Schießen verändert den Lifestyle?

10 Aug

Neulich, in einer Unterhaltung mit ein paar anderen Schützen darüber, wie der Schießsport auch andere Bereiche ihres Lebens verändert hat, sei es die politische Einstellung oder ganz allgemein ihre Lebensführung, bekannten sich einige dazu, dass das Hobby sie verändert habe – zum Besseren, wohlgemerkt! Einer sagte, dass er zuvor in seinem Leben gesoffen und geraucht und Party gemacht hat, ohne Rücksicht auf Verluste, politisch mal zu extrem links, mal zu extrem rechts tendierte. Erst als er das Schießen anfing, machte ihn das zu einem abstinenten Menschen, der sich gesund ernährt, seinen Körper trainiert und politisch libertär wurde.

Nun gibt es „den Schützen“ genauso wenig wie „den Tennisspieler“ oder „den Biker“ – es sind keine homogenen Gruppen. Auch wenn es in der Presse gerne so hingestellt wird,  als gäbe es nur eine vorgestrige Trachtenjacken-tragende Fraktion und finstere Wochenendterroristen mit bösen schwarzen Gewehren, so stellen die Schützen tatsächlich einen Querschnitt der Gesellschaft dar.

 

Als ich mit dem Schießen begann, wunderte ich mich bei den Gesprächen mit anderen Vereinsmitgliedern, dass die Haltung der politischen Parteien zu Waffenbesitz deren Stimmenabgabe beeinflusste: gab es denn politisch gesehen an Themen nichts Wichtigeres als das Waffenrecht? War das Hobby wirklich so wichtig? Ist es denn nicht „nur ein Hobby“, das man beliebig verändern kann (wie nur noch mit Laserpointern schießen, die Waffen in der Schießstätte lagern etc.)?

Aber im Laufe der Zeit merkte ich, dass es eben nicht nur so ein Hobby, genauer gesagt eine Sportart war, wie, sagen wir mal, ein wöchentlicher Pilates-Kurs. Es gibt natürlich auch andere Sportarten (oder Hobbys allgemein), die einen „Lifestyle“ mit sich bringen: Skateboardfahrer beispielsweise haben regelrecht eine eigene Subkultur. Auch Kampfsportler, Fitnessjünger oder Läufer (nur um ein paar Beispiele zu nennen) gehen oft nicht einfach zum Sport, sondern beschäftigen sich mit ihrer Ernährung, rauchen nicht, trinken nur mäßig, beschäftigen sich mit fernöstlicher Philosophie oder Trainingsplänen. Und doch ist es beim Schießen noch mal anders. Auch wenn es Menschen gibt, die mit Skaten, Laufen oder Fitness nichts anfangen können, so gibt es doch kaum einen, der mit Argwohn, Angst, Unsicherheit bis hin zu unverhohlenem Hass auf diese Menschen schaut und deswegen diese Sportarten, Hobbys verbieten möchte.

Genau das aber widerfährt den Schützen. Aufgrund einiger weniger Aufsehen erregender so genannter „Amokläufe“ und der ein oder anderen Beziehungstat, wo eine legal besessene Sportwaffe das Tatmittel war, werden alle Sportschützen oft pauschal als „mordlüstern“ und „tötungswillig“  hingestellt, Schießen gar als Einstiegsdroge zum Töten gesehen. Ich will hier nicht auf Statistiken eingehen, das kann Katja Triebel besser als ich und arbeitet unermüdlich dran, die Zahlen und Statistiken aufzuarbeiten, nur soviel: legal, illegal, polizeilicher Waffengebrauch und Selbstmord wird hier meist munter zu einem unbekömmlichen Allerlei verrührt, Hauptsache die Zahl der Schusswaffenopfer ist schön hoch und somit erschreckend und empörend. Das noch vermischt mit einem seit Jahrzehnten den Menschen anerzogenen falschen Pazifismus (nicht Pazifismus an sich ist falsch, aber Wehrlosigkeit und Opferhaltung!) und die Leute spucken wie auf Knopfdruck die entsprechenden Phrasen aus, wenn man sagt, man sei Sportschütze, finde Waffen gut und gehe gerne schießen: „aber das ist doch so gefährlich!“, „Fördert das Schießen nicht Gewalt?“, „das ist doch viel zu gefährlich, Waffen zu hause zu haben, was, wenn da mal so ein Schütze durchdreht?“ „“ich finde, nur Polizisten und Soldaten sollten Waffen haben!“. Ich fühle mich da immer ein wenig nach China zurückversetzt, wo die Menschen auf bestimmte Themen (Beispiel Taiwan) wie Roboter die Haltung und Phrasen der Regierung abspulen….Auf all die Einwände einzugehen spare ich mir, hier ein Video-Statement von Marc dazu. Mein Punkt ist der: Sportschützen kennen diese Allgemeinplätze zur Genüge. Viele Gruppen kennen solche Vorurteile, die ihnen reflexartig entgegengebracht werden, sobald das Thema darauf zu sprechen kommt. Aber kaum eine Gruppe – außer die Jäger vielleicht, auch Waffenträger, die vom gängigen Zeitgeist-Mainstream extrem unter Beschuss sind (was für ein passendes Bild in diesem Falle !) – bekommt so viel Negativ-Feedback wie die Schützen.

