Feminismus in Zeiten der Krise: Warum wir starke Frauen UND starke Männer brauchen

18 Sep

Die Sex-Attacken zu Silvester in Köln sind nun 9 Monate her, das große Echo in den Medien zu diesem Vorfall abgeebbt. Nichtsdestotrotz gibt es immer noch genug Artikel in den Medien, die von der sexuellen Belästigung von Frauen und Kindern in Schwimmbädern und anderswo berichten. Security ist nun auch in Schwimmbädern und bei vielen Veranstaltungen präsent, wo es früher keine gab – die Branche hat deutlichen Personalbedarf.

All diese Vorfälle haben die Feminismus-Dabatte wieder angeheizt, aber nun unter anderen Gesichtspunkten als denen, ob man Frauen sprachlich lieber durch Sternchen, Unterstrich oder ein genderneutrales X am Wortende inkludieren sollte (gut, die akademischen Genderfeministinnen in ihrem akademischen Elfenbeinturm diskutieren diese schwerwiegenden Fragen immer noch, aus Mangel an Realitätssinn….).

Hier ging es um das ganz schnöde Problem, wer oder was die Freiheit und Unversehrtheit der Frauen in Deutschland bzw. der westlichen Welt schützen soll, wer es sicherstelle, dass Frauen ihre errungenen Freiheiten – wie anzuziehen, was ihnen beliebt oder zu jeder Zeit an jedem Ort sein zu können, ohne von Angriffen ausgehen zu müssen – auch weiterhin haben.

Viele gute, aber genauso auch empörende Beiträge wurden verfasst. Empörend solche, in denen die Probleme und die Ängste der Frauen klein geredet wurden und in denen lächerliche „Ratschläge“ gegeben wurde. Das schon legendäre „eine-Armlänge-Abstand-halten“ oder „Stopp“ rufen. Ein weiterer Tiefpunkt das „No“-Tatoo für den Freibad-Besuch. Und der Vorschlag des Hanswurst-Journalisten Uwe Schmitt an Männer, bei (sexueller) Gewalt gegen Frauen nicht tätlich einzugreifen, sondern das Handy zu zücken und die Tat zu filmen. Etwas derart Frauenverachtendes und Unwürdiges hatte ich bis dato noch nicht gelesen.

Nicht zuletzt wegen der oft erfahrenen Wehrlosigkeit der Männer, deren Hilflosigkeit darin, sich für ihre Frauen einzusetzen, war ein Thema der Debatte auch, was denn mit den deutschen/westlichen Männern los sei. Anabel Schunke hat dazu einen sehr guten Artikel verfasst.

 

Was ist los mit den Männern?

 

Nun, was eben die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte aus ihnen gemacht haben.

Zunächst mal sehe ich mich mit Anabel Schunke auf einer Linie, da ich mich auch als „wehrhafte Feministin“ bezeichne.

Ich bewundere die Frauen, die im 19.Jh. begannen, für das Wahlrecht, freie Berufsausübung und überhaupt die Selbstbestimmung der Frauen zu kämpfen. Frauen sollen die gleichen Rechte haben wie Männer, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Um etwas zu erreichen, muss man etwas leisten, da soll es keine Quoten geben, die Menschen nur aufgrund eines bestimmten Merkmals (weiblich) in bestimmte Positionen hieven.

Als Mensch mit einer libertären Sichtweise sehe ich es so, dass jeder so sein dürfen sollte, wie es dem eigenen Wesen entspricht, egal ob Mann oder Frau. Mir wurde als Mädchen von meinem Urgroßvater oft gesagt, was „man als Mädchen nicht macht“: auf Bäume klettern, sich schmutzig machen, pfeifen. Ich pfiff drauf. Genauso sollte man aber auch drauf pfeifen, was die Gegenseite sagt: eine ordentliche 60er/70er-Jahre-Feministin kocht nicht – ja, so wurde es mir einst von einem Professor gesagt,  der allein von seiner feministischen Mutter groß gezogen wurde, die nicht kochen konnte und wollte: „eine Feministin kocht nicht!“ – ich pfiff auch darauf.

Ich kann kochen, backen und Kleidung nähen – ich kann aber auch schießen, Möbel zusammenschrauben und Gabelstapler fahren. Und wo ist das Problem, wenn ein Mann Stricken oder Häkeln möchte? Vielleicht geht er ja zur Jagd oder repariert Autos, wenn er in seiner Freizeit gerade nicht strickt…alles kein Problem, meiner Meinung nach.

