig an Fahrt. Tragische Vorfälle mit Schusswaffen (School-Shootings und andere) führten dazu, dass Gun-Control-Aktivistengruppen (beispielsweise Handgun Control Inc.) sich formierten und aktiv wurden, bzw. deutlich an Aktivität zulegten. Gleichzeitig verzeichnete man einen Anstieg der weiblichen Waffenbesitzer, so dass die Waffenindustrie es für ratsam hielt, das neue Klientel mit spezifischen Produkten („Frauen-Waffen“ wie der Ladysmith-Revolver von Smith&Wesson beispielsweise) und auf die Zielgruppe zugeschnittenem Marketing zu erreichen. Und auch jede Zeitung und jedes Magazin schien auf den Zug dieses Trendthemas aufzuspringen und Artikel zu veröffentlichen, die den neuen Trend entweder rundweg verdammten oder zumindest mit gemischten Gefühlen sahen.

Des Öfteren wurde die NRA verantwortlich gemacht, nun Frauen ins Visier zu nehmen (und auch sie zu Objekten zu degradieren) und so für noch mehr tote Frauen und Kinder verantwortlich zu sein. Das Bild, das von der nun bewaffneten Frau gezeichnet wurde, kann man folgendermaßen zusammenfassen:

  • Sie ist angstgetrieben (schlechte Voraussetzung, um sich zu bewaffnen)
  • Sie ist durch Werbung manipuliert, die ihre Angst erst anheizt und dann ausnutzt
  • Sie ist wahrscheinlich unfähig, die möglichen Konsequenzen ihrer Taten zu verstehen
  • Sie ist potentiell gefährlich für Andere und muss vor sich selbst beschützt werden
  • Sie versucht sich ein Gefühl von Sicherheit und Selbstständigkeit zu kaufen, das falsch ist
  • Ihre Entscheidung könnte in einer Tragödie enden

Dieses von den Medien gezeichnete negative Bild der bewaffneten Frau wurde durch die Kellermann-Studien noch untermauert, die herausgefunden haben wollen, dass eine Waffe 43x eher gegen ein Familienmitglied oder Freund benutzt wird, dass die bloße Existenz einer Waffe die Möglichkeit einer Verwendung mit tödlichem Ausgang erhöht, dass Schusswaffen sehr selten (!) effektiv zur Selbstverteidigung eingesetzt werden können und dass eine direkte Relation zwischen strengen Waffengesetzen und geringen Verbrechensraten mit Schusswaffen besteht. Alles „Fakten“, die sich in Anti-Waffen-Kreisen als absolute Wahrheiten etabliert haben, aber leider nicht von anderen Forschern (unabhängigen oder der Gegenseite) überprüft werden konnten, weil die Autoren es ablehnen, die Daten mit anderen zu teilen.

Von den Waffengegnern wird die Waffenindustrie am heftigsten dafür kritisiert, dass sie sich die Angst der Frauen vor Verbrechen, und die Möglichkeit einer Vergewaltigung spielt hier immer eine Rolle, zunutze macht. Der Kriminologe Gary Kleck hat zwar herausgefunden, dass Waffenkauf – auch zum Zwecke der Selbstverteidigung – meist eine unemotionale Entscheidung ist, die mehr mit Zukunftsplanung und Vorbereitet-Sein zu tun hat. Dennoch gelten Frauen in unserer Gesellschaft als eher emotional denn rational agierend und dementsprechend werden Frauen von Pro- und Anti-Waffen-Seite auf Gefahr und Angst, aber auch auf Fürsorglichkeit und Beschützerinstinkt (besonders im Hinblick auf Kinder) angesprochen.

Auch eine Studie zweier Marketing-Professorinnen (Elisabeth Blair und Eva Hyatt) konnten nicht belegen, dass die Werbung Frauen in zwar unwillige, aber dennoch faktisch zu Waffenbesitzerinnen verwandelt (obwohl sie eigentlich genau das beweisen wollten). Ähnlich argumentierten 1991 zwei Rechtswissenschaftlerinnen (Dobray/Waldrop), dass die auf Frauen ausgerichtete Werbung stark reglementiert gehöre. Komischerweise wurde im Hinblick auf Männer nicht so argumentiert und zwar mit der Begründung, dass man bei Männern darauf zählen könne, dass diese wüssten, wie man mit Waffen umgehe – sie könnten deswegen nicht so leicht hinters Licht geführt werden.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Auf Frauen ausgerichtete (Waffen-)Werbung ist unverantwortlich, weil Frauen nicht in der Lage sind die Verantwortung und Konsequenzen von Waffenbesitz zu begreifen. Zudem würden sie eigentlich gar keine Waffen wollen, wenn die Werbung sie nicht dazu verführen würde.

