Prepperliteratur: 299 Days – The Preparation

2 Okt

Auf die Prepper-Buchserie „299 Days“ von Glen Tate stieß ich durch einen Facebook-Link zu einem Blogbeitrag auf der dazugehörenden Webseite – vielleicht erinnert sich der ein oder andere Leser noch an den aus dem Amerikanischen übersetzten Blogbeitrag„Das ist dein Feind!“

Jedenfalls war mein Interesse für die Buchserie geweckt. „Glen Tate“ beschreibt darin den Niedergang, Kollaps und die Restauration der Vereinigten Staaten. Protagonist, ja, man kann auch sagen „Held“ der Serie ist Grant Matson, ein Mittvierziger, der unter schweren familiären Bedingungen in einer ländlichen Umgebung des Staates Washington aufwuchs und sich trotz bescheidener Herkunft zum Anwalt hocharbeitete.

Der erste Band „the Preparation“, beginnt mit einem Prolog, der am Ende der 299 Tage (des Kollapses) angesiedelt ist – also die Ordnung wiederhergestellt ist – um dann an den Anfang der Geschichte zu springen, der Kindheit und Jugend Grant Matsons.

Obwohl er in seiner Kindheit und Jugend viele nützliche Dinge – von Waffengebrauch über Jagen, Fischen und alle Art von handwerklichen Arbeiten – gelernt hat, verkommt er als Anwalt, wenn auch einer, der einer guten Sache dient, nämlich den kleinen lokalen Unternehmen gegen den Zugriff des Staates beistehen, zu einer fetten Couchpotato. Zu einem, der sich seiner Vorstadt-Umgebung bestehend aus gutsituierten Mittelschichtlern, die überwiegend im Staatsdienst tätig sind, vollständig angepasst hat. Einen gewissen Teil trägt auch seine Frau, eine Ärztin und Mutter seiner zwei Kinder, dazu bei, für die solch ein „normales“ Vorstadtleben essentiell ist.

Durch seinen Job und seine beruflichen Beziehungen bekommt Grant Matson aber aus erster Hand mit, in was für einem desaströsen Zustand sich der Staat eigentlich befindet. Da keine Kurskorrektur durch die Regierung und ihre Protagonisten stattfindet, die blind nur ihrem Interesse folgen, selbst weiterhin vom Staat zu profitieren, erkennt er für sich die Notwendigkeit, sich auf den unausweichlichen Kollaps vorzubereiten, um sich und seine Familie zu schützen. Er reaktiviert alte Fähigkeiten wieder, wie beispielsweise Schießen, kommt wieder körperlich in Form und beginnt zu „preppen“, d.h. Vorräte anzulegen. Daneben ist das Knüpfen von sozialen Beziehungen mit Leuten, die wie er denken und handeln und die in Zeiten eines Kollapses wertvolle Verbündete sein können, überlebenswichtig.

 

Zur Beurteilung des Buches sollte man zwei Aspekte trennen, unter denen man das Buch sieht: den literarischen Aspekt und den Prepper-Aspekt.

Vom Standpunkt der literarischen Beurteilung her betrachtet, kann ich das Werk nur als medioker bewerten. Große Literatur handelt nie von perfekten Menschen, von Supermans und Heiligen. Sie handelt vom Menschlichen, vom unperfekten Menschen, von Menschen, die nicht schwarz-weiß sind, von Brüchen im Charakter, im Lebensweg. Sie versucht Dinge zu beleuchten, zu beschreiben und nachvollziehbar zu machen, die wir zunächst nicht verstehen können. Sie erlaubt uns, uns in das Innenleben Anderer hineinzuversetzen, beispielsweise eines Mörders.

