Mitleid mit den amerikanischen Gun Control Aktivisten

25 Jul

Dieser Blog heißt „die Waffen der Frau“ und ich dachte, es wäre wieder mal an der Zeit, tatsächlich über Frauen und Waffen zu schreiben. Angeregt durch die Lektüre von Stange/Oysters „Gun Women“ aus dem Jahr 2000 (Rezension folgt), deren erster Beitrag „High Noon at the Gender Gap“ („High Noon an der Geschlechterkluft“) mich dazu inspiriert hat, einen Blogbeitrag mit dem Titel „Wenn Feministinnen frauenfeindlich werden: Frauenstereotypen beim Thema Waffen und Frauen“ zu schreiben, machte ich mich an die Recherche, denn ich wollte ein paar der Thesen und Beobachtungen des „High Noon“-Beitrags anhand von neueren Texten darstellen. Was ich bei jener Recherche aber feststellte, erstaunte mich doch ein wenig.

Was lag erst mal näher, als bei der Suche nach Artikeln der Gun Control-Fraktion mit Bezug speziell auf Frauen die Suchbegriffe „women“ und „gun control“ in die Suchmaschine einzugeben? In Erwartung von einschlägigen Artikeln, die mir die Sicht der Waffengegner näher bringen sollten, staunte ich nicht schlecht, dass die überwältigende Mehrheit der angezeigten Beiträge der Pro Gun – Seite zuzurechnen sind. Ich verlor fast meinen Fokus, denn ich entdeckte einige interessante Beiträge, wie beispielsweise den, in welchem eine Frau über ihren Wandel von einer Pro-Welfare/Anti Gun-Befürworterin zur Libertarian/Pro Gun – Aktivistin nachzeichnet. Ich ging schließlich dazu über, direkt nach Gun Control-Seiten wie die Brady Campaign, Million Moms March und die mit Bloomberg assoziierten Seiten zu suchen, um zu recherchieren.

Nun arbeiten Suchmaschinen nach bestimmten Parametern (Geld zu bezahlen ist beispielsweise eine sehr sichere Methode, bei Google an prominenter Stelle zu landen); SEO-Firmen beschäftigen sich damit, Texte im Internet so zu gestalten, dass sie aufgrund von Schlüsselbegriffen und deren Kombinationen gut gefunden werden  und auch Aufrufe der Seiten und „Likes“ bringen Texte nach vorn. Aber werden Texte auch nach den Vorlieben des Nutzers ausgewählt? Von Facebook kennt man das ja: man kauft ein paar rote Turnschuhe im Netz und nun bekommt man ständig Werbung für rote Turnschuhe gezeigt (was wiederum nicht unbedingt Ziel führend ist, denn wie viel paar rote Turnschuhe brauche ich denn?). Mich beschlich jedenfalls der Verdacht, dass ich nur Pro Gun – Texte gezeigt bekam, weil ich ja sonst auch vornehmlich solche Texte – auf Pro Gun – Seiten veröffentlicht – lese.

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass das nicht so ist. (Man darf mich da aber gerne eines Besseren belehren!) Dann lässt meine Recherche den Schluss zu, dass die Pro Gun – Seite innerhalb der Bevölkerung das Ruder in der Hand hält. Auch wenn man die Zahlen der Befürworter Pro- und Anti Gun der Artikel – interessanterweise von beiden Seiten gleichermaßen!  –  heranzieht, so ergibt sich ein sehr ähnliches Bild: die Zahlen verschieben sich weiter zugunsten der Pro Gun Seite. Momentan sind 47% für mehr Waffenkontrolle. Der Tiefpunkt war 2011 erreicht, also vor dem Newton-Vorfall, mit 43% (danach gab es wieder einen leichten Anstieg), wohingegen 2004 noch 60% für mehr Waffenkontrolle waren – allerdings betrachte ich diese Zahlen sehr skeptisch, denn Telefonumfragen halte ich nicht für aussagekräftig. Angeblich (laut der Anti Gun – Seite) ging die Zahl der Waffen in den Haushalten der USA seit den 70ern um 30% zurück – und das angesichts der Tatsache, das Waffenhändler in der Produktion für den heimischen Markt kaum hinterherkommen und sich die Preise für AR-15s in den letzten Jahren verdoppelt haben?