Herzlichen Glückwunsch, nicht mal der frauenfeindlichste Mann wäre in der Lage, diese Frauenfeindlichkeit zu toppen!

Zudem gibt es in der Realität überhaupt keinen Anhaltspunkt für diese Thesen. Vom Marketing war bereits die Rede und was Angst, Verantwortung und mögliche Konsequenzen von Waffenbesitz angeht, so haben sich Frauen sogar als das verantwortungsvollere Geschlecht erwiesen. Frauen informieren sich viel eher über Waffen und suchen viel eher Hilfe und Schießtraining. Die überwiegende Mehrheit der Schießausbilder bescheinigen, dass Frauen die besseren Schüler sind (nicht zu verwechseln mit bessere Schützen/siehe auch der Blogbeitrag: „die moderne Frau und die Schusswaffen“), weil sie nicht wie Jungs/Männer meinen, sie müssten den Umgang mit der Waffe mit der Muttermilch eingesogen haben (und bräuchten insofern nichts lernen). Und es ist viel wahrscheinlicher, dass sich eine bewaffnete Frau gegen einen Angreifer wehrt als eine unbewaffnete.

Für einige feministische Autorinnen wie Naomi Wolf stellen diese Fakten eine gesunde Revision des Stereotyps der „Frau als Opfer“ dar – dafür wurde sie dann von „richtigen“ Feministinnen scharf angegriffen und als „so genannte Feministin“ bezeichnet (Ann Jones im Ms. Magazine), was tief blicken lässt aber typisch für den Anti-Waffen-Tenor der linken Feministinnen des 2. Welle-Feminismus ist: theoretisch wird Vielfalt im Feminismus gepriesen, praktisch dürfen Themen wie Abtreibung, Pornographie oder Waffen nicht zur Debatte stehen.

Anti-Waffen-Feministinnen zitieren gerne den Spruch (aus einem Gedicht) von Audre Lorde, dass „das Haus des Herrn nicht durch des Herren Werkzeug eingerissen werden kann“ – und johlen gleichzeitig im Kino zu „Thelma and Louise“. Szenarien, die aber wohl nur für feministische Fantasie taugen, nicht für die Realität.

L.C. Pogrebin, Mitbegründerin des feministischen Ms. Magazine, schrieb in ihrem Artikel „Weder Pink noch niedlich: Pistolen für die Frauen Amerikas“ darüber, dass sie überrascht war von ihrer sie begeisternden Vorstellung, dass Frauen – sich mit Waffen – gegen Gewalt wehren könnten, Aber dann schien es ihr wahrscheinlicher, dass

  • Frauen ihren Partner in einem hitzigen Streit töten
  • Überwältigt werden und die Waffe gegen sie gerichtet wird
  • Kinder die Waffe finden und für Spielzeug halten
  • Usw.

Wie schon erwähnt, es ist einfach erstaunlich, wie bereitwillig (linke) Feministinnen bereit sind,  das Bild der Frau als unstabil, panisch und überreagierend zu akzeptieren – wenn es um Schusswaffen geht.

Was Feministinnen nicht verneinen ist der Umstand, dass die Welt für Frauen sehr gefährlich sein kann, allem voran durch eine eher frauenspezifische Gefahr: Vergewaltigung. Dennoch lehrt unsere Kultur Frauen nicht Aggression als Verteidigung, denn brave Mädchen raufen (kämpfen) nicht.

Wer soll also laut jenen Feministinnen für die Sicherheit von Frauen sorgen? Die Antwort ist laut Jones und einer großen Anzahl ihrer Mitstreiterinnen: Das Gesetz und die Polizei als sein Vollstrecker. Und wenn die nicht oder zu spät hilft? Untertauchen.

Echt jetzt? Wer einen solchen „Opfer-Feminismus“ leben will, darf das gerne tun. Dass Frauen eine aggressive Position gegen Übergriffe einnehmen – mit Fäusten oder Waffen – ist von ihnen jedenfalls nicht vorgesehen. Meiner Meinung nach führen sie damit nur das Stereotyp vom „braven Mädchen“ weiter und lamentieren gleichzeitig, wie böse doch Männer sind – das soll Feminismus sein?

