Mobster, Polizei und Waffen – Das Mob Museum in Las Vegas

23 Mai

Die Faszination der Menschen mit dem organisierten Verbrechen zeigt sich in den unzähligen Hollywoodfilmen und Fernsehreportagen. Wer kennt nicht „der Pate“? Oder „Es war einmal in Amerika“? Oder Scarface? Wer hat nicht schon vom „Bloody Valentine“ gehört und erinnert sich vielleicht an die Szene aus Billy Wilders „Manche mögens heiß“? Oder wer kennt nicht Al Capone und seine Gefangenschaft auf Alcatraz?

Über Film und Fernsehen sind Personen und Ereignisse, besonders aus der Blütephase des organisierten Verbrechens – die Prohibition in den USA von 1919-33 – den Menschen bekannter als andere und vielleicht wichtigere historische Ereignisse. Kein Wunder also, dass diesem Thema in den USA ein ganzes Museum gewidmet ist – the Mob Museum.

 

Warum Mob Museum?

 

Als Mobster werden in den USA Personen bezeichnet, die im organisierten Verbrechen tätig sind. Das kann die Cosa Nostra (die Mafia) im engeren Sinn sein, aber auch andere Verbrecherorganisationen (die jüdische Kosher Nostra). Zudem Leute, die mit diesen in Verbindung stehen, wie Handlanger, Assoziierte und korrumpierte Personen des öffentlichen Lebens (Politiker, Gewerkschafter).

 

Über das Mob Museum

 

Das Museum heißt hochoffiziell  National Museum of Organized Crime and Law Enforcement und befindet sich in Las Vegas just in dem ehemaligen Gebäude des Bundesgerichts, in dem einige der in Las Vegas umtriebigen Mobster in den 70er Jahren angeklagt und verurteilt wurden. Um das vom Abriss bedrohte, am Ende des Strips im Old Downtown, in unmittelbarer Nähe alter Hotel -und Glücksspielpaläste wie das „Golden Nugget“ und das „Freemont“ gelegene Gebäude von 1933 zu retten, wurde es erst unter Denkmalschutz gestellt und dann zu einem symbolischen Dollar dem zukünftigen Museum überlassen. Das alte, dreistöckige Gebäude sticht auch in Old Downtown heraus.

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Wenn man als Besucher das Mob Museum betritt, fällt einem zunächst einmal auf, dass die Security am Eingang es erst meint: Pistole und 3 Ersatzmagazine, schusssichere Weste. Ich muss schmunzeln, arbeite ich doch auch als Sicherheit in einem Museum, aber bei so einer Ausstattung würden die Verantwortlichen „meines“ Museums in Deutschland Schnappatmung bekommen…

Der Preis ist mit 24$ für Touristen nicht gerade billig, diverse Rabatte durch Online-Kauf oder Gruppenticket aber möglich.

Die drei Stockwerke des Gebäudes sind in die drei Themenbereiche „Beginn der organisierten Verbrechens in den USA/Prohibition“, „Mobster in Las Vegas“ und „Gegenmaßnahmen durch Polizei und FBI“ aufgeteilt, beginnend vom oben.

Ein Highlight der Ausstellung ist die originale Backsteinwand, an der am Saint Valentine’s Day Massacre sieben Personen der North Side Gang von rivalisierenden Mobstern (mutmaßlich durch Al Capone beauftragt) am 14.2.1929 erschossen wurden. Das Vorgehen und die Brutalität der Tat erregte damals breites Interesse: Die Täter traten als Kriminalbeamte auf und inszenierten eine Razzia. Als die „Tatverdächtigen“ mit den Händen an der Wand standen, eröffneten zwei Täter mit Thompson machine guns („Tommy-guns“) das Feuer und töteten alle.