Interessanterweise sind es gerade die Frauen, die hier die Zahlen zugunsten von Pro Waffen verschieben, denn immer mehr Frauen kaufen Waffen und lernen damit umzugehen, zunächst aus Gründen des Selbstschutzes, aber eine gewisse Anzahl dieser Frauen findet so auch zum Schießsport als sportliches Hobby. Wie gerade die Anti – Gun – Seite damit umgeht, dass Frauen zum „feindlichen Lager“ überlaufen, soll ja der Artikel, für den diese Recherche gedacht ist, herausarbeiten.

Das ist, wie bereits erwähnt, keine wissenschaftliche Auswertung, sondern ein subjektiver Eindruck, der sich bei meiner Recherche eingestellt hat. Die Anti Gun – Seite scheint argumentativ am Ende zu sein. Ich habe keine Inhalte gefunden, welche man nicht schon in Artikeln, die Jahre zuvor geschrieben wurden, liest. Wohingegen die Pro Gun Seite durch das starke Ansteigen der Waffenbesitzerinnen, die ihre Beweggründe und Argumente teilen, deutlich hinzugewonnen hat. Sie machen das auch deutlich besser als beispielsweise die Verfasserin(nen) jenes unglaublich dummen feministischen Beitrags, der einfach nur Wasser auf den Mühlen misogyner Menschen liefert, indem sie schlichtweg ihr völliges waffentechnisches Unwissen zur Schau stellten.

Vielleicht arbeitet aber auch die gesellschaftliche und politische Entwicklung einfach besser in Richtung der Pro Gun Seite: eine Desillusionierung vieler bezüglich des von Obama durchgedrückten Wohlfahrts- und Überwachungsstaates, der Politik allgemein, der um sich greifenden Polizeigewalt einerseits und der Erkenntnis, dass die Polizei den Einzelnen nicht schützen kann, lässt immer mehr Amerikaner, v.a. Frauen, Waffenbesitzer und Waffenbefürworter werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass v.a. bei der schwarzen Bevölkerung sich die Erkenntnis durchsetzt, dass eine Waffe sie vor Verbrechen schützt.

Angesichts dessen ist es einfach lachhaft, wenn Journalisten ein baldiges Ende der NRA herbeireden wollen. Keine Fakten stützen diesen Wunsch.

Andererseits: Hillary Clinton scheint ja im Gegensatz zu Obama es für durchaus vorteilhaft anzusehen, ihre Bereitschaft, eine Verschärfung der Waffengesetze weiter voranzutreiben, schon lange vor den nächsten Präsidentschaftswahlen kund zu tun, der reiche Ex-New Yorker-Bürgermeister Bloomberg finanziert das Anti-Waffen-Lager sehr großzügig. Die Politiker der Liberals scheinen also regelrecht Politik gegen das Volk machen zu wollen.

Und wie sieht es in Deutschland aus? Obwohl die Presse in Deutschland mehrheitlich in Richtung „Waffen sind böse/waffennärrische Amerikaner verrückt/mit Waffen herrscht Wilder Westen“ schreibt, sind die ganz schrillen Töne und Beiträge (beispielsweise noch von 2012/2013) etwas abgeebbt, es gibt mittlerweile Beiträge in der deutschen Presse, die man als Verbesserung in Richtung Ausgewogenheit bezeichnen kann. Und die Kommentare sind, wie Katja Triebel neulich irgendwo so schön (und treffend) bemerkt hat, nur noch zu 60% negativ und nicht zu 90%, wie es noch vor kurzem war. Auch hier scheint im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen (starke Erhöhung der Zahl an Wohnungseinbrüchen bei gleichzeitiger Reduzierung der Mittel und des Personals bei der Polizei, vermehrte Gewaltbereitschaft bei Einbrüchen usw.) langsam ein Umdenken einzusetzen.

