Kann man nur mit viel Geld schießen?

13 Mrz

Wenn man in den diversen Gruppen zum Thema Schießen in den Social Media, allen voran Facebook, so mit liest, könnte man als Neuling schon etwas eingeschüchtert sein. Es werden stolz neue „Schätzchen“ (Waffen natürlich) präsentiert, es wird von Lehrgängen und Schießevents quer durch die Republik berichtet. Im Verein ist es vielleicht ähnlich. Wenn man das in den ein oder anderen Fall im Kopf überschlägt, kommt man zu dem Schluss, dass so mancher im Schnitt 500-800€ im Monat für sein Hobby ausgibt: Waffen anteilig, Munition, Zubehör und allen Schnickschnack eingerechnet. Nach oben hin ist dem Ganzen natürlich keine Grenze gesetzt, gibt es doch Waffen (besonders Jagdwaffen), die auch mal im fünf- bis sechsstelligen Bereich kosten können. Je größer das Kaliber, desto teurer ist es in der Regel. Und wer dann damit häufig und munitionsintensiv schießen möchte, muss sich das eben was kosten lassen.

Ja, richtig. Schießen kann durchaus ein elitärer Sport sein, der die Liga von Reiten oder Golfen erreichen kann. Aber man kann auch die erwähnten Sportarten auf „Normalverdienerniveau“ ausüben, mit etwas Selbstbeschränkung und bedachtem, cleveren Verhalten sogar dann, wenn das Budget eher dürftig ist. Zu Reiten und Golfen will ich hier natürlich keine Auskunft geben, das Thema ist das Schießen mit begrenztem Budget.

 

Wie kann man die Kosten im eigenen Budgetrahmen halten?

 

Es gibt einige Faktoren, die den Schießsport finanziell im Rahmen halten:

Die Wahl des Vereins kann durch den Vereinsbeitrag (und die Aufnahmegebühr) schon mal darüber entscheiden, wie hoch die monatlichen Fixkosten sind. Wobei hier noch zu berücksichtigen ist, was für Leistungen im Jahresbeitrag enthalten sind. Manche Beiträge sind recht hoch, dafür muss man dann außer Munition nicht mehr viel dazuzahlen. Und andere sind sehr niedrig, dafür zahlt man dann für jedes Training seinen Anteil. Auch wenn man einige Zeit die Vereinswaffen nutzt, spart man sich (zunächst) die Anschaffungskosten von Waffen (allerdings wird das etwas sein, mit dem kein Schütze auf Dauer glücklich sein wird! Andererseits ist es auch keine Schande, wenn nicht auf den Tag genau 1 Jahr nach Vereins- bzw. Verbandseintritt keine 2 Waffen zur Eintragung bereitliegen…). Wenn dann eigene Waffen angeschafft werden sollen, dann sind Waffenart, Marke und Kaliber entscheidende Kostenfaktoren, ebenso wie die Disziplin, für die sie angeschafft werden. Pauschal lässt sich erst mal nicht sagen, ob Lang- oder Kurzwaffen in der Anschaffung teurer sind, hier entscheiden eher Marke und Modell über den Preis. Aber: große und seltene Kaliber sind durch die höheren Munitionskosten teurer, was dann noch besonders ins Gewicht fällt, wenn man munitionsintensive Disziplinen schießen will. Wenn man kostengünstig schießen will, führt eigentlich kein Weg an Kleinkaliber vorbei. Kein Kaliber ist finanziell so „schmerzlos“, wenn man gerne -einfach mal so aus Spaß – rumballert. Auch wer unbedingt IPSC schießen will (munitionsintensiv!), weil ihm langsamere Disziplinen (Präzision) zu langweilig sind, ist mit IPSC im Kleinkaliber gut beraten. Ich weiß, ich weiß…ich habe schon einige Schützen (meist Männer) erlebt, für die KK einfach pfui pfui ist. Aber was ist nun wichtig, dass man mit einer coolen Waffe posen, aber kaum schießen kann, oder dass man tatsächlich schießen kann? Wer dagegen unbedingt Großkaliber schießen will (für Großkaliber ist das Kaliber 9mm das kostengünstigste), sollte eben auf „langsame“ Disziplinen setzen.

Überhaupt Wettkämpfe: An Wettkämpfen teilnehmen kostet ebenfalls extra (Meldegebühr, zusätzlich Munition, Hinfahren…). Wenn man mit dem Grundkontingent an Waffen auskommt (Kosten!), kann ja darauf verzichten, wenn man kein besonderes Verlangen verspürt, sich mit anderen im sportlichen Wettkampf zu messen. Oder die Wettkämpfe eben zahlenmäßig und im Bezug auf das Gebiet beschränken. Klar ist es teuer, wenn man jedes Wochenende durch Deutschland fährt, um auswärts an Wettkämpfen teilzunehmen!

