Neue Opfer braucht das Land….

8 Mai

Ich frage mich, ob die Einstellung und Weltsicht innerhalb eines Landes, einer Kultur wohl je so gespalten war wie im Westen dieser Tage. Wie auch immer man es nennen mag, „Rechts“ und „Links“, „conservative“ und „liberal“ oder „Progressive“ und „Traditionalisten“: In der westlichen Welt scheinen grob dargestellt zwei Weltsichten immer weiter auseinanderzudriften –  so lange, bis ein Auseinanderbrechen, ein großer Knall fast unausweichlich zu sein scheint. Ganz so einfach ist es mit den „zwei Lagern“ in Wirklichkeit zwar nicht, aber der Mensch vereinfacht nun mal gerne. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen haben viele Menschen hierzulande den Eindruck, momentan dominiert eine fast homogene Gruppe an Menschen den Staat, die Medien und die Kultur, die auf „bunte Vielfalt“ und einen fürsorglichen Staat setzen, der alle Bereiche der „Bürger“ (der Begriff kann langsam nur noch als Hohn der Regierenden aufgefasst werden, denn ehrlicherweise müssten sie uns mittlerweile Untertanen nennen) bis ins kleinste Detail regeln, bestimmen, kontrollieren und überwachen möchte. Die Bürger sollen kaum noch etwas selbst entscheiden können, alles wird – zu unser aller Wohl natürlich! – vorgeschrieben. Dafür kümmert sich der Staat dann auch um uns – wie ein liebender, strenger Vater. Wir sollen nichts selbst regeln, rufe Hilfe, der Staat ist dann zur Stelle und hilft…(oder eben nicht….)

Wichtig ist hierzu auch, dass alle Bereiche der Intelligenzija auf dieses Ziel hin arbeiten und die Menschen in diesem Sinne erziehen. Psychologen eignen sich hierfür hervorragend und diese können auf Eltern einwirken, die wiederum die Kinder, also die neue Generation, erziehen.

Vor ein paar Tagen fand ich auf Facebook den Link zu einen Blogbeitrag mit dem Titel: „‚Wenn Du gehauen wirst, dann hau zurück!‘ – Warum dieser Ratschlag schadet“. Da stand unter anderem der Absatz:

(…) „Das ist übrigens auch der Grund, warum unbedachte, oft erzieherische Ratschläge wie „Wenn du gehauen wirst, dann hau zurück!“ schaden können. Eltern, die ihren Kindern so etwas sagen, wollen ihre Kinder stärken. Sie wollen, dass sie selbstbewusst werden und anderen, die ihnen schaden wollen, die Stirn bieten. Die Kinder sollen Selbstbewusst und nicht zum Opfer werden. Doch ihre positive Intention sendet genau die gegenteilige Botschaft. Nicht nur, dass sie den Teufelskreis der Gewalt hiermit befeuern und Gewalt als Mittel der Wahl legitimieren, sie sagen damit „Ich helfe dir nicht. Du musst alleine zurechtkommen!“

 

Nein, ich sage damit meinem Kind auch, dass ich nicht immer in jeder Minute seines Lebens in seiner Nähe sein kann – je älter es wird, desto weniger (wäre ja schlimm, wenn das nicht so wäre)! Zudem würde ich auch nicht „schlag zurück!“ sagen, sondern „wehr dich!“. Wenn es nicht mit Worten geht und der andere körperlich wird, muss die Antwort auch körperlich erfolgen. Da stehen viele Wege offen und das kann je nach Eskalationsstufe sehr abgestuft sein, aber dazu muss man seinem Kind natürlich etwas mehr beibringen als nur „schlag zurück!““ oder „wenn dich jemand angreift, komm zu Mami und Papi!“ zu sagen.
Weiter schreibt die Autorin:

„Kinder, die ihre Eltern ganz konkret um Hilfe bitten, haben hier eine Strategie der Problemlösung gewählt, die bei genauer Betrachtung, viel reifer ist als der Vorschlag der Eltern zurückzuschlagen. Sie suchen Schutz! Sie wollen Unterstützung! Gewalt ist – warum auch immer – nicht ihre Strategie, sonst hätten sie diese eingesetzt. Anstatt dessen wenden sie sich an einen Erwachsenen und bitten um Hilfe. In dem Moment, wo sie gehört werden und Unterstützung erfahren, erleben sie, dass sie es wert sind. Sie erfahren Anerkennung für ihre Strategie. Das zeigt ihnen ihre Selbstwirksamkeit in der Lösung von Problemen und sie gewinnen an Selbstvertrauen. Dafür müssen sie nicht selbst zuschlagen.

Hilfe zu holen ist eine wunderbare und äußerst reife Strategie zur Konfliktbewältigung! Für Kinder und Erwachsene!!!“

 

So werden zukünftige Opfer und lammfromme, gehorsame Staatsuntertanen erzogen. Es ist auch wunderbar, wenn man nicht selbst zuschlagen muss: Wenn es wirklich mal hart auf hart kommt, dann ruft man dazu Leute, Polizei oder private Sicherheitsdienste, also Deppen vom Dienst, die dann zuschlagen „dürfen“. Hauptsache die guten Menschen in ihrer Welt mit rosa Einhörnern müssen sich nicht die Finger schmutzig machen.

Der Beitrag stammt vom Sommer 2016 und schon letztes Jahr häuften sich die Gewalttaten in Deutschland. Wenn man nur Hilfe holen müsste, damit alles gut wird – warum sind denn dann all diese Gewalttaten passiert?

