Erst die Frauen, jetzt die Kinder

22 Feb

Deutsche Zeitungen – vornehmlich die dem linken politischen Spektrum zugeneigten – haben wahrlich ein Faible für amerikanische Waffen. Über kein Thema lässt sich gefahrloser herziehen als über den „Waffenwahn der Amerikaner“. Immer wieder erscheinen Artikel darüber, dass die amerikanische Waffenlobby sich nun neuen Zielgruppen zuwenden muss, da die der „alten, weißen Männer“ gesättigt sei. Da schlägt man auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn den „Raubtierkapitalismus“ kann man damit auch gleich noch anprangern.

Oft geht es um Frauen – diese armen Wesen, die, von der Waffenlobby mit rosa Waffen verführt werden, sich solch Teufelswerkzeug zu kaufen und gar nicht wissen, dass sie sich und andere damit gefährden. Das hier ein recht zweifelhaftes Frauenbild kolportiert wird, das so gar nicht zur sonst so feministischen Agenda passen will, scheint den Verfassern der Berichte nicht bewusst.

Nun also auch die Kinder. Die Waffenlobby ist auch hinter den Kindern als Zielgruppe her. Diese armen Wesen, die sich nicht wehren können und beim Anblick von bonbonfarbenen Gewehren natürlich sofort eines haben wollen. Nur mal so nebenbei: die unersättlich gierigen Kapitalisten der Waffenlobby werden den Hals wohl nie voll bekommen können (Sarkasmus!), aber ist den Journalisten bei ihren Hypothesen auch schon mal aufgefallen, dass die Waffenkäufe in den USA seit Jahren ansteigen und zwar nicht so sehr, oder zumindest nicht nur, wegen den wild Waffen kaufenden Frauen und Kindern, sondern auch deswegen, weil die Amerikaner bei jedem Vorstoß oder auch nur Erwähnung von Obama oder anderen Liberals, die Waffengesetze verschärfen zu wollen, erst mal Waffen kaufen? Nicht zu Unrecht wird Obama als der größte „Waffenverkäufer“ unter den Präsidenten bezeichnet.

 

Für Waffenbesitzer bieten solche Artikel immer auch Grund zur Erheiterung. Da schreibt die Zeit Online beispielsweise:

 

„Unter die „aggressiven Bemühungen“ der Waffenhersteller fällt demnach beispielsweise die Verarbeitung von Plastik, so dass Gewehre auch für Sechsjährige leichter zu halten seien und weniger Rückstoß haben.“

 

Ja ja, Gaston Glock hatte bestimmt auch Kinder im Hinterkopf, als er die Glock aus Plastik entwarf…Liebe Leute von der schreibenden Zunft: Plastik wird heutzutage für ganz viele Schusswaffen verwendet, auch für solche, die für Erwachsene bestimmt sind! Auch das Präzisionsgewehr (oder „Snipergewehr“, wie die Gamer-Jugend sagt) im Kaliber .338 LM, das ich in den USA mal schießen durfte, war aus Plastik und bestimmt nicht, weil der Hersteller Savage Arms schon Kinder als zukünftige Konsumentengruppe im Visier hatte. Wenig Rückstoß hat zudem wenig mit Plastik, sondern eher mit der Konstruktion der Waffe zu tun, aber mit so einem bösen Waffenschmutz wollen wir euer blütenreines Gewissen, gepaart mit technischer Unkenntnis, natürlich nicht belasten.

 

„Neben bunten Farben, unter anderem Pink für Mädchenrevolver, wende sich die Waffenlobby auch an Eltern und ermutige sie, ihre Kinder so früh wie möglich mit dem Schießen vertraut zu machen.“

 

Bei anderen Sportarten oder Musik ist es legitim und wünschenswert, Kinder schon im zarten Alter mit dem Sport oder dem Instrument vertraut zu machen, denn so erreicht man am Besten Höchstleistungen – aber der Schießsport ist wie immer ausgenommen? Wenn Kinder sich bei bestimmten Sportarten mit Hochleistungsorientierung die Knochen kaputt machen, ist das ok, aber der extrem unfallarme und gesundheitsfördernde Schießsport ist aus ideologischen Erwägungen nicht ok?

