Historische Fundstücke: Selbstverteidigung vor 30 Jahren – der Spiegel lästert über Siegfried F. Hübners „Heimverteidigung“

15 Apr

Da ich gerade für die Rezension zu einem Buch über „home defense“ recherchiere, gerade auch, was der deutsche Markt dazu bislang zu bieten hatte (dass es in den USA sehr viel Literatur zu diesem Thema gibt, versteht sich von selbst, leider ist die weder auf Deutsch noch den deutschen Gesetzen angepasst), stieß ich auf diesen Spiegel-Artikel von vor exakt 31 Jahren, vom 15.04.1985, über das neue Buch von Siegfried F. Hübner: „Heimverteidigung“.

Es lohnt sich, diesen über 30 Jahre alten Artikel heute noch einmal zu lesen. Zwei Dinge fallen einem dabei auf:

  1. Der Spiegel war in seiner politischen Haltung schon damals so wie heute (ich werde das nicht weiter umschreiben…).
  2. Richter schienen damals noch ganz anders zu urteilen als heute.

 

Siegfried F. Hübner

Aber zunächst mal zur Person, um die es in diesem Artikel geht: der 2008 verstorbene Siegfried F. Hübner dürfte zumindest älteren Waffenbesitzern und Schützen noch ein Begriff sein, er gilt als der Begründer des Combat-Schießens in Deutschland. Der 1923 in Bodenbach (Tschecheslowakei) geborene Hübner studierte Elektrotechnik, diente im 2. Weltkrieg in der Luftwaffe und kam nach dem Krieg über die Akustik wieder mit Waffen in Berührung. Er verfasste über 100 Artikel in renommierten deutschen und amerikanischen Waffen- und Fachzeitschriften, ebenso wie über 20 Bücher. Hübner war Mitglied des American Pistol Institute (API), ebenso Mitglied und Experte der von Colonel Jeff Cooper begründeten South West Combat Pistol League (SWCPL), Mitglied der International Police Association (IPA) und waffentechnischer Berater der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Baden-Württemberg.

Seine Kenntnisse übers Schießen, Selbstschutz und Selbstverteidigung eignete sich Hübner im In- und Ausland an: Er lernte beim FBI in Quantico und in Washington, bei der Police Academy von Smith & Wesson in Springfield, beim Los Angeles Police Department(LAPD), den SWAT-Teams in verschiedenen amerikanischen Städten, bei der mexikanischen Polizei, ebenso wie bei der Polizei in Pretoria und in Salisbury im damaligen Rhodesien (heutiges Simbabwe).

1970 lernte Hübner durch den amerikanischen Colonel Jeff Cooper an dessen Gunsite Training Center nahe Paulden die neue Combatschießtechnik mit dem Weaver Stance kennen. Diese brachte er nach Europa, nachdem er von Cooper im Combatschießen ausgebildet worden war.

Seine Kenntnisse gab Hübner in Schießkursen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an Waffenscheininhaber und Polizeibeamte in Combat-Schießlehrgängen weiter.

Seine Bücher sind teilweise nur noch antiquarisch zu bekommen und speziell jenes, um das es in diesem Spiegel-Artikel geht, „Heimverteidigung“, ist leider gar nicht mehr zu bekommen (das scheint niemand, der es besitzt, hergeben zu wollen).

 

Fetzen fliegen

 

Der Spiegel sah wohl in dem, was Hübner als „Heimverteidigung – mit allen Mitteln“, betitelte, die Fetzen fliegen.

Dass Hübner als „beste Antwort“ auf Gewalt „eine sofortige Gegenattacke, daß die Fetzen fliegen“ sieht und der Verteidigungsangriff „aggressiver und brutaler sein (müsse) als der Ihrer Gegner„,  liest sich für den Spiegel „wie eine Aufforderung zum gezielten Todesschuß“. Hübner beruft sich hierbei auf den Notwehrparagraphen (§32 und §33 StGB).

Dazu kommentiert der Spiegel: „Hübners fatale Deutung dieser Vorschriften als Erlaubnis, in Bürgerwehrmanier Selbstjustiz zu üben, ist nur die Konsequenz aus dem, was manche Richter und konservative Rechtswissenschaftler schon lange vertreten.  „Besondere Schneidigkeit“ bescheinigt der Strafrechtsprofessor Theodor Lenckner den Paragraphen 32 und 33 des Strafgesetzbuches: Da ist der Bürger zu viel mehr berufen, als nur sich zu wehren. Er habe, so Lenckner, „die Rechtsordnung im ganzen“ zu verteidigen und dem Grundsatz Geltung zu verschaffen, daß Recht dem Unrecht nicht zu weichen brauche. Auch Lenckner hat diese Charles-Bronson-Interpretation des Strafgesetzbuches nicht erfunden – er gibt nur weiter, was Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) ist. Davon müssen sich Männer wie Hübner geradezu ermutigt fühlen.

Heutzutage kann man sich nur die Augen reiben, wenn dem Notwehrparagraphen „besondere Schneidigkeit“ bescheinigt wird. Der Notwehrparagraph ist unverändert geblieben, aber, worüber sich ja auch schon eine Diskussion unter meinem letzten Blogbeitrag zum „Ratgeber freie Waffen“ entstand, die Rechtsprechung dazu scheint sich komplett gewandelt zu haben.

Ein Beispiel dafür, wie damals Recht gesprochen wurde, gibt der Spiegel: „Besonders schneidig entschied der BGH über den Umgang mit Schußwaffen – und Hübner beruft sich darauf gleich auf den ersten Seiten seines Buches. So lernt der Leser vom BGH, daß ein Angreifer auch dann mit der Schußwaffe abgewehrt werden darf, wenn dieser keine ähnlich gefährliche Waffe benützt und wenn keine unmittelbare Lebensgefahr besteht.

