Was ich am Schießen mag  

15 Okt

Vor ein paar Tagen las ich auf Facebook, dass mein Blogbeitrag „Verändert Schießen den Lifestyle?“ nun auch bei All4shooters geteilt wurde. Darunter war dann ein Kommentar, wo jemand vorschlug, ich solle nicht nur darüber schreiben, warum Frauen Waffen haben SOLLEN, sondern warum Frauen Waffen haben WOLLEN.

Um ehrlich zu sein: ich halte mich dafür so ad hoc für inkompetent. Ich müsste zunächst mal nachforschen, warum „Frauen Waffen wollen“. Ich kann da nämlich nur für mich sprechen und ich halte mich nicht für sonderlich repräsentativ, was eine „weibliche Meinung“ angeht.

Ich kann aber sagen, was ich persönlich daran mag:

Schießen ist Entspannung pur. Nach einer oder mehreren Stunden auf der Schießbahn bin ich der friedlichste Mensch, völlig tiefenentspannt. Ich hatte ja schon überlegt, mir ein T-Shirt zu designen, auf dem „shooting is my kind of yoga“ oder ein ähnlicher Spruch steht. Denn mal vom körperlichen Training abgesehen, das Nicht-Schützen gar nicht so bewusst ist, ist der geistige Aspekt meiner Meinung nach noch entscheidender. Ohne Konzentration und Fokus auf das Schießen kann kein befriedigendes Ergebnis erzielt werden. Das bedeutet auch, dass man dabei Probleme, Sorgen und Gedanken, die einen vorher im Kopf herumschwirrten, hinter sich lassen muss, was wiederum sehr befreiend und deswegen entspannend sein kann – und auch hinterher durchaus noch anhält. Wenn man nun den Aspekt des (richtigen) Atmens noch mit hinzunimmt, der besonders bei Präzisionsdisziplinen sehr wichtig ist, dann rückt das Ganze noch weiter in Richtung Yoga, Meditation und eine Zen-artige Ausübung von Tätigkeiten.

Selbstverständlich muss man auch bei anderen Sportarten „bei der Sache“ sein, und doch gibt es da deutliche Unterschiede, ob ich bei einer rasanten Ballsportart im Geschehen bin, turne oder eben schieße. Interessanterweise ist Laufen dagegen eine Sportart, wo ich meinen Gedanken freien Lauf lassen kann, denn die körperliche Betätigung läuft völlig automatisch ab. Ich habe diese kurzen Vergleiche deswegen gezogen, um dem Argument zuvor zu kommen, meine Aussage würde ja auf alle Sportarten zutreffen und man könne ja eine „friedlichere“ Sportart ausüben. Nein, denn keine ist, was das körperliche wie auch das geistige Training angeht, wie die andere!

 

Zudem sind mir Sportarten sehr sympathisch, bei denen die Unterschiede von Alter, Geschlecht, Körpergröße und körperlicher Konstitution keine große Rolle spielen. Auch das hat mein „neues“ Hobby Schießen mit meinem „alten“ Hobby Reiten gemeinsam. Beim Reiten gibt es ja überhaupt keinen Unterschied auf Turnieren in der Wertung von Männern und Frauen. Im Schießen bei Wettkämpfen zwar schon, aber eigentlich wäre das gar nicht nötig. Ich habe zwar schon ein paar mal von Ausbildern gelesen, das sei dazu da, dass Männer auch eine Chance haben, aber damit wollten sie wohl in ironischer Weise ausdrücken, dass diese Trennung eigentlich nicht notwendig ist (und dass Frauen durchaus gut schießen können). Ob der Schütze nun dick oder dünn ist, ob der Großvater mitgeht oder das Kind – letztlich entscheidet all das nicht darüber, ob jemand ein guter Schütze sein kann. Bei anderen Sportarten können diese Unterschiede sehr entscheidend sein. Schießen eignet sich also durchaus als Sport, wo die ganze Familie daran teilhaben kann. Ok, fast die ganze Familie, für Kinder gibt es ja von gesetzlicher Seite einige Beschränkungen und Hürden, aber die haben mit dem Sport/der Freizeitbeschäftigung an sich nichts zu tun (siehe USA).

 

Auch die spezielle und spezifische Art des „Miteinander“ kann als Pluspunkt genannt werden. Denn auch wenn man der Geselligkeit klassischer Schützenvereine mit Tracht und Vereinsheim nichts abgewinnen kann, so lässt sich Schießen ja durchaus anders ausüben. Wer sich mit ein paar Schießsportfreunden auf dem Stand trifft, kann in aller Ruhe seinem Training nachgehen und sich nebenbei über Trainingsmethoden und –fehler, Ausrüstung und Technik, Wettkämpfe und allerlei anderes austauschen. Ein bisschen erinnert es mich an Golf: Konzentration – Abschlag – dem Ball hinterherlaufen und quatschen. Schießen: Konzentration – Serie von Schüssen – Vorlaufen/Trefferaufnahme und –  ja richtig: quatschen.