Und dennoch sehe ich einen zunehmend größer werdenden Teil der modernen Männer tatsächlich als Problem. Nein, das ist ungerecht. Nicht nur die Männer. Männer und Frauen. Es ist ja nun nicht so, dass die braven, feministischen Frauen nun „ihren Mann stehen“, alle Klempnerinnen,  Automechanikerinnen und Bauarbeiterinnen geworden sind  und aufgrund dieser körperlichen Arbeit so kräftig, dass sie bei sexueller Belästigung nun dem Angreifer selbst „auf die Finger klopfen“ können, während der Mann daheim ist, Kuchen bäckt und die Kinder hütet. Immer noch zu viele Frauen machen im Fitnessstudio nur ein bisschen Ausdauer (aber bloß nicht schwitzen dabei, dann verläuft die Schminke!!!) oder „Bauch, Beine, Po“, aber um Gottes willen nichts, wo auch nur marginal etwas Kraft aufgebaut wird – man könnte seine „dünnes, hilfloses Mädchen“- Linie ja verlieren. Wenn ich Frauen-Gesprächen zuhöre, drehen die sich für meinen Geschmack viel zu oft um Aussehen: Klamotten, Haare, Schminke, Diäten, Gewicht verlieren, Extensions, Kosmetikbehandlungen, Spa, Wellness….und selten um wichtige Themen politischer oder gesellschaftlicher Natur. Leider haben sich die Männer da den Frauen ziemlich angenähert: auch junge Männer höre ich über ihre Figur schwadronieren, wie man mit möglichst wenig „Arbeit“ (also sportlicher Anstrengung) den maximalen Effekt erzielt und wie man mit Shakes, veganer Ernährung usw zur Traumfigur gelangt. Unsere Gesellschaft scheint eine auf Optik fixierte Schar einsamer Egomanen geworden zu sein, die zwanghaft meinen, einem nahezu unerreichbaren Ideal der Selbstoptimierung (in rein optischer Hinsicht!) und vielleicht noch zusätzlich dem beruflichen Erfolg folgen zu müssen.

Dass solche Männer keine Hilfe für bedrängte Frauen sein können, liegt auf der Hand.

 

In der Krise unbrauchbar

 

Diese Art Mann mag bis vor wenigen Jahren nicht als problematisch aufgefallen sein. Nein, der „moderne Mann“ wurde gelobt, dieser Typus begrüßt. Zumindest gesellschaftlich. – Von den Frauen auch?

Nun, jedenfalls strömt ein ganz anderer Schlag Mann in unser Land und auch manche links-„liberale“ Frau merkt, dass der „neue Mann“ nicht gut darin ist, sie und ihren „Latte-Macchiato-Feminismus“ vor diesen zu beschützen. Zu dumm. Komischerweise hat diese Latte-Macchiato-Feministin“ genauso etwas dagegen, sich selbst zu schützen, lieber verdrängt man das Thema und diskutiert es weg. Es existiert nicht, was nicht existieren darf. Nur so kann man sich Artikel erklären wie diesen hier, in dem eine Frau DM die Kundentreue wegen des Verkaufs von Pfeffersprays aufkündigt, der mit folgenden Worten endet: „Ihr gebt diesen jungen Frauen mit Eurem Produkt das Gefühl, sie müssten im Besitz einer Waffe sein. Weil sie jederzeit angegriffen werden könnten. Aber das ist Quatsch. Mädchen und junge Frauen in Deutschland sollten genauso wenig Pfefferspray mit sich herumtragen müssen wie eine Pistole.Ihr schützt diese Frauen damit nicht. Ihr macht ihnen Angst. Und solange Ihr Frauen Angst macht, habt Ihr mich als Kunden verloren.“

Schütz dich selbst, schütz die deinen

 

Wer nicht zu denen gehören will, die den Kopf in den Sand stecken, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, der muss sich Gedanken zum Thema Sicherheit machen. Sei es zuhause oder im öffentlichen Raum. Egal ob Mann oder Frau.