Die Karlsruher Richter haben festgelegt, daß ein Angegriffener nicht nur in die Beine, sondern „auch auf andere Körperpartien“ des Angreifers gezielte Schüsse abgeben darf, wenn der sich durch die Warnschüsse nicht abschrecken läßt.

Im Falle des verurteilten 82-jährigen (2015 vom BGH bestätigt), der von mehreren jungen Männern misshandelt wurde und ausgeraubt werden sollte, kann ich keine besondere „Schneidigkeit“ feststellen. Ein eindeutiges Fehlurteil ist es meiner Meinung nach, wenn eine Richterin jemanden verurteilt, der einem am Boden liegenden Opfer Nothilfe leistet und dabei einen der Angreifer verletzt. „Das Ausmaß dieser Nothilfe war nicht erforderlich“, urteilte sie. Nun, das hört sich so an, als sei die Richterin – und alle anderen Menschen auch – eine Supermaschine, die exakt berechnet, wie stark sie zuschlagen darf, damit so ein Ausmaß nicht erreicht wird.

Ich denke, heutzutage sind sich die meisten Schützen und Jäger darüber im Klaren, was auf sie zukommen kann, wenn sie den Notwehrparagraphen „schneidig“ auslegen. Als Opfer scheint nämlich heutzutage immer der zu gelten, der etwas ab bekam – auch wenn derjenige nur die Quittung für einen erfolgten oder unmittelbar bevorstehenden Angriff erhalten hat.

Nun gut, die damals vom Spiegel „erzogenen“, angehenden Juristen sitzen nun auf den Richterstühlen. Und so sehen die Urteile dann aus.

Wer gerne einen noch älteren Spiegelartikel (1975) über Siegfried F. Hübner lesen möchte, der findet ihn hier.

4 thoughts on “Historische Fundstücke: Selbstverteidigung vor 30 Jahren – der Spiegel lästert über Siegfried F. Hübners „Heimverteidigung“

  1. Tja, ich habe etwa um 1975 angefangen den Spiegel zu lesen, ich ging da noch zur Schule, …..Primarstufe.
    Aber es ist so, als Schweizer las ich schon damals nur den Auslandsteil, die Innenpolitik war im Spiegel schon immer stark „gefärbt“.
    Klar, Spiegel = Links, aber damals waren Fakten eben noch Fakten, heute sind Fakten im Spiegel nur solche, wenn sie ins Ideologische Bild passen, ansonsten werden sie ausgeblendet, verdreht, bleiben unerwähnt.

    Vor ca. 7 Jahren habe ich den Spiegel aufgegeben, denn er dient nicht mehr der Information, sondern ist ein Instrument der Indoktrination.

    Was Hübner schrieb ist korrekt.
    Wer sich zu einem Gegenangriff genötigt sieht, der muss ihn Energisch führen, …..mit dem Willen zu Gewinnen, alles andere ist gefährlich.

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    Aber eben, heute urteilen die Gerichte im Sinne des Obrigkeitsschutzes, und nur darum geht es in Wirklichkeit. Nicht alle Organe des Staates haben das selber begriffen, trotzdem ist das der wahre Grund.
    Dazu wird das Individuum zu Heiligtum erklärt, auch dann wenn es schwere Verbrechen begeht.
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    Es ist wie mit den Monarchen früherer Zeiten.
    In Thailand ertrank vor langer Zeit eine Prinzessin als sie in den Chao-Phraya fiel, obwohl das Boot und die Palastdiener unmittelbar neben ihr waren. Niemand wollte sie anfassen denn darauf stand die Todesstraffe. Die rettende Hand hätte ihren Tod bedeutet.

    Heute versucht die Politik ……das Volk das diese Politiker wissentlich gegen deren elementare Interessen regieren, ….. sich ihrer Haut zu versichern, indem man Notwehr und Waffen kriminalisiert und das Volk derart erzieht, das Waffen zu etwas unanständigem, amoralischen werden.

    Es dient dem selben Zweck wie einst das Berührungsverbot gegenüber der königlichen Familie in Thailand, die Herrscher sollen unantastbar, ja Göttlich erscheinen.

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    Ein Volk welches selbstbewusst ist und sich ab einem gewissen Zeitpunkt wehrt, das ist die Horrorvision unserer Politiker, denn sie wissen das sie nur ihrem Eigennutz frönen, während dem sie dem Volk etwas ganz anderes vorgaukeln.
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    Sichtbares Zeichen ist der Bundeswehreinsatz in Deutschland, denn der soll nun auch im inneren möglich sein.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/04/12/bundeswehr-soll-im-fall-des-inneren-notstandes-eingesetzt-werden/

  2. Leider ist nicht nur die politische Klasse vom Volke abgerueckt, sondern zunehmend muss man auch in der Justiz Tendenzen zum „vorauseilenden Gehorsam“ feststellen.
    Doch wer wehrt sich dagegen?

  3. Der Spiegel war schon damals, und ist noch heute die „rote Kampfpresse“!
    Die „Thesen“ vom S.F. Hübner für die Selbstverteidigung waren damals zutreffend, und sind es noch heute, umso mehr!!!

  4. Denken wir mal logisch: Wenn der Staat dem Bürger das Tragen von Waffen (auch Pfeffersprays) verbietet, dann gibt es nur 2 Gruppen, welche Waffen tragen.
    a) Den Staat (d. h. seine Organe) – Dem sind Bürger egal.
    b) Verbrecher (die Lieblinge des BRD-Regimes) – Denen sind die Gesetze egal.
    Merk(el)t Ihr was?

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