Was hat Feminismus mit Waffen zu tun?

17 Aug

Zwei Fundstücke im Netz – genauer auf Facebook – zeigten mir mal wieder, was für einen Bärendienst viele Feministinnen den Frauen getan haben: das eine war ein Bild von einer jungen Frau, die ein Schild mit „#anti-feminism“ (plus ein Zusatz, dass Männer und Frauen an einem Strang ziehen sollen, dem Sinn nach) hoch hielt, das andere war ein Bild, in dem attraktive konservative Frauen (somit Anti-Feministinnen?) bekannten und zugegebenermaßen nicht gerade attraktiven Feministinnen entgegengestellt wurden. Irgendwie tut mir das weh, denn eigentlich würde ich mich auch als Feministin bezeichnen. Irgendwie. Oder eben auch nicht, aber dann nur wegen dem, was so einige Feministinnen seit Jahrzehnten diesem Begriff antun – ich würde es als „in den Schmutz ziehen“ bezeichnen.

 

Hier stellt sich also die Frage: was hat Feminismus mit Waffen zu tun? Ist Feminismus für oder gegen Waffen? Und gibt es DEN Feminismus überhaupt?

Letzteres kann kurz und knapp mit NEIN beantwortet werden.

 

Kurzer Abriss der Geschichte der Frauenbewegung

 

Wenn man die Feministinnen der ersten Welle des Feminismus (Mitte 19. Jh. Bis ca. 20er Jahre des 20. Jh.) als Beispiel nimmt, so ist klar, dass es diesen lediglich darum ging, für Frauen dieselben Rechte durchzusetzen, die auch Männer hatten. Sprich, nicht auf die Rollen als Hausfrau und Mutter reduziert zu werden, sondern dieselbe Bildung wie ein Mann genießen zu dürfen, zu studieren, zu forschen, einen Beruf zu ergreifen, frei über sich selbst und sein Geld zu bestimmen, zu wählen und vieles mehr. Diese erste Welle, die durchaus erfolgreich war, rechtliche und gesellschaftliche Forderungen durchzusetzen, endete in den 20er Jahren aufgrund der schlechten Wirtschaftslage zur Zeit der Depression (in der Frauen eben aufgrund des Mangels an Arbeitsplätzen wieder in die Rolle der Hausfrau zurückgedrängt wurden) und erst recht nach den Weltkriegen, in denen die Frauen zwar als Hilfskräfte für Militär und Wirtschaft benötigt wurden und ihren Dienst taten, aber hinterher im Zuge einer Forderung nach einer „Normalisierung der Verhältnisse“ wieder in alte Rollenmodelle zurückgedrängt wurden.

 

Erst die zweite Welle der Feminismus-Bewegung in den 60ern, die eng mit der Studentenbewegung und deren linken Ausrichtung verbunden war, hob die Frauenbewegung  auf die Ebene des Geschlechterkampfes. Es gab durchaus gute Gründe, für die Rechte der Frauen zu kämpfen, denn diese waren gegenüber den Männern rechtlich benachteiligt: Männer durften als Hausvorstand allein Entscheidungen treffen, die Frau durfte ohne Zustimmung des Mannes weder ein eigenes Konto eröffnen noch arbeiten gehen. Aber zu dieser Zeit setzte auch der Ideologie-immanente Hass auf Männer von Seiten vieler Feministinnen ein, die Männer analog zu Kapitalisten oder Imperialisten als Unterdrücker sahen. Man kann die Zeit der zweiten Welle des Feminismus kaum erwähnen, ohne das deutsche Flagschiff der Frauenemanzipation jener Zeit, Alice Schwarzer zu nennen. Zu ihr und ihrer Haltung existiert ein sehr guter Blogbeitrag  bei den „Töchtern der Freiheit“, deswegen werde ich zu dieser Dame nichts weiter sagen.

 

Es gibt auch eine so bezeichnete dritte Welle des Feminismus, die in den 90er-Jahren begann, viel interessanter ist aber die neueste Ausprägung, die postfeministische Theorie, die direkt auf das Postulat von Simone de Beauvoir fußt, nämlich dass „man nicht als Frau geboren, sondern zur Frau gemacht“ wird (gilt aber dann auch für den Mann) – das Gender-Mainstreaming. Hier wird, man höre und staune, sogar negiert, dass es ein biologisches Geschlecht gibt, alles sei nur gesellschaftlich anerzogen und könne somit auch geändert werden. Wenn man sich den Wikipedia-Beitrag dazu durchliest, hört sich Gender-Mainstreaming eigentlich ganz vernünftig an, geht es doch, wie hier dargestellt, nur um die „Gleichstellung der Geschlechter“. Ein ganz anderes Bild davon bekommt man, wenn man so liest, mit was sich diese GenderMainstreamer beschäftigen.

