Ein Stich ins Wespennest? Nachtrag zu den Reaktionen auf die Rezension von Steven T. Halbrook „Gun Control in the Third Reich“

28 Feb

Was die Anzahl der Kommentare und Reaktionen angeht, war meine Rezension des Buches von Steven Halbrook: „Gun Control in the Third Reich“ bislang der Beitrag, der am kontroversesten aufgenommen wurde. Also weniger das, was ich schrieb, sondern das rezensierte Buch. Leider konnte ich aus zeitlichen Gründen nicht gleich auf den ein oder anderen Beitrag antworten, netterweise haben mich jedoch andere tatkräftig unterstützt, den ein oder anderen ungerechtfertigten Vorwurf an das Buch zu entkräften oder widerlegen. Ich kann leider nicht mehr alle Kommentare und Diskussionen auffinden, denn durch das Teilen über Facebook kommt es zu vielen Schauplätzen, an denen diese Diskussionen stattfinden.

 

Aber zwei Punkte sind mir einerseits im Gedächtnis geblieben und es andererseits wert, dass man sich dazu äußert (Beiträge, die Meinungen wie die Holocaust-Lüge und Nazi-Apologie vertreten, kann ich zwar „stehen lassen“, weil ich für Meinungsfreiheit und gegen Zensur bin, aber da will ich nicht mal darauf eingehen…).

 

Der erste Punkt ist der Vorwurf, dass dieses Geschichtsbuch ja keine „heilige Schrift“, ja  Geschichte nie eine „neutrale Wissenschaft“ sei, der zweite der Vorwurf, dass dieses Thema oder jener Sachverhalt in besprochenem Buch unter den Teppich gekehrt wurden. Mit letzterem möchte ich beginnen.

 

Leute! Ich habe eine Rezension geschrieben, die sollte nicht allzu lang sein, einen knappen Überblick über den Inhalt geben und meine Meinung zu diesem Buch enthalten. Das habe ich erfüllt. Aber aufgrund meiner Rezension zu behaupten, das Buch würde diesen oder jenen Sachverhalt unterschlagen, geht natürlich nicht. Wenn ich alles, was in jenem Buch behandelt wird, paraphrasiert hätte, wäre der Text so lang wie das Buch selbst geworden. Ich plane, eine etwas längere Zusammenfassung des Inhaltes (vielleicht 6 Seiten?) mit übersetzten Textauszügen zu schreiben – aber auch die wird nicht jeden einzelnen Fakt enthalten.

Es bleibt nichts anderes übrig: Wer sich kompetent zu einem Buch äußern und es kritisieren will, muss es gelesen haben.

Nur ein Beispiel: Ich persönlich könnte allein schon aufgrund der Textauszüge, die ich von „50 Shades of Grey“ gelesen habe, einfach nur k…..Auch den auf der Berlinale angelaufenen Film zum Buch habe ich nicht gesehen. Also halte ich mich mit öffentlichen Urteilen (etwas) zurück – auch wenn ich meine, dazu so schon eine Meinung haben zu können – bis ich das Buch gelesen bzw. den Film gesehen habe und mich kompetent und berechtigt darüber auslassen kann ( wobei man mir vorwerfen kann, schon mit Vorurteilen an die Sache rangegangen zu sein).

Auch bei anderen kontrovers diskutierten Büchern (Pirincci, Sarrazin) diskutierten viele Menschen mit, die diese Bücher gar nicht gelesen haben (können). Egal, wie man zu einem Buch steht: Lesen ist das Mindeste, was man tun muss, um darüber urteilen zu können.

 

Eine Rezension sollte lediglich eine Bewertung sein – zum Lesen empfehlen oder davon abraten. Ich war von dem Buch angetan und wollte mit meiner Rezension am Thema Interessierte zum Lesen anregen. Mehr nicht.

 

Nun zu Punkt 1, nämlich dass Geschichte keine exakte Wissenschaft ist, sondern notwendigerweise an politische und philosophische Auffassungen gekoppelt, also wertend, parteiisch und meinungsbildend ist.

