Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht – Nach dem Wahlsieg Trumps fangen jetzt die Liberals an sich zu bewaffnen…und preppen

26 Dez

Nach dem Wahlsieg Trumps sah es so aus, als würden die Waffenkäufe in den USA zurückgehen. Die Lage entspannte sich – da Waffenbesitzer nun damit rechnen konnten, dass in den nächsten 4 Jahren keine einschneidenden Verschärfungen des Waffenrechts durchgeboxt werden würden, konnten sie erst mal innehalten mit den Waffenkäufen. Prompt sanken auch die Aktien der börsendotierten Waffenunternehmen.

Nun scheint aber eine ganz andere – unvermutete – Gruppe dafür zu sorgen, dass die Waffenverkäufe doch nicht so drastisch zurückgehen wie angenommen: „Liberals“.

Waffenhändler stellen fest, dass immer mehr Menschen, die nicht zur „klassischen“ Gruppe der Waffenkäufer gehören (weiß, männlich), nun Waffen kaufen. Und damit sind diesmal nicht Frauen gemeint, weibliche Waffenkäufer sind ja nun schon ein alter Hut in den USA. Nein, diesmal sind mit den „nicht-traditionellen“ Waffenkäufern Minderheiten, Homosexuelle und – man höre und staune – Liberals (keine Liberalen in unserem Sinne, sondern das amerikanische Äquivalent zu den Grünen – oder Rot-Grün) gemeint.

 

Müssten sich nun Minoritäten bewaffnen?

 

Immer mehr Menschen, die diesen Gruppen angehören, haben laut jenem Artikel Angst vor zukünftigen Entwicklungen, seit Trump die Präsidentschaftswahl gewonnen hat – und wollen sich nun bewaffnen. Was Minderheiten und Homosexuelle angeht, so bin ich skeptisch, was diese Aussage betrifft. Das mag auf eine bestimmte Anzahl von Leuten zutreffen, wir dürfen aber nicht vergessen, dass Trump die Wahl nicht mit alten, weißen, wütenden Patriarchen-Männern gewonnen hat, ja so gar nicht hätte gewinnen können, sondern dass er auch von einer nicht geringen Anzahl von Frauen, Hispanics, Schwarzen, Schwulen/Lesben, wasauchimmer gewählt worden ist. Es ist auch nicht so, dass Teile der LGTB-Gemeinde sich erst seit den Präsidentschaftswahlen bewaffnen, weil sie nun auf einmal freidrehende ultra-rechte Homo-Hasser fürchten: Auf die Gemeinschaft schwul-lesbischer Waffenbesitzer und Selbstverteidigungsbefürworter mit Namen „Pink Pistols“ stieß ich nach der Attacke in Orlando (in diesem Blogbeitrag hatte ich davon berichtet). Die den „Pink Pistols“ angehörenden LGTB sind aber mehrheitlich keine Liberals, sondern gehören eher dem libertären oder sogar dem konservativen Lager an und glauben nicht an die Heile-Welt-Keine-Gewalt-Aussagen der Liberals.

Was die „Black Guns Matter“ angeht, so lässt sich dazu noch keine Aussage treffen, da die Webseite noch nicht fertig ist. Für mich hört sich das ja eigentlich mehr wie eine Gruppe von AR-15-Enthusiasten an….aber das Thema „schwarze Waffenbesitzer“ ist ohnehin zu umfangreich, um hier eine kurze Aussage treffen zu können.

Was ich sagen wollte war ohnehin, dass die von den Liberals so gerne in Beschlag genommenen „Minderheiten“ sich nicht mehrheitlich von diesen „in Schutz genommen“ wissen wollen, sondern ganz andere Vorstellungen und Werte vertreten und insofern nicht unbedingt per se zu den Waffen hassenden Liberals gehören – wie auch die Frauen seit nun schon einigen Jahren, so entdecken diese langsam aber stetig den Nutzen davon, bewaffnet zu sein und sich im Notfall wehren zu können.

 

Liberals mit Waffen???

 

Was mich also viel mehr erstaunte, war also die Aussage, dass sich nun Liberals bewaffnen – und nicht nur das: Sie beginnen nun mit dem preppen.

Liberals und Waffen – hört sich für mich erst mal an wie die Quadratur des Kreises.

Laut diesem Artikel stiegen aber nicht nur die Zahlen der Backgroundchecks seit der Wahl Trumps, sondern auch beispielsweise die Mitgliedschaften im „Liberal Gun Club“ um 10%.

Eine ganze Reihe von Liberals fürchtet, dass seit der Wahl Trumps die rechtsextremen Kräfte deutlich erstarken werden und es vermehrt zu Übergriffen gegenüber Minderheiten kommen wird. Und nicht nur das. Auch ein möglicher gesellschaftlicher Kollaps wird nun für möglich gehalten – etwas, das bislang eher von Konservativen oder Libertären vertreten wurde und worüber Liberals bislang hämisch den Kopf schüttelten. Hier findet man beispielsweise ein Prepper-Blog eines Liberals – eine pro-gun-Liberals wohlgemerkt.