Bunt müssen die Dinger übrigens gar nicht unbedingt sein, mein Sohn mag am liebsten schwarze Waffen…

 

„Der Hersteller Crickett etwa fahre eine spezielle Kampagne mit einem Tier-Maskottchen namens Davey Crickett und dem Werbespruch „Meine erste Waffe – Qualitätswaffen für Amerikas Jugend“. Auch hier werden die Gewehre von der Bauart klein gehalten und in den Farben Grellpink oder Orange angeboten.“

 

Das wird jetzt so hingestellt, als sei das etwas ganz Neues. Tatsächlich wurden „kid guns“ schon recht früh im 20. Jh. in den USA hergestellt und beworben. Viele alte Werbeplakate und Anzeigen zeugen davon. Gut, sie waren damals meist schwarz, braun und metallfarben, eben wie die Waffen der Großen, nur in klein. Hier wird das nun als etwas ganz Perfides dargestellt, die Waffen für Kinder klein zu halten. Aber was ist daran verwerflich, dass das Sportgerät der Kindergröße angepasst wird? Kinder bekommen schließlich auch kleinere Tennisschläger zum Tennis spielen.

 

Auch das Bild des Artikels mit der Bildunterschrift: „Ein neunjähriges Mädchen in Florida mit einer AK-47“ weckt hier bei einem unbedarften Leser ungute Gefühle. AK 47? Kalashnikov??? Die Mordwaffen, die in Paris zur Ermordung vieler Menschen eingesetzt wurden? Ich kann es auf dem Bild nicht wirklich erkennen, aber ich bin mir ziemlich sich, dass diese Waffe a. keine vollautomatische Waffe ist und b. wahrscheinlich nicht mal das ursprüngliche Ak-47-Kaliber 7.62 x 39 hat, sondern dass es sich um einen halbautomatischen AK-Nachbau im Kaliber .22LR handelt. Wie ich zu der Annahme komme? Nun, ich selbst habe in den USA im Garten eines Freundes mit so einer Waffe geschossen. Die beiden Söhne von ihm waren auch dabei, wir haben mit dieser Waffe reihum auf allerlei lustige bunte Ziele geschossen und hatten einen Heidenspaß. Bei diesem Zeitvertreib waren also zwei erfahrene, erwachsene Schützen dabei, die zwei Kinder beim Schießen beaufsichtigt haben. Und danach?

Der Artikel lässt sich nämlich nicht darüber aus, dass Kinder die Waffen noch gar nicht besitzen dürfen. De facto gehören sie den Eltern und da die Mehrzahl der amerikanischen Waffenbesitzer verantwortungsvolle Menschen sind, werden die Waffen nach Gebrauch wieder aus der Reichweite der Kinder gelagert. Dass es auch verantwortungslose Assi-Eltern gibt, die geladene Waffen in der Wohnung herumstehen lassen, mit denen sich dann Kleinkinder gegenseitig erschießen, steht außer Frage. Aber die Presse schlachtet diese Vorfälle dahingehend aus, als sei das die Norm in den USA. Deswegen muss ich hier auch gar nicht mehr im Detail auf die 7 toten Kinder pro Tag in den USA eingehen, die im Artikel ebenfalls erwähnt wird.  In diese Statistik werden nämlich auch gerne minderjährige Gangmitglieder eingerechnet, die sich in Bandenkriegen – mit illegalen Waffen – gegenseitig erschießen.

 

Was kommt nach Frauen und Kindern? Stürzt sich die böse Waffenlobby dann auf Schwarze als Zielgruppe? Diese armen Menschen, die nicht verstehen, dass Waffen schlecht sind und sie damit sich und andere verletzten und töten können? Ups, damit werden sich die Journalisten aber auf ganz schön dünnes Eis begeben…

 

Für weitere Informationen hier noch ein paar ältere Beiträge, die ich im Bezug auf Kinder und Waffen geschrieben habe:

 

http://sagittarius-femininus.de/waere-eddy-the-eagle-auch-in-deutschland-sinnvoll/

http://sagittarius-femininus.de/das-kind-darf-auch-mal-schiessen-urlaub-in-texas/

http://sagittarius-femininus.de/das-kind-hat-sich-jetzt-auch-waffen-gekauft/

http://sagittarius-femininus.de/hoplophobie-in-der-form-mutter/

 