Wie dem auch sei, hier wie dort scheint die Kluft zwischen der Politik, der in turbulenten Zeiten unbewaffnete Bürger lieber sind, und immer mehr Bürgern, die in stürmischen Zeiten lieber bewaffnet sind, zu wachsen.

 

Aber Mitleid habe ich mit den Waffengegnern, wie in der Überschrift steht, natürlich nicht.

 

8 thoughts on “Mitleid mit den amerikanischen Gun Control Aktivisten

  1. Hm, da sich Google die Suchparameter gerne merkt und anhand von Cookies feststellen kann, daß man ein wiederkehrender Besucher/Sucher ist, bekommt man auch das zu lesen, was man in der Vergangenheit öfter gesucht hat.

    Man muß also seinen Browser von Cookies, Flash-Cookies und den Browser-Cache komplett säubern um wieder halbwegs neutrale Suchergebnisse zu bekommen. Wie das geht, kann man mit einer kurzen Google-Suche für seinen jeweiligen Browser herausfinden. Ich verwende für meinen Mac gerne den CCleaner, den es auch für Windows (allerdings mit AdWare) gibt: http://www.piriform.com – Man muß unter Windows beim installieren also aufpassen, was man sich mitinstalliert, oder später in den Einstellungen rumfuhrwerken um die lästigen Zugaben zu deaktivieren. Für Leute, die viel recherchieren kann sich die kommerzielle Version lohnen.

    Alternativ kann man auch andere Suchmaschinen wie https://duckduckgo.com verwenden. Die verwenden die Engine von Google, aber ohne Cookies und Tracking. Empfehlen möchte ich auch https://metager.de – man kann sehr viele Suchparameter selbst eingeben.

    Was die Waffengegner in den USA angeht. Die sind zwar laut, verlieren aber tatsächlich an Boden. Schon 2009 hat sich das deutlich abgezeichnet, wie hier in einem Absatz angemerkt wird: https://usaerklaert.wordpress.com/2009/08/08/zeugs-der-untergang-der-usa-der-sieg-der-waffenlobby-und-das-bislang-beste-trinity-zitat/

    Ja, auch in Deutschland ändert sich die Einstellung. Sogar in den heise.de-Foren und bei Telepolis wo ich in den letzten Jahrzehnten gnadenlos niedergemacht wurde, wenn ich eine Pro-Gun-Äußerung von mir gab, haben sich die Ansichten ganz schön geändert. Sicher, viele Kommentare sind immer noch sehr kollektivistisch und Anti-Gun, aber die Gegenstimmen kann man inzwischen nicht mehr einfach so niederschreien, wie früher. Steter Tropfen höhlt den Stein. Es war und ist ein mühsames Geschäft, aber da hat sich in den letzten 20 Jahren tatsächlich einiges bewegt.

