Home Defense will gelernt sein

26 Feb

Gestern erst sammelte ich Berichte über jenen Einbruch, bei dem ein Familienvater von Einbrechern schwer verletzt wurde. Aber wie so oft kann man dieser Tage gar nicht schnell genug schreiben, schon wird man von noch schlimmeren Ereignissen eingeholt. Als ich meine Emails lesen wollte, sprang mich auf GMX diese Meldung an und noch nicht mal eine halbe Stunde früher hat Katja Triebel dies auf Facebook gepostet:

Es tut mir leid, aber ich bin mir sicher, dass nicht nur medial, sondern auch absolut die heißen Einbrüche zunehmen und immer brutaler werden.

Ich verfolge solche Meldungen seit Jahren. Da getötete oder schwer verletzte Einbruchsopfer (zum Glück immer noch) selten sind, kann man davon ausgehen, dass fast jedes in den Medien auftaucht.

Dass die heißen Einbrüche (in Anwesenheit der Einbruchsopfer) zunehmen, schreiben wir bei der GRA schon seit Jahren:
https://german-rifle-association.de/…

 

Einbrüche, die mit Tod und Körperverletzung für die Bewohner endeten

 

Da die Opfer in diesem jüngsten Fall tot oder schwer verletzt sind und man somit noch zu wenige Fakten kennt, möchte ich lieber wieder auf jenen Fall zurück kommen, der vorgestern in der Presse zu finden war. Laut Medienberichten wurde ein 37-jähriger Familienvater in der Nacht zum Freitag in Mülheim mutmaßlich von Einbrechern lebensgefährlich verletzt, als er ins Erdgeschoss seines Hauses ging, um nach dem Ursprung von verdächtigen Geräuschen zu sehen. Die Ehefrau und die beiden Kinder blieben im Schlafzimmer im Obergeschoss und mussten daraufhin lautes Geschrei und Gepolter mit anhören, woraufhin die Ehefrau die Polizei rief und bis zu deren Eintreffen auch im verschlossenen Schlafzimmer verblieb. Als diese das Haus betrat, fand sie den Mann blutüberströmt am Boden liegen.

Die WAZ schreibt:

 

„In der Vergangenheit gab es auch in Mülheim mehrere Fälle, in denen Einbrecher ältere Menschen in ihren Wohnungen überraschten, fesselten und hilflos zurückließen. „Aber so ein Maß an Gewalt“ wie nun in Styrum, sagt Christoph Wickhorst, „hatten wir noch nie.“ Im Gegenteil: Bisher gingen die Fachleute im Präsidium bei Einbrüchen von einem anderen Tätertyp aus. „Wir sagen meistens: Die Leute wollen nur Geld, die tun Ihnen nichts.“

 

Tja, wie schon so oft entsteht das Gefühl, dass die Polizei und ihre Tipps noch in den beschaulichen 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrtausends stehen geblieben sind. Auch in Talkrunden wird ja immer wieder darauf hingewiesen, dass Einbrecher nur Geld und Wertgegenstände wollen, an der Verletzung der Bewohner würde ihnen nichts liegen. Gerne wird das dann bisweilen durch einen „Gentleman-Einbrecher“ der alten Schule garniert, der dies bestätigt (ich beziehe mich hier wieder auf die Maischberger-Sendung, über die ich an dieser Stelle geschrieben habe). Leider ist aber inzwischen auch bekannt, dass viele Einbrüche heutzutage nicht von biodeutschen „Gentleman-Einbrechern“ begangen werden, sondern von mobilen Einbrecherbanden aus Osteuropa, denen solche Ehrenkodexe fremd zu sein scheinen. Wenn es nicht nur billigend in Kauf genommen wird, dass die Bewohner zuhause sind, so ist es für diese Banden manchmal sogar wünschenswert, gerade auch im Falle alter Menschen: Unter Androhung oder Einsatz von Gewalt erfahren diese viel schneller und ohne lästige Suche, wo Wertgegenstände versteckt sind. Bei Bedarf kann man den Code für einen Safe auch gleich noch aus diesen herausprügeln.