 

2 thoughts on “Erst die Frauen, jetzt die Kinder

  1. Erstmal „Sorry“dass ich hier als Nicht-Frau mitlese, aber im Sinne der Gleichberechtigung…… ;-)
    Nein, ernsthaft, danke fuer diesen Artikel. Als Ex-Deutscher der seit Pre-Euro / Pre-EU Zeiten in den USA lebt aber (leider) immer noch nicht aufhoeren kann den deutschen Nachrichten zu folgen, ist es immer wieder schoen einmal etwas zu lesen was auch den Tatsachen (hier) entspricht und nicht pure Amerika-Hetze ist.
    Bei all den Artikeln der deutschen Hetzpresse habe ich bis jetzt noch nirgends etwas ueber die hier geltenden Regeln und gesetze gelesen aus denen erkenntlich waere dass hier Kinder legal gar keine Waffen kaufen duerfen und dass es sogar sehr strafbar ist, Waffen fuer Kinder zugaenglich aufzubewahren. Daran wird der amerikanische Waffenkaeufer sogar bei jedem Neukauf erinnert, und zwar in Form eines Dokuents welches der Kaeufer unterschreiben muss bevor er eine Waffe ausgehaendigt bekommt. Dieses Dokument besagt dass der Kaeufer weiss dass er gesetzlich (unter schwerer Strafandrohung) verpflichtet ist Waffen zu jeder Zeit fuer Minderjaehrige unzugaenglich aufzubewahren hat. Kurz, knapp und deutlich, ohne Spielraum fuer Ausreden. Ja, rechtlich gesehen duerfen Kinder auch (Lang)waffen „besitzen“(Eigentum) aber dennoch muss der gesetzliche, volljaehrige Vertreter selbiger Kinder diese dem Gesetz entsprechend verwahren. Fuer Kurzwaffen gelten ganz andere und wesentlich strengere Gesetze (min. 18 Jahre alt um Eigentuemer zu werden, min. 21 Jahre um diese auch eigenstaendig zu verwalten/benutzen/fuehren zu koennen). Ja, auch wenn der Spiegel und Stern gerne erzaehlen dass hier bei uns Dumm-Amis Kleinkinder Maschinengewehre in der Krippe haben und im Sandkasten jeder Streit mit Granaten geloest wird, Tatsache ist dass wir Gesetze haben. Mehr als noetig und z.T. auch unsinnig da doppelt und dreifach, aber nur weil wir hier kein Gesetz haben welches uns vorschreibt dass alles in dem selben, staatlich geprueften und genormten Grauton DIN 08/15 sein muss, heisst das noch lange nicht dass „wir“ unsere Kinder und Frauen zu fanatischen Mordmaschinen machen nur weil wir eben ausser unseren Autos und Haeusern auch unsere Waffen gerne etwas modisch halten wollen. Naja, und da Kinder eben etwas kleiner und schwaecher sind, gibt es hier auch fast alles in etwas reduzierten Kindergroessen. Macht man ja auch bei Schuhen, Kleidern und Fahrraedern, oder? Man will ja nicht dass sich die Kleinen wehtun. Wenn ich mit 4 Jahren das Fahhrad meines Vaters haette nehmen muessen, koennte ich heute noch nicht fahren…. In diesem Sinne, DANKE fuer diesen Artikel und immer weiter so.

    P.S.: meine Kinder bevorzugen uebrigens Holz und Metall bei „deren“ Waffen da diese sich besser anfuehlen denn: mehr Gewicht = weniger (gefuehlter) Rueckstoss.

  2. Richtig.

    Es gibt in den USA ( 53 Waffen-Gesetze in 53 Bundestaaten ) sogar Waffenverbote für Trunkenheit am Steuer werden verhängt. Das heisst dann, ……kein Besuch im Waffenladen, ……keine Waffe anfassen, ……keine Waffenbörse ….nichts.
    US Richter können viele Auflagen verhängen.

    Manches ist Unsinnig, das Land gibt dem „unbescholtenen“ viele Freiheiten im persönlichen Leben, aber er sollte nie vergessen sie Verantwortungsvoll wahrzunehmen, denn ansonsten lernt er einen Gesetzgeber kennen der oft extrem Rigoros straft.

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