Nach der Lektüre des ersten Bandes habe ich stellenweise den Eindruck, als hätte ich eine Hagiographie, eine Heiligenlegende gelesen. Der Zweck einer Hagiographie war (und ist?) nicht, das wirkliche Leben des Heiligen zu beschreiben. Eine Hagiographie soll das Idealbild eines Heiligen, eines guten Lebens, beschreiben und verdeutlichen. Vergleichbar ist hier der Zweck, das Leben des „guten Menschen“, der zudem ein Prepper ist, zu beschreiben.

Die Beschreibungen aus der Kindheit mit den schon reifen Ansichten des noch jungen Grant Matson sollen die Ansichten des „guten Amerikaners“ mit einer konservativen, nein, eher noch libertären Weltsicht darlegen. So wird hier beispielsweise schon sehr früh im ersten Band die „richtige“ Sichtweise auf Waffen, die der der meisten Prepper oder auch Libertären oder Konservativen entspricht, dargelegt. Waffen, der „Gun store“ mit seinen Buddys, Schießtraining und allgemein die Diskussion über Waffen nehmen einigen Raum in der Erzählung ein, so dass der Waffenfreund bei der Lektüre durchaus auf seine Kosten kommt.

Auch wenn das Buch somit die Ansichten eines Libertären, Waffenfreundes und Preppers darlegt und diese einem „wie Öl runtergehen“ können, so bleibt doch ein wenig Unbehagen bei der starken Schwarz-Weiß-Zeichnung. Denn auch das mutet wiederum sehr religiös an – hier das Reich der „Bösen“: der „Liberals/Demokraten“, der ignoranten Bewohner der Suburbs, der Staatsbediensteten, der Waffenhasser, dort das Reich der „Guten“: der Libertären, (eventuell noch der Republikaner, aber nur, wenn sie nicht Politiker sind), der Landbevölkerung, der Waffenfreunde.

Aber auch wenn ich gewisse Vorbehalte gegen den quasi-religiösen Duktus der Geschichte habe, so kann ich nicht verleugnen, dass mich das Buch spätestens im letzten Drittel in seinen Bann gezogen hat. Das ist einfach der Tatsache geschuldet, dass der Kollaps des Staates nun bedrohlich nahe rückt. Während die Prepper daran arbeiten, ihre schon bestehenden Vorräte an Essen, Munition, Waffen, Medizin usw. zu erweitern und vervollständigen, versichern sich die „Schafe“ gegenseitig, dass die Regierung diese Krise bald in den Griff bekommt. Auch Grants Frau gehört zu diesen Schafen. Wenn er mit ihr über das Downgrading des Länderratings der USA sprechen möchte, will sie nicht zuhören. Als der Aktienmarkt zusammenbricht, will sie nichts davon hören und sagt, der Kurs werde bald wieder steigen. Man könnte nun annehmen, dass Frauen hier per se als Schafe dargestellt wären – wäre da nicht Grants Tochter Amanda, die er im Schießen trainiert und die trotz ihres Jungen Alters (16) seine Verbündete beim Preppen ist…

Fazit: Man will einfach wissen, wie es nun weiter geht – der erste Band war nur das Vorgepläkel und der zweite Band trägt den Namen „der Kollaps“. Hier geht es dann wohl richtig zur Sache.

Wer die Geschichte von Anfang bis Ende mitverfolgen will, der braucht aber schon ein wenig Sitzfleisch: Es sind insgesamt 10 Bände, wenn jeder ungefähr den gleichen Seitenumfang hat (Band 1 hat 233 Seiten), so kommt man gut und gerne auf 2000-2500 Seiten.

 

Vielleicht ist dem ein oder anderen Leser aufgefallen, dass ich den Namen des Autors eingangs in Anführungsstriche gesetzt habe. Das habe ich deswegen getan, weil „Glen Tate“ ein Pseudonym ist. Der Autor wuchs selbst im ländlichen Washington State auf und arbeitet für eine Behörde. Diese internen Einsichten haben ihn dazu veranlasst, selbst Prepper zu werden, aber da das in „seinen Kreisen“ nicht gerne gesehen ist, möchte er seine Identität geheim halten. Der erste Band der Reihe stammt übrigens aus dem Jahr 2012.