Ein weiterer Punkt – nicht immer ist kostengünstiges Equipment auch schlecht(er). Es muss nicht immer diese oder jene Marke sein, nur weil irgendein cooler Instructor das benutzt. Viel wichtiger ist, dass es dem Verwendungszweck entsprechend ausgewählt wird: Wer nur in der voll beleuchteten Halle schießt, braucht wahrscheinlich kein teures ZF mit hoher Dämmerungszahl aus dem militärischen oder jagdlichen Bereich. Manchmal zeigt diese Fixierung auf bestimmte Marken ja nicht mal Kennerschaft, sondern soll eher Unkenntnis verschleiern, indem einfach nachgeplappert und das als „the real thing“ hochgelobt wird, was allgemein als „top“ gilt oder Ausbilder XY über den Klee lobt (und womöglich Geld dafür bekommt…?).

Die Ausrüstung sollte insgesamt mit Bedacht ausgewählt werden. Abgesehen von der Wahl von günstigeren Alternativen spart man auch Geld, wenn man nicht nach dem Grundsatz: „viel hilft viel“ verfährt. Braucht man wirklich alles von dem, was man gerne hätte oder meint brauchen zu können? Gar nicht so selten ist es doch so: Der Schütze ist mit seinen Ergebnissen, dem Leistungsstand, nicht zufrieden und versucht dies nun durch Veränderungen an der Waffe auszugleichen. Rotpunktvisier, der Griff wird verändert, der Abzug…dabei hätten ein paar Trainingseinheiten oder ein Kurs mit einem erfahrenen Ausbilder viel mehr gebracht, um Fehler zu beheben. Denn Equipment kann eine fehlerhafte (oder fehlende!) Ausbildung (teilweise) wettmachen, besser ist aber eine solide Ausbildung. Lieber ein paar hundert Euro in Ausbildung und Unterricht investiert – um dann in der Lage zu sein, selbst mit der letzten Plempe noch treffen zu können.

 

Neue Schützen braucht das Land

 

Ich will aber deswegen weder schlecht machen, wenn Leute viel Geld für ihr Hobby ausgeben (ist ja ihr gutes Recht, wenn sie es haben!), noch mit Sachverstand eingesetztes teures Equipment, um im sportlichen Bereich auch noch die letzen paar Ringe/Punkte rausholen zu können.

Man sollte auch bedenken – wenn man manchmal den Eindruck hat, dass alle anderen irgendwie Goldesel besitzen – dass manch einer die Grenze seines Dispos ausreizt für sein Hobby. Jeder nach seiner Façon.

Ein Vorteil vom Schießen ist: Was man hat, hat man. Und wenn das Geld in einem Monat mal knapp sein sollte, weil außerplanmäßige Ausgaben anstehen (Autos können einen beispielsweise da immer wieder Freude bereiten), dann kann man die Waffen getrost im Schrank stehen lassen, dort fressen sie kein Heu, also….Munition.

Nur Mut – es geht auch mit weniger!

Und an die alten Hasen: Bitte schüchtert die Neuen (vielleicht Jungen?) nicht gleich ein, die vielleicht noch Lehrlinge oder Studenten sind und nicht so viel Geld verdienen. Schießen ist ein Hobby, das oft einen Lifestyle, eine Lebenseinstellung mit sich bringt (oder auch: nach sich zieht) und wir brauchen jeden, der kritisch, freiheitlich und unvoreingenommen denkt.

(Mein Dank für fachlichen Rat, Kommentare und Anmerkungen gebührt Hans J. Stuckmann!)

2 thoughts on “Kann man nur mit viel Geld schießen?

  1. Hallo, lustigerweise bin ich durch deine Posts auf dem US Blog von Mr Farago auf dich aufmerksam geworden. Vor allem durch deinen letzten Gastbeitrag zum deutschen Waffenrecht da. da hab ich auch schon geschrieben, das ich als junger interessierter eher schlechte Erfahrungen mit Schützenvereinen gemacht habe. Einige kamen so rüber das sie nur widerwillig bis gar nicht Neue aufnehmen wollten oder es auch nur probieren lassen wollten. Bei einem war ich dann auch eher enttäuscht zu erfahren, dass der Chef der lokalen NPD Vorsitzender ist und weitere NPD Mitglieder im Vorstand waren und mir ihre politische Meinung auf dringen wollten und das brauche ich bei einem potentiellen Hobby nicht. Andere Vereine wollten mir leider auch ihre Politik und ihre Einstellungen dazu näher bringen und wie schon beim NPD Verein geschrieben brauch ich das bei einem Hobby nicht, danke ich denke gerne für mich selbst.
    Sorry falls das hier nicht hin passen sollte, aber der Beitrag schien mir noch am meisten zu passen.
    Und als Abschluss noch eine Frage an dich: Wie findet man einen guten Schützenverein?

    • Hallo, das tut mir leid, dass die Vereinssuche bisher so unerfreulich war. Ich würde mal einfach eine Suchanfrage nach einem geeigneten Verein (nette Leute, die nicht zum braunen Lager gehören) bei diversen Facebookgruppen (Waffenlobby, Ich bin Waffenbesitzer, Out of the box challenge und viele mehr) einstellen. Meiner Erfahrung nach melden sich da immer nette Menschen in Deiner Umgebung, die bereit sind, Dich mal in ihren Verein mitzunehmen oder die Dir einen empfehlen.

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