Fiktion und Realität – 5 Dinge, die Filme bei  Feuergefechten falsch darstellen

4 Nov

Jeder weiß, dass Filme Fiktion sind. Das Dumme ist nur: im Gegensatz zu anderen Kunstformen wie beispielsweise Comics oder Zeichentrick sieht es eben verdammt real aus. Und das täuscht uns leider oft darüber hinweg, dass die dargestellten Dinge nicht immer der Realität entsprechen, auch wenn sie Uninformierten sehr plausibel erscheinen. So plausibel, dass sie mangels anderer Informationsquellen für bare Münze genommen werden. Der Bereich der Medizin bildet da beispielsweise ein weites Feld. Oder Feuergefechte.

Eine amerikanische Webseite, die sich mit Film und Fernsehen, Computerspielen und anderen Themen beschäftigt, hat nun zwei ehemalige Kämpfer (Militär und PMC), die nun auch als Berater/Stuntmen/Kampfchoreographen für Hollywoodfilme arbeiten, befragt, wo man in Filmen Fakt von Fiktion trennen muss. Sie nannten 5 Punkte:

 

  1. Vollautomatische Waffen sind nützlich, aber auch Scheiße

 

“Maschinengewehre im Film verwandeln jeden in eine Ein-Mann-Armee: Pflanz eine in die Hand des Protagonisten und mehrere Kolonnen ausgebildeter Soldaten werden von ihm wie Gras niedergemäht werden. Wenn man das in der Realität länger als ein paar Minuten macht, explodiert die Waffe.

Einer der Veteranen sagt: ‚Ein Maschinengewehr wird „Wegrenn-Waffe“ genannt. Jedes Mal, wenn man eine Waffe – jede Waffe – schießt, erhitzt sich der Lauf ein bisschen. (…) Wenn viele Geschosse durch den Lauf gehen, ohne dass die Waffe die Möglichkeit hat abzukühlen, wird die ganze Waffe glühend heiß. So heiß, dass sie eventuell sogar die Patronen von selbst zündet – also ohne dass der Abzug betätigt wird. Herzlichen Glückwunsch, Du hältst jetzt eine besessene vollautomatische Waffe in der Hand, die von selbst Geschosse verteilt! Das reicht, dass sich sogar die ergrauten Mitglieder der Expendables in die Hose scheißen.’

Das ist der Grund, warum im wahren Leben solche Waffen entsprechend koordiniert eingesetzt werden müssen und nicht ein Typ mit einem Maschinengewehr eine Ein-Mann-Armee bildet.“

Und weiter: ‚Wenn Du eine Truppe hast, die in ein Gebäude voller böser Buben räumen sollen, dann werden die Maschinengewehre zu Beginn im Schnellfeuer nur solange eingesetzt, dass die andere Seite sich duckt. Richtig, der Hauptnutzen der Waffe zu dem Zeitpunkt ist der, dass sie furchteinflößend ist.(…) Wenn die Sache schlecht läuft und die Truppe sich zurückziehen muss, dann wird wieder im Schnellfeuer geschossen, um in Deckung zu kommen’.“

Fazit der Erklärungen: ein Maschinengewehr ist keine Wunderwaffe, die einen praktisch unbesiegbar macht, sondern hat auch große Nachteile. Wie schon erklärt wurde, benutzt man sie für Sperr- bzw. Deckungsfeuer. Heutzutage wird im militärischen Bereich nur noch eine 2-3 Schuß-Automatik verwendet. In dieser Darstellung fehlt meiner Meinung noch das Problem des Munitionsnachschubes, denn all die Munition, die verbraten wird, muss ja auch mitgeschleppt werden. Denn merke, es kommt nicht immer ein Forest Gump mit Munitionskisten angerannt….