 

Das ist richtig. Ich glaube mich zu erinnern, dass man das bereits in der ersten Stunde Geschichtsunterricht lernt, gleich nach dem Umstand, dass es primäre und sekundäre Geschichtsquellen gibt und wie diese zu bewerten sind.

Um ein Beispiel zu bringen, mit dem ich mich aufgrund meines Studienfachs näher auskenne, ist die chinesische Geschichtsschreibung. Die Geschichte der vorangegangenen Dynastie wurde immer von den Gelehrten im Dienste der nachfolgenden Dynastie verfasst. Sie folgten in der Regel einem bewährtem Muster: Die letzten Herrscher der Vorgänger waren schlecht: Faul, dekadent, grausam. Der Herrscher der neuen Dynastie, der die vorangegangene stürzte, war dagegen eine Lichtgestalt. Äußere Umstände, die zu jener prekären Situation am Ende einer Dynastie womöglich maßgeblich den Untergang herbeigeführt haben – Naturkatastrophen, kriegerische Angriffe usw. – wurden dahingehend gedeutet, dass dem schlechten Herrscher aufgrund seiner Schlechtigkeit das „Mandat des Himmels“ von selbigem entzogen worden war.

Und es ist richtig, dass der politische Standpunkt darüber entscheidet, ob man jemanden als Terroristen oder Tyrannenmörder – und somit guten Freiheitskämpfer – sieht. Die Geschichtsschreibung, und das ist eben meist die der Siegreichen, entscheidet darüber. (Aber dazu werde ich noch einen eigenen Beitrag verfassen)

Naturwissenschaften gelten einigen als die besseren Wissenschaften, weil sie sich (angeblich?) auf Fakten, Zahlen und Statistiken stützen können und im Gegensatz zu den Geisteswissenschaften (zu denen die Geschichtswissenschaften gehören)  kein Blabla zu irgendeinem Thema produziert wird. Aber man muss sich nur mal naturwissenschaftliche Themen wie die Klimaerwärmung oder Impfschutz vor Augen halten und stellt fest, dass es auch hier oft um Weltanschauung und Ideologie geht.

Egal ob Natur- oder Geisteswissenschaften, der politische oder philosophische/religiöse Hintergrund des Forschenden kann nie ausgeblendet werden. Dessen muss man sich einfach bewusst sein – die absolute Wahrheit gibt es nicht.

Soviel mal zu den Vorwürfen aus dem oder an das Lager der Historiker.

Einen Vorwurf, der auch mehrfach auftauchte, kann ich so allerdings nicht stehen lassen. Ich hatte es bereits in meiner Rezension geschrieben: das Buch ist mitnichten deutschenfeindlich! Bei einigen muss der Schmach der Verlierer auch fast 70 Jahre nach Kriegsende wohl noch tief sitzen…

 

Ich hatte es an anderer Stelle bereits geschrieben: Man muss Stellung beziehen, sich bewusst sein und bewusst machen, wofür man steht. Gerade als Deutscher kann man sich nicht noch einmal den Fehler erlauben zu sagen, man hätte das alles nicht kommen sehen, man hätte von nichts gewusst und gedacht, es wird nicht so schlimm werden.

Und im Hinblick auf das, für was ich stehe, auch die GRA, die diesen Beitrag ebenso veröffentlicht hat, im Großen und Ganzen steht, unterstützt Steven T. Halbrooks „Gun Control in the Third Reich“ natürlich diese Haltung.

4 thoughts on “Ein Stich ins Wespennest? Nachtrag zu den Reaktionen auf die Rezension von Steven T. Halbrook „Gun Control in the Third Reich“

  1. Das alte Problem und die Ansprüche die so manche Leute an andere Menschen haben (aber oft selbst nicht erfüllen).

    Eine Buchbesprechung ersetzt nicht das „selber lesen“ und das „selber denken“. Dank Internet kann man heute wesentlich besser und umfassender recherchieren und gewisse feststehende Fakten nachprüfen. Anhand dieser Informationen kann man sich dann eine Meinung bilden. Das ist anstrengend und sehr zeitaufwändig.