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Waffen im Mob Museum

 

Und von jenen Tommy-guns gibt es einige im Museum, denn für Waffenliebhaber bietet das Mob-Museum einiges. Neben diversen Waffen, wie sie bei den Mobstern beliebt waren – Tommy-guns, Shotguns und Pistolen, gibt es eine Vitrine, die nur Spielzeugwaffen und Mobster&FBI-Spielzeug (also „Räuber und Gendarm“, wie man auf Deutsch sagen würde) gewidmet ist. Und die Waffen der Gegenseite (Staatsseite) dürfen natürlich auch nicht fehlen: Revolver und Pistolen von Polizei und FBI, ebenso wie Schutzwesten.

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Das Museum ist nicht in Deutschland: Hier sieht man kein Problem darin, dass der Besucher mal ausprobiert, wie es ist, als Mobster (virtuelle) Maschinengewehrsalven auf Gegner abzufeuern. Ein Zeit-Artikel, der im Eröffnungsjahr des Mob Museums 2012 erschienen ist, beschreibt es folgendermaßen:

 

Die Maschinenpistole ist der Renner bei den Frauen. Fast alle werfen einen raschen Blick nach links und rechts und fassen dann entschlossen nach dem kühlen Metall. Jetzt gibt es nur noch den Abzug und sie. Und das Hageln der zwei Dutzend Kugeln, die fast gleichzeitig abgefeuert werden. Die Geschosse durchlöchern den Gegner. Wenn blutige Schlieren über den menschlichen Umriss auf der Videoleinwand laufen, lassen die Täterinnen schnell von der Waffe ab und gehen weiter, als sei nichts gewesen. Auf dem Gesicht ein stolzes und erschrockenes Lächeln.

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Und es stellt auch kein Problem dar, dass die Besucher die Rolle der Beamten einnehmen: ein Schießkino mit Simulation erlaubt es einem auszuprobieren, wie gut oder schlecht man in brisanten Situationen reagieren würde. Mehrere Filme mit unterschiedlichen Szenarios geben einem eine Situation vor, in der man schnell entscheiden muss, ob man schießt oder nicht, auf wen man schießen soll und ob man im Zweifel womöglich die Geisel erschießen würde, weil man daneben trifft. Ich fand diese Erfahrung sehr lehrreich, vor allem, weil sie auch ernüchternd war: Auf dem Schießstand gut zu treffen und in solch einer Situation sind zwei verschiedene Dinge. Mich hätte man eine ganze Weile nicht aus dem Schießkino heraus bekommen, wenn nicht andere darauf gewartet hätten, es auch einmal ausprobieren zu dürfen.  Und hieran zeigt sich auch ganz gut, wie perfide die Argumentation der Waffengegner hierzulande ist: Man darf solche Situationen in Schießkino oder als Combat-Schießen nicht trainieren und dann wird gesagt, dass die Bürger hierzulande keine Waffen führen dürfen, weil sie in solchen Situationen nicht klarkommen würden. Ein klassischer Zirkelschluss.

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Was hat das organisierte Verbrechen mit Waffengesetzen zu tun?

 

Auch für die Geschichte der Waffengesetze in den USA spielt der Kampf gegen die organisierte Kriminalität eine wichtige Rolle, ja bildet regelrecht ein Kapitel der Geschichte der gun control.

Auch hier zeigt sich wieder sehr schön, was staatliche Verbotspraktik an negativen Folgen nach sich ziehen kann. Mit der Prohibition begann die Blütezeit des organisierten Verbrechens. Es gibt Mutmaßungen, dass in den USA nie so viel gesoffen wurde wie zu Zeiten der Prohibition. „Brave Bürger“ wurden kriminalisiert, nur weil sie Alkohol tranken und Kriminelle verdienten sich eine goldene Nase. Der Alkoholschmuggel und illegale Ausschank ging mit Gewalt, Mord, Glücksspiel und Prostitution einher. Im Museum wird das auf mehreren Texttafeln eindrücklich dargelegt. Ich wunderte mich darüber, dass vom Beispiel der Prohibition keine gedankliche Transferleistung zu dem „war on drugs“ heutzutage gezogen wird. Auch der hilft nur Kriminellen und eventuell der Regierung, die mit drin hängt, auch hier werden „brave Bürger“ unnötigerweise kriminalisiert.