Da bei Verhalten, das der Sicherheit zuwider läuft, Lebensgefahr bestehen kann, ist es wichtig, dass man seinen Schießpartnern vertraut, gerade auch, wenn man nicht statisch an einem festen Stand steht, sondern sich mit den Waffen durch den Raum bewegt. Das Aufeinander-verlassen-können ist hier so wichtig wie bei Kletterern und lässt so durchaus eine „engere“ Verbindung entstehen.

 

Auch die Selbstverteidigung spielt eine Rolle: Selbst wenn die deutsche Gesetzgebung/das Waffenrecht da wenig Spielraum lässt, fühlt es sich dennoch gut an zu wissen, dass man könnte…Dazu kommt noch, dass meist allerlei Kenntnisse zum Thema Selbstverteidigung irgendwie „automatisch“ mitgeliefert werden. In der Sachkunde lernt man, was die Notwehrparagraphen abdecken und wer sich mit Waffen und Schießen beschäftigt, stößt auch fast unweigerlich auf so Themen wie situational awareness, Ballistik, Abstände, Schusswaffe vs. Messer usw.

 

Zudem mag ich, wenn es BUM macht, ich mag, wenn es qualmt, ich mag den Geruch, ich mag den Geruch von den Reinigungsmitteln und abends gemütlich Zusammensitzen und Waffen putzen. Ich mag auch „meine“ Schießanlage, ich mag den Sandboden und dass die Hallen mich immer an Reithallen erinnern. Ich mag es, mir selbst Ziele zu setzen und darauf hinzuarbeiten, sie zu erreichen. Diese Ziele muss ich auch nicht notwendigerweise auf Wettkämpfen unter Beweis stellen oder sie mit anderen messen.

 

Ach, und dieser Punkt sollte vielleicht ganz oben stehen: SPAß! Es macht einfach Spaß. Punkt.

 

Sind die von mir angeführten Gründe nun repräsentativ für Frauen? Sind meine Gründe nun so verschieden von denen der Männer? Sind Gründe, warum Frauen Schießen, so verschieden von denen der Männer?

 

Gründe, die ich nun für mich nicht reklamieren würde, die aber durchaus eine Rolle spielen können, wären folgende:

 

Interesse an der Waffentechnik: das halte ich nun wirklich für einen Grund, der bei Männer wahrscheinlich prozentual häufiger eine Rolle spielt als bei Frauen.

 

Die sportliche Herausforderung spielt wohl bei beiden Geschlechtern eine Rolle (dazu auch noch weiter unten).

 

Hobby des Partners: Ja, es gibt genug Menschen, die über den Partner zu einem neuen Hobby finden (andersrum geht’s auch: über das Hobby zu einem neuen Partner ;-)). Hier ist es wohl schon rein zahlenmäßig anzunehmen, dass deutlich mehr Frauen über ihren Partner zum Schießsport finden als andersrum (wobei es das auch gibt). Da ist ja auch nichts Negatives dazu zu sagen, wenn wirkliches Interesse geweckt worden ist. Dann war aber der Partner auch mehr der Stein des Anstoßes und die Gründe, den Sport auszuüben, sind vielleicht ähnlich den bislang erwähnten. Dennoch kann der Grund, ein Hobby mit dem Partner ausüben zu können, durchaus ein gewichtiges Argument sein. Und da sind wir wieder bei meinem 2. Grund, warum ich Schießen mag, denn bei anderen Sportarten könnte es aufgrund der u.U. sehr unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen schwierig werden.

 

Anders als USA spielt der „Pink-Equipment-Effekt“ in Deutschland bei den Frauen keine große Rolle, auch, weil sie es gar nicht so ausleben können wie dort (wegen Beschränkungen). Mit Pink-Equipment-Effekt meine ich, dass Frauen vorrangig über das Aussehen und Design von Waffen und Zubehör, das diese speziell anziehen soll, auf Waffen aufmerksam gemacht werden und diese dadurch so attraktiv werden, dass Frauen sie besitzen wollen.

 

 

Ich finde, man sollte die vielleicht nicht so sympathischen Beweggründe, warum manche Schießen, auch nicht einfach unter den Teppich kehren:

 

Angeben

Großmannssucht

Machtgefühle

 

Auch wenn diese Gründe bei vielen (mir durchaus auch? Wir sind alle nur Menschen, in denen gute wie schlechte Eigenschaften angelegt sind) zu geringen Teilen mit hinein spielen, so macht die Anzahl derer, für die das die vorrangigen Beweggründe sind, sicherlich die Minderheit  aus. Und auch von dieser Minderheit ist nur ein verschwindend geringer Teil potentiell „gefährlich“. Nicht umsonst spricht man ja von „Wochenend-Rambos“ oder „Wochenend-PMCs“….

 

Mein Freund formulierte als These, weniger einer Statistik entnommen als seines persönlichen Eindrucks von Facebook-Bekannten und Real-Life, dass im Vergleich zur Gesamtzahl der Frauen im Schießsport überprozentual viele sportlich aktiv und ambitioniert sind, gerade auch in den dynamischeren Disziplinen (IPSC, aber auch Biathlon). Auch das wäre, wenn das zutreffen sollte, vergleichbar zum Reitsport, wo die prozentual deutlich geringere Anzahl an Männern überprozentual hoch auf Tunieren vertreten ist.