Im Gegensatz zu Waffenbesitzerinnen, die an das Thema Waffenbesitz und Selbstverteidigung sehr reflektiert und wohlüberlegt herangehen, scheinen Anti-Waffen-Feministinnen nicht nur andere Frauen für dumm zu halten, sondern sie gehen selbst dumm und unüberlegt vor, wenn sie aus Recherchegründen einen Waffenkauf inszenieren oder gar im Selbstversuch einen Monat lang eine Waffe führen. Wer kann, lese den Artikel, bei solcher Dummheit muss man sich einfach fremd schämen. Aber nur weil sie ein ängstliches, verantwortungsloses und ignorantes Dummchen ist, müssen andere es auch sein?

Die Entscheidung, eine Waffe (zur Selbstverteidigung) zu besitzen, ist die Frage einer informierten, wohlüberlegten Wahl und somit im besten Sinne feministisch. Es ist nicht, wie Jones sagt, dass Frauen keine Waffen brauchen, sondern Courage. Es ist eher so, dass es Courage erfordert, diese Entscheidung Pro-Waffenbesitz wohlüberlegt zu treffen und die möglichen Konsequenzen zu tragen (diese können aus verschiedenen Gründen sehr positiv sein, siehe mein Blogbeitrag „Schießen verändert den Lifestyle„).

Dennoch, oder trotz allem, eine Waffe ist kein Talisman oder Zauberstab, der Gewalt auf magische Weise vertreibt. Man muss sie richtig handhaben können – und manchmal kann sie einem auch nicht helfen. Aber das ist kein Grund, gegen Waffenbesitz zu argumentieren, wie es jener Erfahrungsbericht tut, denn es gibt genug Gegenbeispiele, wo Frauen sich mit Waffe verteidigen konnten.

Oder sollte man etwa auf Feuerlöscher verzichten, nur weil es auch Brände gibt, gegen die sie nichts ausrichten können?

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3 thoughts on “Wenn Feministinnen frauenfeindlich werden – Frauenstereotypen beim Thema Frauen und Waffen

  1. Wieder ein sehr guter Artikel. Sehr rationell und gut recherchiert – dabei wird auch auf die emotionalen Hintergründe eingegangen. Ich (Mann) habe es als Trainer schon mit beiden erwähnten Frauen – Typen zu tun bekommen. Einige Frauen behandelt das Thema Waffen – und ja, auch die Selbstverteidigung mit Waffen, mit hoher Professionalität. Sie machen sich rechtlich und technisch sachkundig und investieren auch das nötige Maß an Training. Auf der anderen Seite sind auf Frauen an mich herangetreten, die eine Waffe “ einfach nur haben wollten, um sich sicherer zu fühlen“ und weder bereit waren den sicheren Umgang mit der Waffe zu lernen noch in irgendeiner Weise Zeit für ein Training zu investieren. Wenn ich Ihnen dann verdeutlicht habe, welche Ansprüche und Voraussetzungen in Deutschland an den Waffenbesits gestellt werden, war ihr Interesse sofort wieder verflogen. Allerdings waren die Vertreterinnen der ersten Kategorie weit in der Überzahl. Und dies bedeutet für mich, dass die durchschnittliche Frau sehr wohl in der Lage ist mit Waffen verantwortungsvoll umzugehen und die Folgen ihres Tuns zu überblicken.

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  3. In den letzten Jahren hatte ich viele neugierige Frauen auf dem Stand und – wie von Gerhard Lützenkirchen schon geschrieben – die Mehrzahl war ernsthaft interessiert, sich mit dem Thema Waffe auseinanderzusetzen.

    Was die Fähigkeiten im Umgang mit Waffen angeht – die sind im Prinzip bei Männern und Frauen gleich. Für beide gilt, was Eric S. Raymond so pointiert und tiefsinnig beschrieben hat und was ich mal spaßeshalber übersetzt habe. Eric findet sehr klare Worte für etwas, was den meisten Waffenbesitzern nur teilweise bewusst ist und was „Nicht-Waffenbesitzer“ oder Waffengegner überhaupt nie erfahren werden:
    https://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2013/05/30/ethics-from-the-barrel-of-a-gun/

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