Schwarze Waffenbesitzer und die NRA, „conservative gun nuts“ und „liberal gun grabbers“

27 Mrz

Wer sich – auch in Deutschland! –für ein freieres Waffenrecht einsetzt und dabei über den Tellerrand schaut (aber wer in Deutschland riskiert nicht wenigstens einen Blick in das „gelobte Land“ des Rechts auf Waffenbesitz, die Vereinigten Staaten?), der wird bestimmt schon auf  Colion Noir gestoßen sein, ein mit der NRA assoziierter Fürsprecher des Waffenbesitzes, der für seine teils bissigen, teils lustigen Videos bekannt ist.

Die LA Times hat nun einen erstaunlich positiven Bericht über ihn gebracht, der etwas über seinen beruflichen und familiären Hintergrund erzählt, was die Pros und Cons von ihm denken und er selbst über seine Rolle in der NRA.

Was ist das Besondere an Colion Noir? Er ist Afro-Amerikaner. Und er besitzt und mag Waffen.

In den USA haben überwiegend Weiße Waffen: von denen besitzen (legal) ca. 31% Waffen, wohingegen nur 15% der Schwarzen und 11% der Latinos dies tun. Und er macht sich damit bei vielen Schwarzen nicht beliebt, die eher die Demokraten wählen, somit eher auf der Seite der Waffengegner stehen und ihm vorwerfen, „Uncle Tom“ zu sein, also einer, der sich bei den Weißen andient.

Diese Leute bringen Waffen mit Gangs und Kriminalität in Verbindung, wohingegen Colion Noir, wie auch andere schwarze NRA-Aktivisten wie Quentin Smith oder Reverend Kenn Blanchard sich eher in der Nachfolge eines Malcolm X, Martin Luther King und den Black Panthers sehen.

Denn, welch Wunder, es gibt nicht nur Schwarze, die Gangmitglieder, Drogendealer und Kriminelle sind, sondern respektable Mitglieder der Gesellschaft. Wer hätte gedacht, dass Coloin Noir Anwalt ist? Er wuchs in einer Mittelklasse-Wohngegend auf, wo eine Begeisterung für Waffen nicht zum guten Ton gehörte, so dass er seine Leidenschaft verheimlichte. Somit war er bereits 22 Jahre alt, als er das erste Mal von einem Freund zu einem Schießstand mitgenommen wurde und eine Waffe abfeuerte.

Und die Bewegung der Black Panther, die in den 1960er Jahren offensiv dafür eintraten, dass Schwarze sich zum Selbstschutz bewaffnen sollten (gerade auch, um nicht Opfer von rassistischen Übergriffen zu werden), spielte eine gar nicht so geringe Rolle darin, dass sich die NRA – ebenso in den 1960er Jahren – verstärkt dem Kampf um das Second Amandement und der Interpretation, dass es das Recht eines jeden Einzelnen sei, sich zum Selbstschutz zu bewaffnen, zuwendete. Dieser Themenkomplex ist zu umfangreich, um ihn hier in einem Absatz abzuhandeln, aber ich werde darauf zurückkommen, wenn ich jenes in LA Times-Artikel erwähnte Buch von Adam Winkler: „Gunfight“ vorstellen werde, wo dieses unter Anderem auch thematisiert wird. Ein informativer Artikel zu diesem Thema, auch von Adam Winkler verfasst, findet sich hier.

Über die Geschichte der NRA, die nicht immer rühmlich war, zunächst eine Organisation darstellte, die sich eher mit unseren Schießsportverbänden als mit einer Waffenrechtsorganisation vergleichen ließe und lange Zeit durchaus der Waffenkontrolle zuarbeitete, ließe sich viel schreiben, aber wenn man die neuesten Entwicklungen betrachtet, dann hat sie bewiesen, dass sie durchaus fähig und willens ist, „Minderheiten“ wie Schwarze oder Frauen in ihren Reihen zu integrieren. Man kann es als strategische Winkelzüge abtun, da Frauen und Schwarze schwieriger zu attackieren sind, ohne dass sich der Angreifer dem Vorwurf des Rassismus oder Anti-Feminismus auszusetzen droht, dennoch verändern diese das Bild des „Gun Nut“ und NRA-Unterstützers als „Old White Fat Guy“, wie Colion Noir es nennt.

Vielleicht liegt es daran, dass es in der NRA den ein oder anderen gibt, der ungeachtet von Geschlecht, Rasse, Alter oder Status die Menschen als solche sehen, die für ihre Rechte kämpfen. Und die rechtschaffene Bürger, die ihre Rechte, ihren Besitz, ihr Leib und Leben verteidigen wollen von denen unterscheiden, die in verbrecherischer Art und Weise den Rechten, dem Besitz, Leib und Leben anderer schaden wollen.

Hardcore-Konservative kotzen ab über eine sich neu formende Black Panther-Bewegung, die zum Schutz in ihren Vierteln patrouilliert.

Und „Liberals“ lachen voller Häme darüber und nutzen die Gelegenheit, wieder einmal zu erklären, warum strengere Waffengesetze sein müssen.

Man darf gespannt sein, welche Rolle schwarze Waffenbesitzer noch im Kampf um die Waffenrechte in den USA spielen werden. Sei es jemand vom Schlage eines Colion Noir oder die Black Panthers.

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