 

  1. Während eines Feuergefechtes sind alle taub

 

Für Schützen ist das nichts Unbekanntes. Wer schon mal vergessen hat, den Gehörschutz aufzusetzen…

“Wer noch nie direkt neben einer abgefeuerten Waffe gestanden hat, wird (beim ersten Mal) schockiert sein, wie laut die sind. Etwa wie ‚laut genug, dass Du eine kurze Zeit nach dem Abfeuern nichts hörst’. Auch wenn Kinos den Sound während Actionszenen hochdrehen, gibt das in keiner Weise wider, wie laut echte Feuergefechte sind – wenn sie es täten, würden sie das Gehör der Zuschauer dauerhaft schädigen. Schüsse sind lauter als Pressslufthämmer – Eine Flinte im Kaliber 12, die in einem Raum abgefeuert wird, ist lauer, als würde man auf der Rollbahn neben einem Triebwerk stehen. Und das ist ein Schlüsselfaktor in jedem Feuergefecht, den praktisch kein Film berücksichtigt. ‚Es macht mich irre, wenn Leute in Filmen in metallenen Gängen schießen und nebenher quatschen. Als müssten sie nur kurz den Abzug nicht betätigen, um eine lockere Konversation zu haben. Das ist Quatsch. Waffen sind laut! (…)’
Oh und kennt ihr das auch, wenn Spezialkräfte sich an einen Ort schleichen und diese coolen Handsignale geben, um ihre Aktionen zu koordinieren? Filme tendieren dazu, diese Handsignale als Schlüssel zu geheimen Operationen bei Nacht zu zeigen, nur dass Handsignale bei Nacht nicht sichtbar sind. Sie sind aber großartig, wenn alle taub (von Feuergefechten) sind. (…)

Aus diesem Grund sind Gehörverlust und Tinnitus die häufigsten Verletzungen bei Veteranen. In der Realität wäre John McClane im dritten Teil von Stirb Langsam komplett taub gewesen. Was die letzten 2 Teile vielleicht sogar viel besser gemacht hätte….“



3. Es gibt seltsame Pausen während Feuergefechten

 
“Eine Hollywood-Actionszene ist durchkomponiert – die Action nimmt zu mit jedem Schuss und alles wird immer wilder, bis irgendwas in einem riesigen Feuerball explodiert. In der Realität gibt es seltsame Pausen bei Feuergefechten, die spannungsgeladen, langweilig oder einfach nur urkomisch sein können.
Wann wurde in einem Film mal gezeigt, dass der Held in der Mitte eines Feuergefechtes aufhört, um zu pinkeln? Diese Körperfunktionen hören ja nicht einfach auf, weil man ein Sturmgewehr hält. Oder, laut einem der Veteranen, gibt es Feuerpausen, in denen alle essen. ‚Einmal gab es eine Pattsituation, als wir eine Anlage angriffen‚ und ich merkte, dass ich seit dem vergangenen Abend nichts mehr gegessen hatte. Also holte ich mein Verpflegungspaket hervor. Zuerst schauten mich alle an, als sei ich ein Idiot, aber dann merken sie nach und nach dieselbe Sache (lange nichts gegessen) und wir aßen, während immer mal wieder Schüsse mit dem Drogenkartell ausgetauscht wurden.’

Manchmal nimmt sich auch jeder einen Moment Zeit, um den totalen Irrsinn von all dem anzuerkennen. Einer der Veteranen erzählt: ‚Wer befanden uns in einem Kampf auf kurzer Distanz, nicht mehr als 50-75m zwischen uns. Und während die Geschosse flogen rennt so ein verdammter Esel (das Tier ist gemeint…) mitten rein und fängt eine RPG-Rakete ein und explodiert. Jeder hält inne.  Jeder – wir und die Taliban. Jeder so: ‘Hä?’, wir schauen uns an und den Esel – und schießen dann wieder. Aber es gab gut 3 Sekunden, wo alle inne hielten.’“
 

  1. Man beginnt, emotional an Werkzeugen zu hängen

 

