Gastbeitrag eines 14-jährigen Schützen

16 Mai

Ich hatte zu einem Blogbeitrag folgenden Kommentar von einem jungen Schützen erhalten:

„Ich bin 14 und Mitglied im Rheinischen Schützenbund, wo ich kürzlich angefangen haben Kleinkaliber zu schießen, was mir auch extrem viel Spaß macht, wenngleich ich nicht der allerbeste Schütze bin…dafür weiß ich halt mehr über Technik, insbesondere die alter Ordonnanz- und Militärwaffen interessiert mich (Ich kann mit ner GSP überhaupt nichts anfangen xD).
Ich fände es wirklich schön, würden Waffen nicht so verteufelt (wurde wegen meines Hobbys schon mehrmals von Lehrern vorgeladen.). Am besten fände ich es jedoch, würden wir wie in Tschechien oder Norwegen Schießen in den Sportunterricht integrieren, und das nur nicht weil es meine Sportnote um ein vielfaches verbessern würde. So würde die hiesige Jugend auch viel mehr über den verantwortungsvollen Umgang mit Waffen lernen.“

Als ich diesen Kommentar auf Facebook postete, weil -wie ich finde – es nicht sein kann, dass Lehrer Schüler wegen legaler Hobbys zu sich zitieren, bekam dieser Beitrag so viel Zuspruch, dass ich den jungen Mann bat, doch etwas mehr über sein Hobby zu schreiben. Das tat er dann auch:

„Obwohl man mich nun nicht dort vermuten würde, bin ich in einem sehr „linksgrünen“ Haushalt aufgewachsen, bin aber auch durch meine Mutter auf das Thema Schießsport gekommen, welche vor knapp einem Jahr den Kontakt zum örtlichen Schützenverein herstellte, wo sowohl ich als auch meine Schwester jeden Dienstag trainieren, sie mit LG, ich mit LG und KK (Meine Schwester ist 12, und dennoch besser als ich, dafür bin ich der mit mehr Wissen über Feuerwaffen.).
Ich interessierte mich schon seit meiner frühsten Kindheit für Waffen und Geschichte.Meine Hobbies beinhalten nicht nur den Schießsport, sondern auch Militaria, Phaleristik, Softair (unter 0.5 Joule) und Anime/Manga, weswegen ich schon seit jeher als „Sonderling“ betrachtet.
Da meine Hobbies nun mal alle leider nicht wirklich gesellschaftsfähig sind, werde ich im Alltag oft angefeindet, auch da man mich oft aufgrund meiner Kleidung in die rechte Ecke stellt, oder gar nur aufgrund dessen, das ich gleichzeitig Antidepressiva nehmen muss und Schießsport ausübe und man mich aufgrund dessen und das ich in der Schule Tarnhosen trage und in der Mittagspause gern die „caliber“ leichtfertig als „potentieller Amokläufer“ betitelt, weswegen es auch zu jenem besagten Vorfall kam.
Meine Mutter, welche mich ja auch auf den Schießsport gebracht hat,- wohl aber eher damit ich mal überhaupt unter Menschen komme, hat eigentlich nichts gegen Waffen und hat sogar den die Petition gegen den EU-gunban unterzeichnet.Mein Vater ist allerdings Kriegsdienstverweigerer, lässt jedoch mich jedoch auch mein Hobby ausüben. Allerdings macht es Spaß mit ihm über Dinge wie Notwehrrecht (hatten wir erst kürzlich), liberale Waffengesetze  und allerlei anderes zu diskutieren.
In der Schule sieht der Großteil meiner Klassenkameraden meine Hobbies auch eher unkritisch, wenn nicht sogar positiv, was aber auch wahrscheilich daran
liegt, das sie mich mehr oder weniger gut kennen. Mehr Gegenwind schlägt mir da von meinen Lehrern und Schülern der Parallelklassen entgegen.
Was ich mir wünschen würde ist natürlich eine Lockerung der Waffengesetze bezüglich Minderjähriger(wer hätte das gedacht? xD).
Was ich jedoch insbesondere für sinnvoll halte wäre, das mann vollautomatische Waffen auch ohne BKA-Sondererlaubnis auf die rote WBK erwerben kann.“
Es ist einfach, vorschnell Schlüsse zu ziehen und Menschen in Schubladen einzuordnen. Zudem, und das beobachte ich beispielsweise an meinem Arbeitsplatz aktuell wieder, werden Menschen, die nicht in ins Schema passen, schnell als Freaks abgestempelt und verlacht. Mir persönlich sind Freaks aber lieber als Angehörige einer angepassten Masse, die ihre Stärke und ihr Selbstwertgefühl daraus ziehen, sich über andere lustig zu machen; Sei es, weil sie beispielsweise übergewichtig sind oder in den Augen anderer „seltsam“. Es wird zwar immer vollmundig von Vielfalt geredet, aber wehe jemand ist nicht so, wie die Mainstream-Zeitschriften einem aufzeigen, wie man zu sein hat.
Ich kann dem Verfasser dieser Zeilen sowie allen anderen, die mit solchen Problemen zu kämpfen haben, nur raten, sich nicht zu sehr um das Gerede der „Herdentiere“ zu scheren. Es gibt immer noch ein paar andere, die genauso ticken wie man selbst. Man muss sie nur finden.

 

2 thoughts on “Gastbeitrag eines 14-jährigen Schützen

  1. Dem kann ich beipflichten. Die sogenannten Freaks sind aber eigentlich keine, denn sie sind lediglich Nokonformisten.
    Diejenigen, die sich selbst als Freaks bezeichnen, sind meines Erachtens nur atention whores, die durch exzentrisches Benehmen oder auffallende Optik immer im Mittelpunkt stehen müssen, während die Anscheinsfreaks ja sogar von der Gesellschaft gemieden werden, weil sie nicht in das Klischee von vermeintlicher Buntheit und Vielfalt passen.
    Im Kollektivismus der Individualisten fällt man schnell unangenehm auf, wenn man auf die „falsche“ Art anders ist und das ist ein erstes Indiz, dass die Masse keine Pfifferling wert ist.

  2. Mit dem „unnormal“ sein, kenn ich mich aus. Leider. Ich hatte kein tamagotchi, aber einen gameboy (beide Umstände machen einen zum freak), meine Musik kommt nur selten in die „echten“ Charts, Klatsch interessiert mich nicht. Airsoft muss man auch jedem vorsichtig erklären, schiessen wollen die meisten nur an der Tastatur, aber nicht so lang, dass man zum Pc-Kellerkind wird. Nerdy is trendy … solang man dafür Geld/Aufmerksamkeit bekommt. Und das Ende vom Lied? — viele Normalos von damals sind heute arbeitslos, alkoholkrank, nie aus ihrer Strasse weggekomm, können keine A4 Seite ihres Handyvertrages lesen, können Apfelsiene nicht von Pfirsich untetscheiden. Ich bin irgendwie immer noch unnormal …

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