Ferner schreibt die WAZ dazu:

 

Und dennoch: Vermutet man einen Einbrecher im Haus, rät die Polizei, immer sofort den Notruf zu wählen. „Die Kollegen in der Leitstelle können einschätzen, wie man sich weiter verhalten soll“, erläutert Christoph Wickhorst. Denn es könne durchaus sinnvoll sein, sich bemerkbar zu machen – etwa wenn man eine große Gruppe ist. Sonst sei es ratsam, sich ruhig zu verhalten.

 

Leider (oder besser zum Glück?!)  befinden sich die meisten Menschen heutzutage nicht oft in großen Gruppen zuhause.

Mich persönlich würde es auch wenig beruhigen, wenn ich nur einen „Kollegen in der Leitstelle“ am Telefon hätte, der mir womöglich erzählt, dass die Geräusche vielleicht eine natürliche Ursache haben, oder dass der Streifenwagen in einer halben Stunde vor Ort sei. Mehr als in jenen Zitaten darf aber auch durch die Pressesprecher der Polizei gar nicht gesagt werden, es könnte ja als ein Aufruf zur Gewalt verstanden werden!  Und wer Fälle von wehrhaftem Vorgehen gegen Einbrecher durch Bewohner der heimgesuchten Häuser und Wohnungen in den letzten Jahren näher verfolgt hat, weiß, dass diese Gegenwehr von den Gerichten oft genug geahndet worden ist.

Und dennoch: Wie sagen die Amerikaner? „I’d be rather judged by twelve than carried by six“ (Lieber sollen 12 [Geschworene] über mich zu Gericht sitzen, als dass ich von 6 [Sargträgern] getragen werde.)

 

Beschäftigung mit Home Defense – wird das zur Notwendigkeit?

 

Angeblich ist in Deutschland die Wahrscheinlichkeit im Lotto zu gewinnen immer noch höher, als Opfer von Gewalt zu werden, aber so ganz überzeugt mich das nicht. Andererseits muss es ja nicht gleich zum Showdown in den eigenen 4 Wänden kommen, wenn man sich entsprechend verhält, Stichwort: Taktisches Vorgehen. Ich denke, es ist heutzutage für jedermann sinnvoll, sich zumindest rudimentär mit dem Verhalten im Falle eines heißen Einbruches zu beschäftigen.

Letztes Jahr habe ich ein Buch hier auf dem Blog vorgestellt – „Home Defense“ von Andrea Micheli – das eben jenes taktische Vorgehen zum Thema hat. Wie der Untertitel „Grundlagen für den Schusswaffengebrauch im Einbruchsfall“ nahe legt, spielen Schusswaffen natürlich eine wichtige Rolle, aber ich finde, dass die zweite Hälfte des Buches durchaus genug taktische Tipps bereit hält, um auch für den Nicht-Waffenbesitzer hilfreich zu sein. Die Kapitel

-Einsatzszenarien bei einem Einbruch

-Taktische Verhaltensregeln

-Absuchtechniken in geschlossenen Räumen

-Vorgehensweise unter schlechten Lichtverhältnissen

-Erste-Hilfe Maßnahmen

-After-Action Protokoll

liefern Know-how und Anregungen.

Letztlich bringt aber ein schlichtes Lesen und Ins-Bücheregal-stellen wenig, wenn man sich nicht eingehender damit beschäftigt, die Tipps auf das eigene Heim anwendet und adaptiert, „Trockenübungen“ durchführt und in Gedanken immer wieder mögliche Szenarien durchspielt, am Besten unter Einbeziehung der ganzen Familie. Ja, das kostet ein wenig der kostbaren Freizeit, aber im Erstfall könnte es viel wert sein.