„Als Jayne aus Firefly seinem Gewehr einen Namen gab, lächelten wir über diese Albernheit und sahen es als weiteres Zeichen dafür, dass er ein „Waffennarr“ ist. Aber in der Realität, wenn man sich tagtäglich auf dieselben Werkzeuge verlässt, als eine Frage von Leben und Tod sozusagen, dann entwickeln diese Persönlichkeiten. Und man verliebt sich ein bisschen in sie. ‚Es sind Werkzeuge, zum wegwerfen, wenn es sein muss. Aber meine (Waffen) waren alles Mädchen. Wir hatten tief schürfende Gespräche, während ich sie reinigte. Eine meiner ganz besonderen Waffen war ein Colt 1911, der meine erste Back-up-Waffe war. In einem Feuergefecht klemmte er. Der einzige Weg, ihn wieder zu richten, war, ihn zu repetieren, indem ich seinen Schlitten fest gegen die Wand schlug. Obwohl Leute auf mich schossen, nahm ich mir die Zeit, ‚Entschuldigung, Mädchen’ zu ihm zu sagen’.“

 

Nun hängt das Leben der meisten Sportschützen nicht ganz so direkt von ihren Waffen ab wie bei beruflichen Waffenträgern. Und dennoch entwickeln sich bei einigen ähnliche Gefühle. Hängt vielleicht damit zusammen, dass eine Waffe einem potentiell das Leben retten kann. Wer würde „so jemanden“ nicht lieben….?

1. Hollywoods Waffenmythen töten Menschen

 

Ja, richtig gelesen! Hier wird nun erklärt, warum:

“Einer der beiden Veteranen sagt: ‚Schon wenn man sich die ersten Feuergefechte in Filmen ansieht, dann bedeutete das, dass der Bösewicht, der erschossen wird, wie eine leblose Gliederpuppe in den Schmutz fiel, es war als würde man ein Licht ausknipsen. Das bedeutete: das Einzige, was man zu tun hatte, um ein Feuergefecht in Hollywood zu gewinnen, war der Schnellste im Ziehen (und Treffen) zu sein – und selbst wenn der Bösewicht lange genug lebte, um noch einen Schuss abzugeben, dann ging der harmloser Weise in die Luft (…). In Wirklichkeit hat man keine Ahnung was passiert, nachdem eine Person von einer Kugel getroffen wurde (…) – es ist unmöglich vorherzusagen.

(…) In Wirklichkeit ist ein Schuss fast nie sofort tödlich. Ich habe Leute schon alles Mögliche tun sehen, nachdem sie getroffen wurden, auch, dass sie noch Stunden weiterkämpften.’

Eine weitere Sache, die man bei Feuergefechten in Filmen sieht, ist der dramatische Moment, wenn der Held schießt, bis er das trockene Klicken des Abzugs hört und dann hinter eine Deckung hechtet um nachzuladen. Das würde dem Fall in der Wirklichkeit entsprechen, dass man  den Tank seines Autos komplett leer fährt und weiß, dass man dann in einem Gebiet mit Bären fest sitzt. ‚Immer, wenn es möglich ist, wechselt man sein Magazin’, sagt einer der beiden, ‚und wenn noch Patronen im Magazin sind, steckst Du es ein (auch ohne Patronen? Man braucht es vielleicht noch und ein Magazin ist doch kein Wegwerfartikel….????), weil man die Patronen später noch brauchen könnte. Wenn man die Waffe leer schießt, ist das ein Zeichen dafür, dass man irgendetwas sehr falsch gemacht hat.’
Bewaffnete Kriminelle von Kartellen mögen zwar die „Infanteristen“ von üblen Verbrechersyndikaten sein, aber auch die waren mal Kinder und haben genauso wie alle anderen Jean-Claude Van Damme- und Sylvester Stallone-Filme geschaut. Lau
t einem der beiden Veteranen hat das schon manche von ihnen das Leben gekostet. ‚Als ich in Südamerika arbeitete, standen viele der „Bösewichte“ da und schossen, bis die Waffe leer war – und hatten dann keine Ahnung, was sie tun sollten. Um ehrlich zu sein, den “letzten Anblick”, den ich von so einigen Leuten habe, ist der, dass die nur da standen, ungläubig auf ihre Waffe glotzten, weil die leer war. Offensichtlich ist ihnen vorher nie die Idee gekommen, dass sie am Arsch sind,  wenn sie keine Munition mehr haben.’