 

Abgesehen von der zeitlichen Abfolge gab es aber in allen Epochen auch sich widersprechende unterschiedliche Strömungen des Feminismus, wie Radikal-Feminismus, Gleichheitsfeminismus, Differenzfeminismus, gynozentrischer, spiritueller, sozialistischer und anarchistischer Feminismus sowie Individualfeminismus, nur um einige zu nennen.

 

Mögen Feministinnen Waffen?

 

Nach diesem kurzen Überblick möchte ich also zu den ersten zwei eingangs gestellten Fragen zurückkommen, was Feminismus mit Waffen zu tun hat und ob Feministinnen für oder gegen Waffen sind.

Da es nicht DEN Feminismus gibt, kann diese Frage natürlich nicht pauschal beantwortet werden. Aber der meiner Meinung gerade vorherrschende „linke“ Feminismus, lehnt Waffen als Herrschaftssymbole des Mannes ab. Waffen sind böse, genauso wie Männer. Im Feminismus wird ja sogar von einer „rape culture“ gesprochen, also einer „Vergewaltigungs- Kultur“, in der sexuelle Gewalt und Vergewaltigung nicht nur verbreitet ist, sondern auch geduldet wird. Ich würde das für manche Kulturkreise wie beispielsweise Indien sogar zutreffend nennen, fraglich ist, ob man auch in den Staaten oder Deutschland von einer „rape-culture“ sprechen kann, zumindest für Deutschland halte ich das nicht für gegeben. Aber egal ob die sexuelle Gewalt nun gesellschaftlich verankert ist, oder es sich um Einzelfälle handelt – Menschen (Männer wie Frauen!) müssen das Recht haben, sich dagegen zu wehren. Und sie sollten die Mittel haben, dies auch tun zu können.

Obwohl der Fall gar kein Waffenbezug hatte, war der Shitstorm doch sehr bezeichnend, der über die Schönheitskönigin von Nevada hereinbrach, als diese – die den schwarzen Gürtel (ich weiß nicht welcher Kampfsportart) hat – sich dafür aussprach, dass Frauen Selbstverteidigung lernen sollen. Linke Feministinnen („liberals“) sahen das als „victim blaming“, also dem Opfer die Schuld geben, an und forderten, man müsse Männer dazu erziehen, keine sexuelle Gewalt auszuüben. Das mag ja durchaus richtig sein, genauso wie die Forderung richtig ist, dass man Kinder dazu erziehen sollte, nicht zu stehlen oder andere zu mobben – und dennoch wird es immer die geben, bei denen diese Erziehung nie stattgefunden oder gefruchtet hat. Niemals hat es und niemals wird es einen Zustand geben, in dem alle Menschen sich „moralisch gut“ (wie auch immer das zu einer jeweiligen Zeit ausgelegt wird) verhalten, Gewalt und Kriminalität wird sich nie zu 100% ausmerzen lassen. Wer das glaubt, glaubt an eine – gefährliche – Utopie. Auch wer also daran arbeiten möchte, die Zustände zu ändern und verbessern, sollte doch nicht so blauäugig sein zu glauben, dass etwas nicht passiert, nur weil ich es ablehne. Mit derselben Begründung müsste man dann auch auf Feuerlöscher, Airbags und sonstige Sicherheitsvorkehrungen verzichten.

Aber genau wie hier abgelehnt wird, dass Frauen Selbstverteidigung lernen, werden von jenen linken Kreisen auch Waffen ganz allgemein zur Selbstverteidigung abgelehnt. Der folgende Twitter-Beitrag war von der Verfasserin zwar anders gemeint, aber von der anderen Seite her betrachtet könnte man auch sagen, dass sie nicht Unrecht hat:

 

Let’s hope Nevada uses her media tour to reiterate that teaching girls self defense is NOT the best way to protect against assault 

 

Hoffen wir, dass Nevada (eig. Miss Nevada) ihre Medien-Tour dazu nutzt um klarzustellen, dass es NICHT die beste Methode ist, Mädchen Selbstverteidigung beizubringen, um sich gegen Übergriffe zu wehren.“ Stimmt – Selbstverteidigung ist gut, eine Waffe zu haben ist besser!

 

Um das noch mal zu rekapitulieren: es ist ein Zeichen totalitärer Ideologien, egal ob rechter oder linker, dass ganze Menschengruppen pauschal diffamiert und zum Feind erklärt werden. Ob das nun Männer, Juden oder Großgrundbesitzer sind, ist dann egal, es gibt keine Individuen mehr, die sich so oder auch anders verhalten können, sondern es gibt nur noch „DEN Mann“ oder „DEN Juden“. DER Mann war und ist also pauschal ein Frauenunterdrücker, ein Tier und Vergewaltiger, dem seine Schlechtigkeit aufgezeigt und ausgetrieben werden muss. Der Mann ist immer schuld, er ist immer Täter. Hier wird eine Pauschalisierung vorgenommen, die, wenn sie auf andere Gruppen wie beispielsweise Ausländer oder Dunkelhäutige angewendet wird, bei eben jenen linken Feministinnen zu großer Empörung führt.