Hier wird es nun wirklich ein bisschen schräg für mich: es scheint wirklich nichts zu geben, was es nicht gibt. Mich hat ja besonders an der Verbindung Liberal+Waffe interessiert, womit sie diese Haltung rechtfertigen, aber leider bin ich auf den einschlägigen Seiten nicht fündig geworden. Noch verrückter wird es, wenn sich einige Liberals nicht nur als pro-gun sondern zudem noch als fiskalisch-konservativ outen (d.h. geringe Steuern, was natürlich auch bedeuten muss, dass ein Wohlfahrtsstaat nicht finanziert werden kann) – könnten sie sich dann nicht eventuell den (links)-Libertären zuordnen…?

 

Separatismus unter Waffenbesitzern

 

Abgesehen davon, dass es allerlei seltsame neue Interessengruppen an Waffen in den USA gibt, so fällt mir der Separatismus der amerikanischen Waffenbesitzer auf. Bei uns sind Waffenbesitzer, die hier zumeist Sportschützen sind (wenn nicht Jäger), nach Vereinen in unterschiedlichen Verbänden und unterschiedlichen Disziplinen aufgeteilt. Ansonsten ist es im Allgemeinen bunt gemischt: Homos und Heteros, Behinderte und Nicht-Behinderte, Junge und Alte, Männer und Frauen – alle schießen im selben Verein und brauchen offensichtlich keine eigenen Gruppen (Clubs und „Chapters“), wo sie unter sich sein können. Sehr aufschlussreich war die Aussage: „Gwendolyn Patton von den Pink Pistols, ein Club für schwule, lesbische und transgender- Waffenbesitzer, sagt, dass neue Mitglieder Angst davor haben, dass sie “von den Waffennarren auf dem Schießstand belästigt werden“. Aber sie sagt, dass diese meist „mit offenen Armen in die Gemeinschaft der Schützen aufgenommen werden“.

– So muss das sein. Ich bin eigentlich ganz froh drum, dass bei uns Schützen nicht nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht oder sexueller Ausrichtung und politischer Ansicht getrennt sind.

Nur….wo sind unsere grünen Schützen und Waffenbesitzer? Schon mal von einem solchen gehört? Ich kenne keinen…aber andererseits dauert es ja meist ein paar Jahre, bis gewisse Trends von den USA zu uns herüberschwappen…

 

 

 

 

 

 

2 thoughts on “Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht – Nach dem Wahlsieg Trumps fangen jetzt die Liberals an sich zu bewaffnen…und preppen

  1. Ich hab ihren Blog vor kurzem entdeckt und muss mal zu diesem Thema was loswerden.
    Selbst gehöre ich eigentlich auch zu jenen „Minderheiten“ an als MtF (aber in keiner LGBT Gemeinschaft/Gruppe/etc aktiv). Interesse am Schießsport ist schon lange da und hoffentlich klappt das 2017 einen passenden Verein zu finden. (Finanzielle Hürden.)

    Ich hab mich eigentlich immer zu dieser Liberalen Gruppe gezählt, mache oft linke und grüne Kreuze usw…
    Allerdings beißt sich das extrem mit der Interesse am Schießsport wie ich feststellen musste. Ich schaue mir hin und wieder Blogs oder Youtube Kanäle aus den Staaten an und musste oft Feststellen, dass die Community sehr konservativ agiert.
    Zu dem Wahlkampf in den USA muss ich sagen, dass ich keinen von beiden mochte. Und ja auch wenn ich ja nicht dort lebe, habe ich auch gewisse Sorge um die Entwicklungen auf der Welt.
    Ich fühle mich oft gekränkt beim Lesen im Netz wenn über die linksgrünen „Gutmenschen“ geschimpft wird.

    Wie auch immer ich stehe immer zwischen diesem Hobby „Waffen und Schießsport“ und den eher liberalen Ansichten. Bin ich ein pro-gun-liberal?
    Schwierig wird es da natürlich mit dem Umfeld. Wo die einen das Argument gegen Gewalt und Waffen zerstören anführen kommen andere mit Selbstverteidigung gegenüber Flüchtenden Menschen etc…

    Letztendlich möchte ich nur endlich dem Sport nachgehen und Spaß haben. :)
    Ich hoffe ja, dass die Leute in den Vereinen in Deutschland sehr nett sind.
    Im Internet finde ich dazu meistens negative Erfahrungen, gerade wenn es wie in meinem Fall dörfliche Vereine sind.

    So viel zu meinen Gedanken. Ich werden den Blog auf jeden Fall in die Lesezeichen packen.

    Frohes Neues Jahr wünsche ich!

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