  2. Danke für den Beitrag, aber schwer zu lesen. Sorry.
    Doch auch ich bin der Meinung:

    “ Lieber eine Waffe in der Hand, als einen Polizisten am Telefon…“

    MfG von der Waterkant

  3. [Sorry falls der Kommentar doppelt auftaucht, posten per Google+ Account gab ne Fehlermeldung]
    „Aber werden Texte auch nach den Vorlieben des Nutzers ausgewählt?“
    Bei Google auf jeden Fall. Schon seit einer Weile werden Suchergebnisse personalisiert (Google hat dank Google Analytics auf nahezu jeder Website ja Zugriff auf die fast lückenlose Surfhistorie der meisten User). Mag sein, dass man das in den Sucheinstellungen irgendwo ausstellen kann, einfacher ist aber das Private Browsing Feature im Browser zu verwenden (das unterdrücke unter anderem Cookies und die meisten anderen identifizierbaren Merkmale, wenn man ganz paranoid ist zusätzlich über einen Proxy gehen, dann ist auch die IP „frisch“) oder direkt eine Suchmaschine zu verwenden, die keine personalisierten Ergebnisse verwendet, z.B. https://duckduckgo.com/
    Im Englischen gibt es für dieses Konzept (und die daraus resultierenden Probleme bei der Realitätswahrnehmung) übrigens den Begriff „filter bubble“ (https://en.wikipedia.org/wiki/Filter_bubble), a drunter sollte es mehr Informationen zu dem Problem (und wie man es umgehen kann) zu finden geben.

  4. Hallo
    Einen Kommentar bezüglich Waffen und Frauen
    Ein Freund leitet öfters Anfänger Gruppen beim Schießsport (Luftgewehr) er sagte mir mal das bei solchen Aktionen 60% der Mädchen / Frauen dabei bleiben bei Jungen / Männer sind es nur 30%.
    Ich meine.
    Frauen sind Ehrgeizige verfolgen ihr Ziel können hart an sich arbeiten um Leistung zu bringen.
    Bei den Männern ist es wohl so sie meinen das wäre soo einfach und geben schnell auf.
    Leider gibt es meines Erachtens zu wenig Frauen beim Großkaliber Schießen.
    Meines Erachtens wird da bei Anfängerin oft der Fehler gemacht ihr eine zu große Waffe in die Hand zu Drücken anstelle mit einem kleinen Kaliber anzufangen, ist mir leider selber schon passiert ich habe eben auch manchmal ein ordentliches Eichenbrett vorm Kopf.

    Viele Grüße aus Westfalen

    Peter

  5. Ich als Jäger sehe auch eine deutliche Verschiebung der Fragen, die mir gestellt werden. War es vor 3 Jahren noch „ist das nicht sehr gefährlich, ich mag das nicht“ und „wofür braucht denn jemand wie du auch noch eine Pistole“ hin zu „sag mal, ich möchte auch eine Schrotflinte für zu hause.“ oder „wie kommt man an sowas?“ und „kann ich mal zum Schießstand mitkommen“.
    Nur muss ich die meisten dann mit langen Gesichtern zurücklassen, wenn ich ihnen erkläre, wie es in Deutschland gesetzlich Geregelt ist.

  6. Danke für die Hinweise bezüglich der Suche, ich bekenne, ich bin a. ein Computer-Dummie und b. faul, was das angeht, aber der Browserverlauf/Cookies/Cache wurde dann schon gelöscht…;-) Ich betrachte so ein erstes „Überblick verschaffen“ auch noch nicht als ordentliche Suche/Recherche (meine Profs würden mich dafür teeren und federn!) – und dennoch, auch nach Veränderung der Suchbegriffe und anderem, das ich nicht näher beschreiben wollte, hat sich bei mir eben jener beschriebene Eindruck eingestellt. Er wurde ja von anderen Kommentatoren ja auch bestätigt, d.h. ich lag wohl nicht ganz falsch mit meinem Eindruck.

  7. Fußnote: Cookies löschen bringt etwas, aber nicht viel. Stichwort: Browser Fingerprinting. https://panopticlick.eff.org/

    Als Alternative muss man leider raus aus den großen Welten von Google, Microsoft…. und da bleibt nur die schon empfohlene Suchmaschine duckduckgo.com als einigermaßen erträgliche Suchmaschine. „Einigermaßen erträglich“ ist übrigens gezielt gewählt als Formulierung, gerade aktuelle Inhalte sind dort ein Problem.

    Wegen der ganzen „Filter bubble“ (aus neu-deutsch auch „Queryology“) würde ich daher dem Gefühl, dass alles heute weniger hysterisch gehandhabt wird, nicht trauen.

  8. Pingback: Wochenrückblick 31.07.2015 | German Rifle Association

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