 

Wieder mal bespreche ich ein Buch, das „amerikanische Verhältnisse“ darstellt. Gut, die Preppergemeinde ist in den USA wesentlich größer als in Deutschland, aber auch hier gibt es Prepperliteratur, die sich mit einem Kollaps in Europa auseinandersetzt: Katja Triebel hatte neulich auf Ihrem Blog den Roman „Blackout“ von Marc Elsberg (2013) erwähnt, ein 800 Seiten-Werk, das gerade unterwegs zu mir ist…Da ich es noch nicht gelesen habe, kann ich zu diesem Buch noch nicht viel sagen, aber zumindest, dass es auf Deutsch ist. Im Gegensatz zu „299 Days“, das nur auf Englisch erhältlich ist. Sorry.

One thought on “Prepperliteratur: 299 Days – The Preparation

  1. Nun ja, „Prepper“……. warum eigentlich immer solche Begriffe neu auflegen.

    Alles was ein Prepper heute macht war zu Zeiten meines Vaters und meiner Grosseltern ganz normal.
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    Zumindest bei uns, wir waren Bauern, war das übliche Praxis. Man hatte immer Vorräte, etwa einen Käselaib von 80 cm. Durchmesser, Fleisch im Kamin und natürlich Futter für die Tiere im Stall, was ja eh jeder Bauer hat.
    Eingekochte Butter war immer da, Konserven stellte man selber her, denn der Garten warf mehr ab wie man sofort essen konnte. Man hatte eine Vorrichtung um Büchsen zu schliessen.
    Waffen sind in der Schweiz, gerade bei Bauernhaushalten …..die nahezu immer Konservativ sind, vorhanden, Treibstoffe, Holzofen, Spirituskocher usw. auch.
    Ich denke eine Saison beenden können Bauern fast immer autark.
    Später aber wird es natürlich auch sie treffen, vor allem weil bei so einer Krise die Städter übers Land gehen um etwas zum ernten zu finden.

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    Da der Migrantenanteil heute viel grösser ist wie 1945, werden diese Dinge wohl nicht mehr gewaltfrei ablaufen, Schutz wird viel nötiger sein.
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    Nun ja, meist werde ich belächelt weil ich vorbereitet bin.
    Jedoch habe ich mich für 3 Monate entschieden, also eine mittlere Situation mit Unruhen und Finanzcrash oder einen mehrtägigen Stromausfall, halt was ich als wahrscheinlich betrachte. Ein Restrisiko muss man tragen.

    Der Katadynfilter samt Wasserkonservierungstabletten, den Spirituskocher, die Tilley Petroleum / Benzinlampe, der Gaskocher und die Gaslampe, die Betriebsstoffe wie Reinbenzin, Petroleum und Aral Ultimate Benzin ( hat kein Ethanol drin und ist somit lagerfähig ) fürs Auto und Gas für die Gaslampen ( riechen nicht in der Wohnung ), alles mit Ersatzteilen bevorratet, hat mich 1000 Franken gekostet und einen Lista Büroschrank gefüllt.
    Wir reden also von ca. 1% des Jahresverdienstes eines Arbeiterhaushaltes in der Schweiz.

    Natürlich, Essen ist immer vorrätig, nur Dosenbutter, Dosenbrot und Volleipulver ist ausserordentlich am Lager, halten aber 20 Jahre und mehr.
    Hefe nicht, denn backen ist nur etwas für geübte ……ohne Backofen.
    Zwieback hält aber auch 10 Jahre, zumindest habe ich so einen gehabt und noch gegessen.

