Wäre „Eddy the Eagle“ auch in Deutschland sinnvoll?

3 Aug

Der Anlass, über das Thema „Kinder und Sicherheit bezüglich Schusswaffen“ (dazu, wer Eddy the Eagle ist, komme ich später)  zu schreiben, ist sehr aktuell. Es sind Sommerferien, mein Sohn war mit Freunden zum Spielen im Park. Irgendwann kam er ganz aufgeregt nach hause: „schau mal, was ich im Gebüsch gefunden habe!“ – und er hatte einen großen Gegenstand bei sich, der zwar als Werkzeug eingestuft wird, aber durchaus als Waffe zu benutzen ist. In Afrika werden damit regelmäßig Massaker an Angehörigen verfeindeter Stämme begangen…

Nun leben wir in Berlin, Drogen sind allgegenwärtig. Wenn man durch die Straßen geht, fühlt man sich manchmal wie in Amsterdam, so viele Cannabis-Duftwolken erschnuppert man da. Und in den Parks bunkern und verkaufen die Dealer ihre Ware. Diese Aktivitäten kenne ich von abendlichen Hundespaziergängen zur Genüge, leben und leben lassen, meiner Ansicht nach gehört das Drogenverbot ohnehin aufgehoben (meine persönliche, libertäre Ansicht, aber das ist ein anderes Thema, ein weites Feld). Einige dieser „Geschäftsleute“ scheinen sich also schützen zu wollen oder sie möchten andere bedrohen, wie auch immer. Und da man besser nicht von der Polizei mit einer Machete erwischt wird, lagert man sie einfach am „Arbeitsplatz“, ist doch logisch.

 

Meine Überlegung war nun: wenn der „Geschäftsmann“ nun vielleicht eher ein anderes „Werkzeug“ bevorzugt, eine Schusswaffe womöglich, und auch irgendwo am „Arbeitsplatz“ lagert, weil man damit noch weniger von der Polizei erwischt werden sollte – was dann, wenn Kinder sie finden?

Bei meinem Sohn habe ich da weniger Angst: obwohl er noch nicht Schießen darf, kennt er die 4 Sicherheitsregeln und bekommt immer wieder eingeschärft, dass Schusswaffen kein Spielzeug sind, immerhin lebt er in einem Haushalt mit Schusswaffen. Auch wenn diese ordnungsgemäß im Waffenschrank außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden, so weiß man ja nie: mich könnte ja beim Einräumen in den Safe nach dem Schießen der Schlag treffen…Jedenfalls, obwohl er weiß, dass er nicht mit dem Finger an den Abzug und den Lauf nie in Richtung von Menschen oder anderen Lebewesen halten darf, schärfte ich ihm ein, dass er, sollte er im Gebüsch wirklich irgendwann mal eine Schusswaffe finden, diese nicht anfassen, sondern sofort mich verständigen soll. Und ich vertraue darauf, dass er das auch macht: Neugierde und Interesse kann und darf er auch zuhause befriedigen, er hat keinen Grund, sich deswegen in Gefahr zu begeben. Er kennt auch die Folgen, wenn ein Schuss fällt, sei es, wie diverse Ziele nach Beschuss aussehen können, sei es, wie die schönen goldenen Geschosse nach dem Abfeuern und Auftreffen aussehen.

 

Was wäre aber, wenn ein Kind, das nicht aus einem Schützenhaushalt stammt, die Waffe findet? Eines fällt einem Schützen immer wieder auf: Wenn Nicht-Schützen, Erwachsene wie Kinder, eine Waffe in die Hand nehmen (egal ob Spielzeug oder scharfe Waffe), ist der Finger immer sofort am Abzug. Verständlich, Hollywood macht es vor. Aber das ist auch das Gefährliche. Dann noch die Waffe auf eine andere Person gerichtet (wie man es aus dem Spiel oder eben wieder Hollywood kennt) und die Vorraussetzungen für ein Unglück sind geschaffen.

 

Nun ist die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland irgendwo eine Schusswaffe zu finden, nicht sehr hoch (zu den eventuell deponierten Waffen von Kriminellen kommen aber noch „vergessene“ Waffen von Polizisten und Sicherheitsleuten – ups!), weder für Erwachsene noch für Kinder. In den USA kann das schon viel häufiger der Fall sein. Deswegen hat die NRA das Schulungsprogramm „Eddy the Eagle Gunsafe“ (http://eddieeagle.nra.org/ ) entwickelt.

 

Dieses Programm mit dem Adler als Maskottchen wurde für Kinder im Vorschulalter bis zur 3. Klasse entwickelt. Es soll die Kinder grundlegend 4 Schritte lehren, wenn sie eine Schusswaffe finden sollten: 1.Stopp! 2. Nicht anfassen 3. Aus dem Bereich (der Waffe) weggehen 4. einem Erwachsenen Bescheid sagen. Man kann dieses Programm, zu dem es ein Arbeitsbuch, Aufkleber und andere Lehrmaterialien gibt, in Kurzform von einer Stunde lehren oder auf 5 Tage ausdehnen. Gedacht ist es für Lehrer und Erzieher, Behörden wie die Polizei oder auch einfach für Eltern. Das Programm wurde 1988 entwickelt, in 50 Staaten angewendet und hat bislang 26 Mio. Kinder erreicht. Laut NRA ist die Zahl der Schusswaffen-Unfälle mit Kindern seit 1988 um 80% zurückgegangen – und schreibt das natürlich u.a. auch ihrem „Eddy the Eagle“-Programm zu.

Das Programm soll laut NRA ausdrücklich ausschließlich der Sicherheit von Kindern dienen, d.h. um das Programm zu unterrichten muss man kein NRA-Mitglied sein. Es wird weder die NRA erwähnt oder beworben, noch werden Schusswaffen beworben oder als gut dargestellt – Eddy the Eagle hat nie eine Waffe in der Hand. Dies soll vor allem sicherstellen, dass auch Leute, die Waffen ablehnend gegenüberstehen, dieses Programm annehmen können. Ob das auch der Fall ist, oder ob die Waffengegner dieses Programm schon allein deswegen ablehnen, weil es von der NRA kommt, würde mich wirklich interessieren.

 

Wie schon gesagt, für Deutschland halte ich die Notwendigkeit für solch ein Schulungsprogramm für übertrieben (was nicht heißt, dass ich ein wesentlich früheres Heranführen an das sportliche Schießen in Deutschland nicht begrüßen würde, das momentan durch den gesetzlichen Rahmen nicht möglich ist!), aber jeder selbst muss ja für sich entscheiden, was er seinem Kind beibringt. Wer sein Kind nicht in einem goldenen Käfig halten will, muss dafür sorgen, dass es Dinge lernt, die u.U. sein Überleben sicherstellen, und dazu könnte neben Schwimmen und Erster Hilfe und vielen anderen Dingen auch gehören, was man macht, wenn man eine Schusswaffe findet.  Die Kinder von Schützen und Jägern haben das wahrscheinlich alle beigebracht bekommen. Aber auch, wenn man mit Schießen und Waffen nichts am Hut hat, ja dies regelrecht ablehnt, sollte man mit ihnen darüber sprechen. Die Welt wird nie frei von Waffen sein. Und deswegen kann man sich dazu bei „Eddy the Eagle“ Tipps holen. Und wer weiß, vielleicht hat der ein oder andere einen Schützen im Bekanntenkreis, der das sogar fachlich fundiert übernehmen würde….

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