Leaving Berlin…

3 Sep

 

„…Berlin, Du bist so wunderbar Berlin….“ trällert die Werbung einer Berliner Biermarke.

Nun ja, 6 Jahre hatte ich nun in dieser Stadt verbracht. Die Erfahrung war wertvoll, aber wunderbar fand ich Berlin nur am Anfang, zum Schluss nicht mehr.

Vielleicht liegt es daran, dass ich einfach kein Großstadtkind bin. Ich habe im Ausland in Städten gelebt (USA, China), aber nie in Deutschland. Vor Berlin habe ich in Deutschland in Dörfern gelebt, in Baden-Württemberg und Westfalen.

Berlin gilt unter seinen Fans als wild, verrückt, multi-kulti, ein Schmelztiegel für Menschen aus aller Herren Länder – da muss die kulturelle Avantgarde leben, jeder, der hipp und modern sein will. Für mich war Berlin am Ende nur noch ein dreckiges Moloch, ein Irrenhaus, nur ohne Zaun drum herum. Jeder Tag ein Kampf – gegen Lärm, Schmutz, steigende Lebenshaltungskosten, kafkaesken Behördenwahnsinn und den paradoxen Umstand, dass irgendwie vieles knapp bemessen war in dieser Überfülle. Lege ich wert darauf, hip zu sein? Brauche ich die neuesten Trends, die angesagtesten Kneipen und Clubs? Nee, um Himmels Willen!

Ich will wieder Natur, Platz, weniger Menschen, weniger Verkehr…und da das Dümmste, was man machen kann, ist, anderen Menschen seinen Willen aufzuzwingen, obwohl man selbst der Zugereiste ist, habe ich die logische Konsequenz gezogen die Hauptstadt zu verlassen.

Die von nun an folgenden Berichte kommen also nicht mehr aus der Metropole Berlin, sondern aus der Provinz. Was das Schießen angeht, ist das kein Rückschritt, im Gegenteil.

Gut, den DEVA-Schießstand am Wannsee werde ich ein bisschen vermissen. Ich mochte die offen Hallen mit Sandboden, die in einem Waldstück liegen. Auch wenn sie für die Berliner Polizei angeblich nicht gut genug zum Trainieren sind – ich fand sie ideal!

Und doch kann ich jetzt schon sagen, dass sich meine Trainingsmöglichkeiten hier bei dem neuen Verein verbessert haben. Trainingstermine auch sonntags (!!! Das ging in Wannsee nicht) und 1x im Monat Trapp-Schiessen.

Ich habe bisher nur 2x Trapp geschossen. Das letzte Mal ist ca. 3 ½ – 4 Jahre her. Es hat mir zwar Spaß gemacht, aber wir mussten eine Stunde Auto fahren (es gibt durchaus einen näheren Trappstand um Berlin, aber da durfte die Vorderschaftrepetierflinten-Fraktion nicht schießen) und irgendwie war die Flinte nicht ideal gewesen, die Trefferquote war sehr gering: ca. 2-3 Scheiben aus 10.

Das sah vor einigen Tagen dann schon anders aus. Wir haben vor einiger Zeit schon eine Bockdoppelflinte gekauft, aber aus Mangel an Gelegenheit noch nicht ausprobiert. Gestern war nun also die Zeit gekommen und siehe da, die kurze Schäftung der Flinte erwies sich als ideal für meine Größe. Es muss also der Flinte zugeschrieben werden, dass sich das Ergebnis nun um 180° gedreht hatte: 7-8 Treffer von 10 – denn Training dieser Disziplin hatte ja bislang nicht statt gefunden. Ja, so macht das Spaß! Ich glaube, ich habe da eine neue Disziplin für mich entdeckt….

(auf dem Bild ist übrigens noch mal der Schießstand in Wannsee zu sehen…)

One thought on “Leaving Berlin…

  1. Ach schau an……: auch den Absprung geschafft…?

    War für mich schon vor einigen Jahren so, allerdings nur zu 50% gewollt.

    Ja….: die Schießsport-Möglichkeiten in Berlin vermisse ich auch, hier auf dem platten Land in der Nähe von Bremen. Mal eben zwischen mehreren 100…oder 300 Meter Ständen wählen zu können, quasi jeden Tag der Woche irgendwo anders schießen gehen zu können und auch noch mehrere Waffen- und Pulverhändler in der Nähe zu haben war schon sehr komfortabel.

    Braucht hier halt mehr Vorbereitung, längere Wege und ist erheblich umständlicher.
    Doppelt bestraft bin ich aber auch, weil ich auch noch ziemlich eifriger Segler bin……: auch dafür waren in Berlin die Bedingungen perfekt.

    Das war´s dann aber auch schon.

    Ich hab inzwischen Schwierigkeiten mit dem seitwärts einparken…..: braucht man hier nicht.
    Kein Hundscheiße-Kontrollblick mehr, wenn man aus dem Auto aussteigt.
    Gemüse kauf ich beim Nachbarn, wenn´s sein muß auch mal ein Huhn oder Eier. Die drei Bäcker im Umkreis backen alle tatsächlich…., niemand wärmt hier Fertigbrötchen auf. Das Fleisch was ich beim Metzger hier im Ort kaufe behält in der Pfanne seine Größe……

    Einzig einen vernünftigen Verein zu finden hat ein wenig länger gedauert. Jetzt muß ich zwar über 30 Kilometer fahren, aber vom Zeitaufwand her ist das auch nicht mehr als für die 8 oder 10 Kilometer in Berlin.

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