Millionen Legalwaffenbesitzer und ein kleines Mädchen mit UZI

29 Aug

Es verbreitet sich natürlich wieder in Windeseile: zunächst findet man auf Facebook und diversen Webseiten die Links zu amerikanischen Meldungen über einen Unfall, bei dem ein neunjähriges Mädchen den „Instructor“ mit einer UZI im vollautomatischen Modus erschossen hat, einen Tag später haben es die Berichte auch in die deutsche Presse geschafft. Die Waffenbesitzer diesseits wie jenseits des Teiches sind sich einig, dass der Instructor grob fahrlässig gehandelt hat, wobei die Schützen hierzulande eher zu der Ansicht tendieren, dass ein neunjähriges Kind überhaupt keine vollautomatische Waffe schießen sollte (was es in Deutschland de facto auch kaum tun würde, denn hier sind diese für Zivilisten generell außer Reichweite), während die Kommentare von amerikanischen Waffenfreunden nahe legen, dass ein Teil ähnlich wie die deutschen Waffenfreunde denkt, ein anderer es eher davon abhängig machen würde, ob das Kind dazu in der Lage ist oder nicht (Training, körperliche Fähigkeiten usw.). Neben den „neutralen“ Berichten nebst Youtube-Video zu diesem Unfall stürzt sich natürlich die Anti-Waffen-Lobby auf diesen Vorfall wie Geier auf Aas. Ein Beitrag nutzt diesen Unfall als Aufhänger, um zu erklären, warum das 2nd Amandement ganz anders gemeint ist, als es die Waffenbefürworter auslegen, die anderen stimmen in ihr übliches „warum-braucht-man-solche-Waffen-überhaupt“-Lamentieren ein.

Dass die deutsche Presse in ihrer typisch-überheblichen „die-Amis-sind-alle-Rednecks-und-spinnen-mit-ihren-Waffen“-Art darüber schreibt, wundert deutsche Waffenfreunde schon lange nicht mehr, auch nicht all die „kleinen“ fachlichen Fehler der Berichte, bei denen der  Informierte nicht weiß, ob er schmunzeln oder sich die Haare raufen soll.

Aber lassen wir einmal beiseite, WIE die Presse berichtet – das WAS ist mindestens genauso entscheidend. Mal ganz ehrlich: dass ein Kind in den USA einen sich falsch verhalten habenden Schießtrainer versehentlich erschießt, müsste für uns eigentlich der sprichwörtliche Sack Reis sein, der in China umfällt. Selbst für die USA sollte das eigentlich nicht mehr als eine Nachricht in der Lokalpresse sein. Nur zum Vergleich: Reiten wird als Risikosportart gesehen, es gibt jährlich ca. 30 000-90 000 Reitunfälle in Deutschland, ca. 12 davon enden tödlich. Haben wir je in der überregionalen Presse davon gehört, abgesehen davon, wenn der Unfall sich während eines großen Reitturniers ereignete? Nein. Oder erinnern wir uns an die „Kampfhundhysterie“ vor einigen Jahren, als ebenfalls jeder Biss in der überregionalen Presse breitgetreten wurde. Halten wir also fest: die Presse, insbesondere die überregionale, betreibt Meinungsmache allein schon dadurch, dass bestimmte Themen/Vorfälle wieder und immer wieder berichtet werden, auch wenn der Anlass eigentlich nichtig ist.

Was sowohl die amerikanische wie auch die deutsche Presse dagegen tatsächlich für nichtig zu halten scheint, sind die Fälle, in denen Waffen erfolgreich zum Schutz und zur Verteidigung benutzt wurden. Aber diese Berichte schaffen es in den USA zumeist nur in die lokale Presse. In die deutsche Presse schaffen sie es gar nicht, sonst könnten Menschen ja auf die Idee kommen, dass eine Schusswaffe auch etwas Gutes sein könnte. Besser, es wird der deutschen Bevölkerung als „tödliche Faszination“, „tödliche Gefahr“ und…überhaupt „tödlich“ vorgesetzt.

In den USA gibt es zum Glück einige Seiten, die genau diese Fälle von Selbstverteidigung zählen oder auch darüber berichten, dass schon der ein oder andere so genannte „Amoklauf“ frühzeitig gestoppt werden konnte, so dass die Zahl der Verletzten und Getöteten nicht noch deutlich höher wurde.

Vielleicht könnte die deutsche Presse auch einmal darüber berichten und nicht nur über medienwirksame Unfälle?

Ich glaube es ja nicht.

Aber dafür gibt es ja – Internet sei Dank – Blogs.

 

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