 

So, nun habe ich versucht zu erklären, was ich am Schießen mag und was bei anderen Gründe sein können. Warum ich und andere diesen Sport ausüben. Machen wir uns nichts vor, es gibt auch Gründe, für mich und andere, die man öffentlich nicht aussprechen wird. Ich fände es aber schön, wenn die Leser noch weitere Gründe hinzufügen (ich hätte bestimmt noch mehr dazu schreiben können, aber der Text ist so schon recht lang geworden). Vielleicht können auch andere Frauen sich dazu äußern, was sie am Schießen mögen….?

Titelbild von Oleg Volk

4 thoughts on “Was ich am Schießen mag  

  1. Was mir am Schießsport am meisten gefällt ist, dass wenn ich meinen Gehörschutz aufsetze und meinen eigenen Herzschlag höre, ich ein Gefühl der völligen Ruhe in mir Spüre.
    Ich schieße nur Großkaliber Präzision, also habe ich nicht viel Bewegung beim Sport selbst, aber das zusammensein mit meinen Schützenkollegen und meinem Mann ist einfach wunderbar.
    Es gibt keinen besseren Zusammenhalt als in einem Schützenverein (ist halt in unserem so)
    und ich habe alle Leute gerne um mich, weil ich ihnen vertraue und weiss, was meine Trainingspartner können. Ich habe von Ihnen auch wirklich viel gelernt, vorallem hat es meinen Mann und mich noch enger zusammengeschweisst. Da er doch österreichischer Meister im SGKP ist, lerne ich natürlich von ihm viel dazu. (auch wenn es mir manchmal nicht passt wenn er mir einen Fehler sag, den ich gemacht habe und ja ich weiss, die Ruhe beim abziehen fehlt mir noch :))
    Alles in allem, gibt es für mich keinen besseren Sport und keine bessere Sportart, in der man viel herum kommt, ganz tolle und interessante Leute kennenlernt und mich so entspannt.
    Ich habe es mit autogenem Training versucht und mit Yoga, doch die beste Entspannung bieten 2 Stunden am Schiessstand und anschließend richtigen Spaß mit den Trainingspartner, die auch außerhalb zu ganz tollen Freunden geworden sind.
    Und es macht auch SPAß wenn es laut knallt und wenn man mal einfach ein kleines Gaude Turnier veranstaltet.
    Mein Mann und ich feiern sogar unserer kirchliche Trauung beim Schützenverein, mit unseren Kollegen, die eben gleichzeitig auch die besten Freunde sind.

    so und nun wünsche ich ein „Schützen Heil“ und liebe Grüße

  2. Schießen ist Meditation mit Knall

    Wenn ich wieder mal einen stressigen Tag im Büro hatte, dann schickt mich meine Frau auf den Schießstand. Auf der Fahrt dahin komme ich runter und entspanne mich etwas. Auf dem Stand gibt es keinen Platz für Job-Stress oder Alltagssorgen. Unkonzentriertheit führt zu Sicherheitsfehlern – die darf man sich nicht erlauben. Man muß alle seine Sinne beisammen haben.

    Wenn ich vom Stand dann nach Hause komme, bin ich wieder ein ruhiger, entspannter Mensch und sozialverträglich. Gerade für Leute, die schlecht abschalten können, kann Schießsport ideal sein, weil die Gedanken gezielt in eine andere Richtung gelenkt werden.

    Sicher – das kann man auch mit anderen Sportarten erreichen, aber die machen mir persönlich keinen Spaß.

    Was ich selbst am schießen mag, deckt sich weitgehend mit dem, was oben geschrieben wurde. Wir hatten immer Waffen im Haus, deshalb gab es keine Berührungsängste. Die technischen Aspekte sind für mich hochinteressant. Die Physik und die Chemie, die dahintersteckt, Innenballistik, Außenballistik, Terminalballistik, Wiederladen, usw. Der sportliche Wettkampf interessiert mich persönlich jetzt weniger, ich benutze das schießen zur Entspannung und sehe IPSC als aktive Meditation.

    Angeberei und Machtgefühle … manchmal macht es Spaß die Gesichter von arglosen Leuten zu sehen, wenn man ihnen erzählt, daß man Waffen besitzt. Aber Machtgefühle? Die hatte ich als Kind – mit der Spielzeugpistole, wenn wir durch den Wald getobt sind. Im Umgang mit echten Waffen dominieren Konzentration, Achtsamkeit und Respekt. Da kommen (zumindest bei mir) gar keine Machtgefühle auf. Das Sprichwort: „Große Macht erfordert große Verantwortung“, das trifft mMn. auch auf die ganz große Mehrheit der Waffenbesitzer zu.

  3. Pingback: Blogreader | Waffen – Waffenbesitzer – Waffenrecht

  4. Nach meiner Erfahrung, erkennen die meisten Schützen, Sport, Militär & Polizei nicht, dass das Schießen eine „martial art“ ist; und man es dementsprechend praktizieren sollte.
    Grüße

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