Um es noch mal zu erwähnen: wir reden hier nicht von Pädophilen oder irgendwelchen Verbrechern, sondern von Menschen, die zum Spaß, zur Konzentration und körperlichen Ertüchtigung kleine Löcher in Pappscheiben oder ähnliche Ziele stanzen!

 

Wie reagiert man darauf? Was sind die Folgen?

Nun, zunächst einmal beginnt es im Gehirn zu arbeiten. Um sich argumentativ zur Wehr zu setzen gegen diese Vorwürfe, beschäftigen sich viele mit Argumenten, Statistiken und Studien. Mit dem Waffengesetz und der Politik im Allgemeinen. Und mit den USA, dem El Dorado des legalen Waffenbesitzes bzw. dem Kampf gegen Verschärfungen, allen voran die Aktivitäten der NRA. Dabei machen so einige eine erstaunliche geistige und/oder politische Entwicklung durch. Was der Gruppe der legalen Waffenbesitzer widerfährt, zeigt die Mechanismen auf, mit der die Politik arbeitet. Mit der Gruppen und Minderheiten unterdrückt werden, gerade auch durch einseitige Berichterstattung in den Medien. Was passiert, wenn die Freiheit dem Menschen scheibchenweise immer mehr genommen wird.

Bei so einigen führt all das dazu, dass sie eine sehr freiheitliche Sichtweise bekommen, eine libertär zu nennende Einstellung. Als Zugehörige zu einer von Politik, Medien und Gutmenschen geprügelten Gruppe wissen sie, wie es ist diskriminiert zu werden und bemühen sich darum, andere nicht zu diskriminieren oder unter Generalverdacht zu stellen. Libertär zu sein bedeutet, den Menschen so viel Freiheit wie möglich zu lassen. Auch wenn Entscheidungen falsch sein sollten, so ist jeder selbst für sein Tun verantwortlich und niemand hat ihn von höherer Stelle aus zu bemuttern. Du willst etwas nicht? Dann habe/mach es nicht, aber zwinge nicht alle anderen deine Meinung auf. Du magst keine Waffen? Dann kauf keine, aber zwinge nicht alle anderen dazu, auch keine zu haben, indem Du es verbietest. Ein Spruch, der die libertäre Haltung gut in einem Satz kondensiert ist der: „Libertäre sind dafür, dass schwarze homosexuelle Ehepaare ihre Hanfplantage mit ihren eigenen Waffen verteidigen dürfen.“ – Noch Fragen?

Fraglich ist natürlich, ob den Regierenden solch kritisch gewordene Geister, die nun so vieles, was in der Politik läuft, hinterfragen, die sich allgemein für mehr Freiheit und Bürgerrechte einsetzen, recht sein können. Unter diesem Gesichtspunkt wäre es für die Regierenden vielleicht sinnvoller gewesen, ein relativ liberales Waffenrecht (wie vor 1972) belassen zu haben. Dann wären viele, die einfach nur ein paar Waffen haben, Schießen und Spaß haben wollen, gar nie auf die Idee gekommen, ihr Hobby mit einer politischen Agenda zu verbinden.

Ich persönlich sehe allein schon darin einen sehr guten Grund, warum meine Entscheidung, mit dem Schießen zu beginnen, richtig war! Und ich habe über die schießende Gemeinschaft einige Leute kennen gelernt, mit denen mich mehr als nur ein Sport, ein Hobby verbindet.

 

Nun zu dem Punkt des Abstinenzlers, der brav wie ein Chorknabe ist: einerseits zwingt einen die Rechtslage ja schon dazu, als Schütze „brav“ und rechtstreu zu sein, sonst können einem die Waffen entzogen werden, man verliert das Privileg, das einem vom Staat „gewährt“ wurde. (Der Zynismus sollte wohl angekommen sein?)

Aber andererseits verhält sich auch die große Mehrheit der Waffenbesitzer so, wie der Spruch „mit großer Macht kommt große Verantwortung“ suggeriert: verantwortungsbewusst. Sie machen sich sehr wohl Gedanken darüber, dass Kinder und Unbefugte nicht an die Waffen rankommen. Sie üben die Sicherheitsregeln im Umgang mit der Waffe ein, um niemanden zu schädigen. Sie machen sich oft Gedanken über ihren Alkoholkonsum. Lieber verzichten sie auf den ein oder anderen Rausch, als dass sie unter Alkoholeinfluss etwas tun könnten, was sie bereuen könnten. Manche verzichten auch lieber gleich ganz auf Alkohol. Sie machen sich Gedanken um Sicherheit im Allgemeinen. Die Liste ließe sich noch lange so fortsetzen. Klar trifft das nicht auf jeden Schützen zu. Aber es gibt viele von dieser Art und ich schreibe das, um dem Bild der Medien, wo Schützen als saufende Schützenbrüder, gewalttätige Jäger, verrückte „Waffennarren“ (auch wenn das teilweise nur Menschen sind, die Softair-Waffen sammeln) und potentielle Angehörige von Wehrsportgruppen, ja potenzielle Durchdreher und Killer dargestellt werden, etwas entgegen zu setzen.

 

Ich sehe es als gute Entscheidung, Schütze geworden zu sein. Wegen all dem.

 

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