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Aber abgesehen davon waren in den USA die 1930er Jahre das Jahrzehnt, in dem die Bundesregierung sich erstmals ernsthaft mit Waffenkontrolle beschäftigte. Bis dahin waren Waffenkontrollgesetze immer von den Regierungen der einzelnen Staaten erlassen worden.

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts waren Kriminelle dem Staat in 2 Punkten voraus: Waffen und Mobilität. Die oben bereits erwähnte Tommy gun wurde von John T. Thompson entwickelt und war das erste handlich tragbare Maschinengewehr (die Gatling war zwar auch vollautomatisch, aber zu groß, um bequem mitgenommen zu werden). Eigentlich für die Soldaten im 1. Weltkrieg entwickelt, verzögerte sich die serienmäßige Herstellung so, dass der Krieg schon zu Ende war, als sie 1920 heraus kam. Die Tommy gun wurde DIE Gangster-Waffe und erhielt die Spitznamen „Chicago piano“ oder „Chopper“. Mit 175$ (was heute ca. 2000$ Wert entspricht) war sie teuer, aber für Verbrechersyndikate durchaus zu bezahlen. Da die Waffe Munition in rasender Geschwindigkeit verschoss (Kaliber .45 in 1000 Schuss pro Minute), erlaubte sie den Täter auch eine schnelle Flucht.

Die Polizei dagegen war mit dieser vollautomatischen Waffe eher spärlich ausgestattet: Die Polizei in Chicago hatte zu dieser Zeit lediglich fünf Tommy guns.

Das Automobil und die neu geteerten Straßen in den USA waren die zweite „Waffe“ der Gangster. Über Staatengrenzen hinweg konnte die Polizei nicht tätig werden und eine Vernetzung über Funk mit der Polizei in angrenzenden Bundesstaaten existierte nicht, so dass Kriminelle relativ einfach über Staatengrenzen hinweg flüchten konnten. Bonnie und Clyde oder Dillinger machten sich dies zunutze, so dass sie einige Zeit lang ihr Unwesen treiben konnten, bevor sie von der Polizei niedergeschossen wurden.

Die Kriminellen mit ihren Waffen waren also ein nationales Problem geworden, so dass eine landesweite Lösung gefunden werden musste.

Franklin D. Roosevelt sah gun control, um der Kriminellen Herr zu werden, einfach als einen weiteren Punkt des New Deal an, der Amerika aus dem tiefen Loch, in das Amerika am Schwarzen Freitag 1929 gestürzt war, herausholen sollte.

Homer Cummings sollte für Roosevelt das Bureau of Investigation umbauen: Mehr Agents wurden angestellt, die bewaffnet – auch mit Thompson machine guns! – auch über Staatengrenzen hinweg Gangster wie Bonnie und Clyde jagen sollten – Was auch das neue Federal im neuen Namen Federal Bureau of Investigation unterstreichen sollte. Später, unter J. Edgar Hoover, wurde die Nation auf gun control vorbereitet durch von ihm verfasste Geschichten, die er für das American Magazine schrieb und in denen der die Kriminellen als „Waffenverrückte“ charakterisierte.

Landesweite Gun control war aber gar nicht so leicht durch zu bekommen, weil der Supreme Court solche Gesetze immer wieder abschmetterte: Waffengesetze waren das Recht der Staaten, nicht Landesrecht. Was macht man also? Man verfuhr nach der Devise: „if you can’t ban ´em, tax ´em“ und erhob Steuern auf vollautomatische Waffen, kurzläufige Flinten und Büchsen. Da der normale Bürger ohnehin kein besonders großes Interesse an diesen Waffen hatte, wurden sie kaum noch verkauft, als nun eine Steuer von $200 auf den Kauf dieser Waffen erhoben wurde. Daneben mussten die Käufer solcher Waffen diese beim Staat registrieren lassen und Fingerabdrücke abgeben. Gangster, die zwar das Geld für die Steuer hatten wollten das aber bestimmt nicht tun. Und da sie diesem Gesetz nicht nachkamen, konnten sie direkt verhaftet und abgeurteilt werden, wenn man sie mit einer solchen Waffe erwischt – auch ohne dass sie damit gerade ein Verbrechen begingen.