Wir wissen alle nicht, wo die vor ca. 1-2 Jahren angestoßene Entwicklung uns gesellschaftlich noch hinführt. Ich erwarte nichts Gutes. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht so schlimm wird, wie befürchtet, aber das Gebaren unser Politiker lässt einen eigentlich nur das Schlimmste erwarten. Wenn sich die Sicherheitslage weiter verschärft, die Einbruchszahlen weiter steigen, bei denen die Opfer auch immer wieder zu Tode kommen, immer ausgedehntere Gebiete in Städten zu No-Go-Areas werden und man sich an immer mehr öffentlichen Orten um seine Sicherheit sorgen muss – dann haben wehrlose Weiblein und Weichei-Typen schlechte Karten.

Die USA sind uns da wieder mal um ein paar Jahre voraus – und nicht zuletzt wegen ihres Rechts auf Waffenbesitz in einer besseren Ausgangsposition. Viele dort haben ihre Pflicht, ihre Sicherheit in die eigene Hand zu nehmen, erkannt. Zunehmend auch die Frauen.

Aber auch wenn Frau sich selbst beschützen kann – ist es nicht besser einen Mann an der Seite zu haben, der zur Not auch die Fäuste einsetzen kann oder eher weiß mit einer Waffe umzugehen als sich mit den neuesten Kosmetikprodukten für Männer auszukennen?

3 thoughts on “Feminismus in Zeiten der Krise: Warum wir starke Frauen UND starke Männer brauchen

  1. Da hat man den Bürgern jahrzehntelang einen „Totalpazifismus“ eingebleut. Die Art von Pazifismus, die impliziert, daß man sich nicht selbst schützen muß, weil sich ja der Staat (bzw. Polizei und Gerichte) drum kümmern. Die Art von Pazifismus die eine moralische Überlegenheit Derjenigen postuliert, die keinerlei Gewalt ausüben – nicht mal zur Selbstverteidigung. Hätten diese Totalpazifisten (meist rot-grüner Färbung) mal lieber Gandhi gelesen.

    Das hat so lange funktioniert, wie die Gesellschaft noch halbwegs homogen (auch in Bezug auf Gewaltarmut) und halbwegs wohlhabend war. Nun geht die Schere zwischen arm und reich stark auseinander, die staatstragende und steuerzahlende Mitte bröselt weg, während der Anteil von Menschen, die unsere Gesetze und gesellschaftlichen Werte nicht (aner-)kennen unkontrolliert steigt.

    Der einfache Bürger hat da wohl ein besseres Gefühl für Realität als Politiker und „Experten“. Trotzdem kann er sich nicht wehren, weil man ihm das aberzogen hat.

  2. Tja, vor 10 Jahren konnte man in den Spielzeugläden noch nicht mal mehr eine „Käpseli-Pistole“ zur Fasnacht kaufen.
    Es drohte Schaden am werdenden Charakter des heranwachsenden……..
    Verschenkte ich ein hölzernes Ritterschwert, beeilten sich die Mütter mir zu erklären, das ihr Junge es eher mit Flötenunterricht habe.

    Das zumindest hat sich wieder eingerenkt, heute lässt man die Kinder wieder Cowboy spielen.

    Aber, die jungen Erwachsenen haben sich weichklopfen lassen und das weitgehend verinnerlicht.
    Da gibt’s keinen Jäger mehr in der Familie, ein Tier selber schlachten, wie grauslich.

    Und……. wenn einer der jungen Bio-Schweizer mal etwas macht, sogar wenn er sich für ein Opfer einsetzt, so greift das Gesetz mitunter viel schneller und Effektiver, den unsereins muss ja wissen was droht wenn man sich daneben benimmt.
    Es ist ein umgekehrter Rassismus, denn den anderen müssen wir Nachsicht gewähren, nicht mehr nur das eine mal wie früher, sondern Dutzende male.

    Ich habe miterlebt wie sich unsere Jungen vor einem Eingreifen drücken. Nicht alle, so ein Zimmermannslehrling ist da sicher eher bereit wie ein Bankersohn, aber die Grundhaltung die geleert wird ist eben, das auch der Gewalttäter ein unerhört kostbares Leben sein eigen nennt.

    In meiner Kindheit lernte man es anders, wer zur Gewalt griff verwirkte das Recht verschont zu werden. Es kam ganz genau drauf an wer anfing und warum er anfing und wir wussten auch was angemessen ist und was nicht.

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