Und während so ziemlich jedes feste Objekt ein Hollywood-Geschoss aufhält, neigen die Echten dazu, durch so ziemlich alles hindurchzugehen, was nicht mindestens eine dicke Betonwand oder ein Motorblock ist. Den meisten Menschen ist das definitiv nicht klar. Einer der Veteranen sagt: ‚Einmal hatten wir einen Typen, der plötzlich hochschnellte, ein paar Schüsse auf uns abgab und dann wieder „in Deckung“ ging. Wir hörten ihn lachen, als wäre er entkommen, aber er versteckte sich hinter einer Couch. EINE COUCH!!! Man sieht auch Leute, die hinter Rigipsplatten, Wellblech und Autotüren in Deckung gehen. Aber keins davon stoppt Geschosse.’
’Ja’, sagt der andere, ‚man kann mit Sicherheit sagen, dass viele Aufständische und Terroristen auf der Welt den Großteil ihres Trainings von Film und Fernsehen bekommen, oder von Idioten, die ihr Wissen aus Film und Fernsehen haben.’

 

Also lässt sich in gewisser Weise sagen, dass der ganze Hollywood-Feuerkampf-Quatsch ein großer Gewinn für die Landesverteidigung ist. (…) Lass die Quatsch-Kugeln weiter fliegen, Hollywood – Amerika braucht Dich!“

Nun, nicht nur Amerika. Der Vorteil kommt jedem zugute, der sich mit einer Schusswaffe gegen eine Schusswaffe verteidigen muss. Vorausgesetzt der good guy hat in diesem Fall ein ordentliches Training an der Waffe erhalten. Und der bad guy nicht. Denn auch wenn viele Kriminelle mit den Waffen eher nicht trainieren können oder wollen (oder es eben gar nicht für nötig erachten), so sollte man sich darauf nicht verlassen.

4 thoughts on “Fiktion und Realität – 5 Dinge, die Filme bei  Feuergefechten falsch darstellen

  1. Pingback: 5 Dinge, die in Filmen immer falsch dargestellt werden | Waffen – Waffenbesitzer – Waffenrecht

  2. Was auch immer gerne vergessen wird: Der Schußknall ist nicht nur unglaublich laut, er tut auch körperlich weh, wenn er auf ungeschützte Trommelfelle trifft. Jeder Schütze, der schon mal seinen Gehörschutz vergessen hat (und das passiert jedem mal), der wird sehr lange daran denken und peinlich genau bei sich und anderen drauf achten, daß der Gehörschutz verwendet wird.

    Nicht umsonst gibt es den alten Witz der auf Schießständen immer noch gerne praktiziert wird: „Alle Schützen, bitte Gehörschutz aufsetzen, die Jäger schalten ihre Hörgeräte ab! Feuer frei“.

  3. Was man ja auch gerne in Filmen sieht ist, das Munition niemals aus geht. In Hollywood gibts Revolver mit 20 und mehr Schuss :)
    Es ist aber auch irgendwo ok. Es ist eine Fantasiewelt und das alles dient nur unserer Unterhaltung. Wie gut, das man auch solchen Filmen nichts richtiges lernen kann :)

  4. Ich schau manchmal Actionfilme mit meiner Freundin zusammen an. Wenn ich dann den zwölften Kommentar zu unmöglichen Szenen mache… oder laut den 23. und 24. Schuss aus dem 6 Schuss Magazin kommentiere wird mir ein Platzverweis und Fernsehverbot und auch noch schlimmere Sanktionen angedroht. In diesem Punkt werde ich systematisch unterdrückt. So, das musste mal gesagt werden… ;-)

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