Die „Hilfe durch den Staat“ kommt meist erst, wenn die Gewalttaten bereits verübt worden sind. Und auf Hilfe durch Zivilcourage sollte man lieber nicht setzen. Dazu werden selbsternannte Helfer auch zu oft von staatlicher Seite gemaßregelt, wenn sie erfolgreich helfen konnten. Außerdem: Wer von denen, die genau so erzogen wurden, wie die Autorin anrät, könnte und würde denn helfen? Die warten doch auch darauf, dass irgendein verantwortlicher Übervater die Sache regelt…

 

Sehr interessant fand ich übrigens einen Kommentar unter diesem Beitrag, welcher der Autorin so gar nicht ins Konzept passte:

 

Ich bin als Grundschülerin von den Mitschülern gemobbt, gehänselt und körperlich angegriffen worden. Es war ein Horror. Jeden Tag kam ich weinend nach Hause, weil es sich nicht mit Worten stoppen ließ. Meine Mutter war überfordert, sie sprach mit den Lehrern, den aufsichtsführenden Lehrern in den Pausen und auch mit den Eltern der Jungen, und doch konnte sie nichts bewirken. Meinetwegen gab es auch eine Klassenkonferenz, in der die Lehrerin mit der Klasse über das Verhalten (der Schüler) mir gegenüber sprach. Danach wurde es nur noch krasser. Die Situation eskalierte.
Ich hatte von von herein eine Abneigung dagegen mich körperlich auseinanderzusetzen. Meine Mutter sagte irgendwann einmal: „Dann wehr dich doch endlich mal!“ was ich dann auch tat.
Ich kämpfte eine Pause lang mit meinem ärgsten Widersacher, dem ich nur knapp unterlegen war. Das war das letzte Mal, dass mich meine Mitschüler ärgerten. Der Horror war beendet.
Fazit: Wer sich nur mit Worten wehren und nicht auch im Notfall auch körperlich werden darf, der geht in solchen Gemeinschaften unter. Der wird auf Opferdasein eingestellt und wird es nicht mehr los, obwohl er nichts falsch gemacht hat.
Manche verstehen nur eine Sprache, da hilft auch kein Reden.

 

Die Autorin beendet ihren Beitrag mit den Worten:

„Wir können unsere Kinder nicht davor schützen Probleme, Konflikte und Krisen zu durchleben, aber wir können sie mit unserer bedingungsloser Liebe und durchs Vorleben auf das Leben vorbereiten, um mit den auftretenden Problemen fertig zu werden.“

– Ja, aber meiner Meinung nach nicht damit, dass wir sie zu Opfern erziehen. In Deutschland werden die täglich mehr, für die Gewalt ein normales Mittel ist, um Macht und Dominanz auszuüben und für die solch weichgespülte Bullerbü-Menschen die idealen Opfer darstellen. Aber ich fürchte, die Kluft zwischen Menschen wie jener Autorin und mir sind zu groß, um da einen Konsens zu finden. Das muss ja auch nicht sein. Aber wir werden sehen, wessen Kinder besser gerüstet sein werden, um in der Welt, die da kommen wird, zu leben…oder gar zu überleben?

3 thoughts on “Neue Opfer braucht das Land….

  1. Meine Tochter lernte im Kindergarten dieses grauenhafte Programm: „Faustlos“!
    Das hatte mir damals schon nicht gepasst, aber ich schwieg, weil meine Tochter keine Probleme hatte!
    Nun ist sie in die 5. Klasse gekommen.Da sind 2 sehr aggressive Jungs, die allen in der Klasse das Leben schwer machen! Erst waren es verbale Anmachen, die meine Tochter und ihre Freundinnen ertragen mussten! Dann ging es weiter mit körperlichen Angriffen! In den Bauch treten waren da neben Kopftreten (5. Klasse!) die Höhepunkte!
    Mittlerweile, nach mehren Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Direktor bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass sich meine Tochter körperlich wehren lernen muss. Ich besprach das mit Ihr ausführlich (Notwehr, Unversehrtheit des eigenen Körpers, Bibelsprüche (Halte ihm auch die andere Wange hin etc.) und erklärte ihr, dass ich nicht in der Schule bin, wenn sie Ärger mit einem dieser Jungs bekommt und ihr dann helfen könnte! Und, ich erklärte ihr, dass dieser Junge nicht bestraft werden könnte, da er unter 14 Jahren und noch nicht strafmündig sei! Sie muss das selber klären um Ruhe zu haben! Dann empfahl ich ihr noch ein paar Körperstellen zu attackieren, die sehr gut und effektiv zu treffen sind und den Gegner erstmal mindesten sich erschrecken lassen!
    Meine Tochter verstand es.Und sie wurde einmal angegriffen. Aber sie hat sich wirklich gewehrt, mit Erfolg! Gut, dass sie durch jahrelanges Schwimmtraining im Verein und andere Sportarten doch sehr wendig und kräftig ist!
    Mittlerweile hat der eine Junge ihr Frieden angeboten! Mal sehen wie lange das anhält! Alle Kinder sollten sich wehren!

  2. Tatsächlich scheint der intellektuell und körperlich wehrlose Bürger das Idealziel mancher Spinner zu sein…
    Fragt sich warum sich solcher autoritätsgläubiger Abschaum so weit durchsetzen konnte?

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