    Saatgut und was echte „Prepper“ noch so alles bevorraten, das halte ich nicht, denn die meisten Prepper haben wirklich keine Vorstellung wie hart das Ackern für „ungewohnte“ ist., gerade von Hand und unter den Augen der Besitzlosen ( bewachen über Monate ).
    Zudem braucht das dann Fläche, ein Gärtchen wäre zu wenig.
    Als Bauernsohn sehe ich solche Dinge weit realistischer.
    Müssen Städter mal 2 Ahren von Hand umstechen, ………. sind sie am Ende.

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    Vieles habe ich in Ebay gefunden für lächerliche Beträge.

    Katadyn Pocket neu = 150 Franken, Omas Spirituskocher ca. 15 Euro, Ethanol 7 Liter = 40 Franken ( Spiritus riecht in der Wohnung nicht uns verdunstet sofort wenn man etwas verschüttet ).
    Petroleumofen von Grossmutter war gratis. Motorsägen und anderes samt Werkzeug ist in einem Haushalt wie dem meinen, immer da. Chemine oder Ethanol-Kamin wäre wünschenswert. Aber Sauerstoffmelder….Gäll.

    Nun ja, natürlich, in den USA gibt’s Prepper die haben im Raketen-Silo eine Wohnung eingerichtet und Personal die sie bis dahin warten.
    Wenn man Millionen hat, auch gut…….(((-:

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    Es wird immer wieder geraten sich aufs Land abzusetzen.

    Nun ja, wohnt man in einem kleinen Dorf wo sich jeder kennt, ist das eine gute Sache.
    So kann man sich schnell organisieren. Nachbarschaftshilfe ist sehr nützlich und unter Bauern immer noch üblich.
    Aber für nicht dort ansässige ist es ein Alptraum, denn sie kennen die Leute nicht, werden also schnell an Grenzen stossen und ein überleben im Wald ist für Städter unmöglich.
    Wer las wie sie sich im WK-2 mit solchen Dingen schwertaten, ist davon geheilt.
    Gerade Personen über 30 fällt es extrem schwer so zu überleben, denn dabei wird körperliche Widerstandskraft extrem wichtig. 3-4 Tage in der kalten Nässe und 99% fallen aus. Wer in der Armee war weiss wie schnell sich 18-20 Jährige von fast allem erholen und wie viel Robuster sie sind, …….wenn die Psychische Verfassung auch vorhanden ist.

    Zudem, eine Wohnung im 3-ten Stock eines Mehrfamilienhauses ist leichter zu schützen, denn es gibt meist nur 1 Treppenhaus.

    Und ich sage es allen immer wieder.
    NRG Riegel sind das eine, aber im Krisenfall …..bei dem man Körperlich fit sein muss, niemals die Ernährung auf solche Dinge umstellen. Essen was man gewohnt ist.
    Konserven sind besser wie irgendwas fremdes. Ich habe bei langen Aufenthalten in Übersee erlebt wie man trotz reichlich Essen doch noch zusammenklappen kann. Der Körper streikt obwohl einem nichts fehlt….

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    All das ist schwer zu planen, auch weiss man nicht ob es eintrifft.

    Ich habe mich einfach „begrenzt“ vorbereitet weil mir so wohler ist, jedoch mit nur kleinen Kostenfolgen.
    „Prepper“ ist für mich weder Hobby noch Lebenseinstellung wie für gewisse Amerikaner. Zudem, mit zunehmendem Alter wird man in einer längeren Krise von der Evolution schnell aussortiert, vergesst das nicht. Eine Grossfamilie wäre dann etwas sehr gutes.

    Nach dem WK-2 starben sehr viele über 60 Jährige an den Folgen des länger andauernden schleichenden Mangels.
    Nur haben das die anderem kaum zur Kenntnis genommen, ja es ist bis heute kaum ein Thema in den vielen WK-2 Sendungen ( Guido Kopp Unsinn ) den man gerade im Deutschen Fernsehen ständig vorgesetzt bekommt.
    Naja, diese dienen eben mehr der politischen Erziehung wie echter Anteilnahme am Schicksal der Menschen, oder gar der Pensionäre nach dem Krieg.

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