 

Sind Frauen mit Waffen also keine Feministinnen?

 

Wie in meinem kurzen Abriss oben dargestellt, gibt es DEN Feminismus nicht. Wenn wir aber Frauen, die in selbstbewusster Weise für sich selbst (und eventuell ihre Kinder) sorgen können und wollen, sei es finanziell oder was ihre Sicherheit betrifft, als Feministinnen bezeichnen wollen, Frauen, die ohne einen Mann auskommen können (aber nicht müssen) und die, wenn sie eine Beziehung mit einem Mann eingehen, auf eine gleichberechtigte Partnerschaft setzen, dann – ja.

Für mich bedeutet Feminismus, dass ich dafür sorge kein Opfer zu sein. Möglichst in keiner Hinsicht (finanziell, beruflich, körperlich). Waffenlose Selbstverteidigung und im Umgang mit Schusswaffen geschult zu sein ist ein Weg, sich gegen körperliche Angriffe zu schützen (auch wenn letzteres in Deutschland nur in sehr geringem Umfang möglich ist). Diese Trainings bilden meist auch das nötige Selbstbewusstsein heraus, sich schon frühzeitig gegen drohende oder sich entwickelnde Übergriffe zur Wehr zu setzen. Schon rechtzeitig zu signalisieren: „bis hierhin und nicht weiter!“

In den USA sehen es viele Frauen als „empowerment“, als Stärkung ihres Selbst, an, Waffen zur Selbstverteidigung zu haben, sie zu führen und mit ihnen umgehen zu können. Damit sich nicht mehr „29 Dinge vermeiden, weil sie sich um ihre Sicherheit sorgen“. Dasselbe würde ich mir für Frauen auch außerhalb der USA wünschen.

 

Gerade als Frau mit einer libertären Einstellung gehört ein Feminismus, der auf Gleichstellung und ein Miteinander von Mann und Frau setzt, fast notwendigerweise dazu. Ein Feminismus, der dem Vermächtnis der frühen Freiheitskämpferinnen verpflichtet ist. Und nicht den greinenden, keifenden Männerhasserinnen  der zweiten Welle des Feminismus.

 

 

3 thoughts on “Was hat Feminismus mit Waffen zu tun?

  1. Ein sehr guter Artikel. Da ich ein Mann bin, und bisher unter dem Label „Feminismus“ nur Hardcore-Männerhass a la „Alle Männer sind Vergewaltiger und Unterdrücker von Geburt an…“ kannte, konnte ich mit Feminismus wirklich nichts anfangen. Wenn Feminismus aber in Zukunft wieder das Sterben nach echte Gleichberechtigung ist – und nicht nur Männer-Benachteiligung bedeuten soll – dann bin ich vollumfänglich dafür. Meine Partnerin und ich sind beide Sportschützen und Sie unterdrückt mich nur gelegentlich. ;-)

  2. Die Begriffe „Feminismus“ und neuerdings „Maskulismus“ sind eigentlich Kampfbegriffe die beide in ihren totalitären Formen auf Ungleichheit und Ausgrenzung setzen. Für mich als Libertären wäre „Humanismus“ das richtige Wort.

    Sowohl Männer als auch Frauen befinden sich oft in Lebenssituationen in denen das jeweilige andere Geschlecht mal bevorzugt behandelt, mal benachteiligt wird. Der Humanismus strebt danach, dies auszugleichen. Seit der Zeit der Aufklärung in der Renaissance sind wir einen weiten Weg gegangen und haben in vielen Bereichen Gleichberechtigung und im Vergleich zu vielen andern Teilen der Welt geht es uns in Europa sehr gut. Wir haben weitgehende Rechte und können uns individuell selbst verwirklichen, ohne daß uns allzuhohe Hürden im Weg stehen.

    „Selfempowerment“ ist etwas, was in den USA zur Lebensphilosophie der Bürger gehört, in Europa allerdings kaum bekannt ist. Es ist die Philosophie sich „selbst zu befähigen/entwickeln“ ohne dabei von der Meinung und den Ressourcen Anderer abhängig zu sein. Etwas, was in den mehr kollektivistischen Gesellschaften in Europa nicht verstanden wird.

    Eine Frau, die für sich selbst einsteht, für sich selbst sorgen und die sich selbst verteidigen kann, wenn es nötig sein sollte, hat meinen vollsten Respekt und meine Bewunderung. „Feminstinnen“ dagegen, die permanent die Opferrolle bedienen und Andere auf ihr jämmerliches Niveau herunterziehen wollen, verachte ich. Denn der Feminismus wollte ursprünglich gleichberechtigte, emanzipierte Frauen – keine „Feminismussimulanten“, die die ursprünglichen Ziele pervertiert haben!

  3. Pingback: Wenn Feministinnen frauenfeindlich werden – Frauenstereotypen beim Thema Frauen und Waffen | Die Waffe(n) der FrauDie Waffe(n) der Frau

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