So lässt sich also erklären, warum die Mobster- Bandenkriege, besonders jener der Chicago Outfit und der North Side Gang, der über 5 Jahre andauerte, einen großen Einfluss auf die Waffenkontrollgesetze hatten. Interessanterweise mischte die NRA schon damals in diesem politischen Kampf mit – damals allerdings noch auf Seiten Pro-Waffenkontrollgesetze! (Adam Winkler: „Gun fight: the battle over the right to bear arms in America“. New York, 2011. S. 187-204)

 

Fazit

 

Nach diesem Exkurs über die Verbindung von organisiertem Verbrechen und Waffenkontrollgesetzen, möchte ich abschließend sagen, dass ein Besuch des Museums sich trotz seines hohen Eintrittspreises lohnt. Wir haben ca. drei Stunden darin verbracht, wenn man sich manches noch ausführlicher anschaut und durchliest, können es gut und gerne auch fünf Stunden werden. Die Ausstellungsgestaltung ist topp, das Personal freundlich und erklärt auch Dinge.

Mal ehrlich, wer in Las Vegas ist und (viel) Geld in den Casinos und Shows liegen lässt – der kann man auch mal ein paar Dollar für solch gut gemachte Bildung investieren!

 

 

 

 

3 thoughts on “Mobster, Polizei und Waffen – Das Mob Museum in Las Vegas

  1. Die „Schießkinos“ mit diversen Szenarien kenne ich noch aus Disney-Land wo ich 1980 war. Da ging es aber hauptsächlich um Cowboy-Szenarios. Nur eins war mit einer Tommy-Gun und Mobstern. Heutzutage wird sich so was in den „Arcades“ in Disneyland wohl nicht mehr finden.

    Hat damals viel Spaß gemacht, obwohl ein Quarter-Dollar pro Spiel beim damaligen Umrechnungskurs ziemlich teuer war. Aber so was gab’s damals in Deutschland überhaupt nicht.

  2. man muß nicht nur fingerabdrücke abgeben und registrieren, man brauchte auch die unterschrift des örtlichen polizeichefs auf dem antrag. das war grade in der neueren zeit immer das größte hindernis.
    da sich leider immer wieder polizeioberhäupter grundlos weigerten den antrag zu unterschreiben sollte die pflicht angeschafft werden, glaub letztes jahr

  3. sehr schöner und informativer Beitrag, ein ziel mehr für den vegas-trip nächstes jahr ;)

    Allerdings sind die Grenzen, was die Tommy GUn als erstes Ein-Mann-Maschinengewehr angeht etwas schwammig.Zu was sie jedoch auf jeden fall zählt, ist, das sie zusammen mit der bergmann MP18 die erste Maschinenpistole nach heutigem Verständnis darstellt(Pistolenkaliber,Vollauto,etwas größer).Die Thompson sollte auch ürsprunglich ähnlich wie die Winchester 1897 oder MP18 im Grabenkrieg eingesetzt werdem, um Gräben schnell und zuverlässig von gegnern zu „säubern“,wurden aber wegen des kriegenden nicht mehr eingesetzt(die ersten Thompsons von 1919, noch ohne schulterstütze tragen deswegen auch den spitznamen „Trench Broom“)Das erste von einem „Ein-mann-Team“ bedienbare Maschinengewehr,wenn nicht gar das erste „Battle Rifle“(ein sturmgewehr, aber ohne mittelpatrone), ist in der hinschit vermutlich das Browning Automatic Rifle, auch B.A.R. gennant.

    Hoffe, das kam nicht zu sehr klugscheissermäßig rüber xD

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