 

Die Zeitungsberichte machen zu jenem heißen Einbruch, bei dem der Familienvater schwer verletzt wurde, keine genaueren Aussagen, das Opfer ist wahrscheinlich noch nicht ansprechbar, die Familie unter Schock, so dass man die genaueren Umstände nicht kennt und somit auch nicht einordnen und beurteilen kann. Hat er sich „taktisch richtig“ verhalten oder eher sorglos? Wäre es nicht besser gewesen, oben zu bleiben statt „nach dem Rechten zu sehen“? Wir wissen es nicht.

Wie auch immer, keinesfalls sollte dies hier als victim-blaming aufgefasst werden. Es geht darum, wie man selbst in so einer Situation unbeschadet heraus kommt, denn das ist das Wichtigste.

 

Man sollte auch nie vergessen, was solch ein Vorfall für die betroffenen Familien bedeutet. Kann sich der geschätzte Leser vorstellen, was für Qualen die Ehefrau durch gestanden haben muss, die davon ausgehen musste, dass ihrem Mann etwas passiert, womöglich sogar bereits tot sei, aber die nichts machen konnte, weil sie auf die Kinder aufzupassen hatte und ohne adäquate Bewaffnung ohnehin chancenlos gewesen wäre? In welcher Angst die Kinder waren? Von dem schwer verletzten Mann muss man gar nicht reden. Wird er je wieder ganz hergestellt werden, körperlich und psychisch?

 

P.S. Für mich sind die Mitglieder dieser Familie Opfer, die unser Mitgefühl verdienen und keine „Erlebenden“, wie Mithu Sanyal das gerne hätte.

 

2 thoughts on “Home Defense will gelernt sein

  1. ZItat :

    -Absuchtechniken in geschlossenen Räumen

    -Vorgehensweise unter schlechten Lichtverhältnissen

    ————————————————————————————-

    Also das Buch habe ich nicht gelesen.

    Aber das empfehle ich niemandem.
    Denn beim absuchen kommt immer der suchende ums Leben.
    In der Armee übt man den Häuserkampf.
    Realisten oder Spezialisten sagen einem da explizit, das derjenige der ins Haus eindringt …..in den allermeisten Fällen ums Leben kommt.

    Denn der andere hat viele Vorteile bei sich, ….kann im Dunkeln warten, ist ruhig, konzentriert, wird nicht abgelenkt und schiesst beim ersten Sichtkontakt am schnellsten.

    Der Häuserkämpfer kann den Nachteil nur mit Feuerkraft ausgleichen.
    Im Krieg also Raum für Raum mit Handgranaten säubern.
    Jeden einzelnen Raum mit einer Granate und jeden gesäuberten Raum sofort sichern.
    Häuserkampf ist extrem gefährlich und Zeitraubend.

    Ich unterstütze jeden der sich wehren will, aber hier ist das Risiko etwas was einem klar sein muss.
    Nachsuchen, also das sollte niemand …….ausser er fühlt sich dafür fit.
    Abwehren unbedingt und in jedem Fall, auch mit einem Schuss klarmachen das man bewaffnet ist, aber absuchen….. den Täter suchen, ihn konfrontieren, das ist wirklich nur etwas für jene die das können oder wenn man durch die Umstände dazu gezwungen ist.
    Hat man ein „ballistisches Schild“ sieht die Sache schon ganz anders aus, aber wer hat so etwas….?

    • Diese Bedenken teile ich. Ein Sicherungsangriff im Objekt ist eine schwierige Angelegenheit die außer dem nötigen passiven Schutz auch Sicherungsschützen etc beinhaltet. Wer ist den bitte fit genug, und ausgebildet, mit SK4 Weste zweckmäßige vorzugehen?Das ist doch keine Zugriff? Niedrige Schutzklasse der Weste und ein Titanschild sind natürlich eine Option, aber üb-intensiv.
      Räume lassen sich bequem mit Knicklichtern, die für die Leuchtfallen, ausleuchten, wer es mag kann auch eine Thermalkamera einsetzen. Aber Einbrecher ohne Notwendigkeit in die Enge treiben ist eben so fragwürdig wie unklug.

      Westen, Helme und.. haben wir im Haushalt, an Schilde wird gedacht, ist aber noch nicht entschieden…

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