    Eine Meinung ist aber immer gefärbt von persönlichen Überzeugungen und Präferenzen, teilweise sogar durch Glaubenssätze, die nie hinterfragt werden.

    Geschichte ist eine „weiche Wissenschaft“ im Gegensatz zu den sogenannten MINT-Fächern bei denen Beweisführung oder Widerlegung auf mathematischer, logischer und/oder empirischer Basis beruhen.

    Auch bei den MINT-Fächern kommt es gelegentlich zu „Überzeugungs-Schlachten“ wenn unterschiedliche Theorien aufeinanderprallen, aber bei den „weichen Wissenschaften“ ist das wesentlich schlimmer. Denn Geschichtswissenschaft, Psychologie, Soziologie, Politik-Wissenschaften, Philosophie, Wirtschafts-Wissenschaften, Sozialwissenschaften, Literaturwissenschaften, Germanistik,, Jura, „Gender-Forschung“ (die reine Ideologie, völlig ohne wissenschaftliche Basis ist), sind immer gesellschaftlichen Strömungen, Meinungen, Vorurteilen, ideologischen und persönlichen Ansichten unterworfen. Eine festes, verlässliches Fundament wie die Mathematik/Logik/Empirik in den formalen Wissenschaften gibt es da leider eher selten.

    Dagegen hilft nur viel lesen, viel selber denken und vor allem wissen, wie man selbst tickt, welchen Mustern, Annahmen und Prägungen man unterworfen ist. „Erkenne Dich selbst“ – damit Du beurteilen kannst, wer Du bist, wo Du stehst und welchen Einflüssen Du unterliegst.

  2. Zunächst muss ich mich als Naturwissenschaftler von der Behauptung distanzieren, die „Klimadebatte“ hätte auch nur näherungsweise naturwissenschaftlichen Charakter. Anstrich vielleicht, das wars aber auch.

    Gun Control in the 3rd Reich habe ich auch noch nicht selbst gelesen, werde das aber schnellstmöglich nachholen, einmal aus privater Neugier und natürlich weil mich das Thema aus Perspektive der Gefahrenabwehr nachhaltig verfolgt.

    Die teils hysterischen Kommentare auf der GRA-Seite haben mich auch verblüfft, einiges an Hetze und Getrolle. Wobei unklar bleibt ob es sich um einen Versuch gehandelt hat die GRA-Seite zu diskreditieren oder …

    Abgesehen von den Weisheiten „zur Geschichte der Sieger“ ist jede Wissenschaft ja nur in der Lage eine Momentaufnahme darzubieten. Das Verbreiten von „Wahrheiten“ sei den Theologen überlassen.

    Was gleich zu der Frage nach dem Wert der Behauptung in den GRA Kommentaren stellt, das 3. Reich habe den privaten Waffenbesitz gefördert. Dazu wurden keine Nachweise geführt oder Belege vorgelegt. Annekdoten sind kein Nachweis. Und von der wunderlichen Behauptung es sei eine allgemeine Volksbewaffnung gefördert worden, habe ich trotz fotgesetzten Bearbeitens von Altfällen etc. noch nie etwas vernommen.
    Allein die rechtlichen Relkte des 3. Reichs lassen solche Tendenzen auch mehr als zweifelhaft erscheinen. Waffengeübtheit und Wehrhaftigkeit ja, aber nur in strengst überwachtem Rahmen staatlicher Rituale.

    • Zur Behauptung, das NS-Regime hätte den privaten Waffenbesitz gefördert, steht bereits dieser Absatz in der Rezension:

      „Im März 1938 wurde dann das neue Waffengesetz der Nationalsozialisten verabschiedet. Es sollte den Waffenbesitz für die Anhänger des Regimes erleichtern (so war für SA, SS u.a., u.U. ab einem gewissen Rang, kein Waffenschein mehr zum Führen einer Waffe nötig) und gleichzeitig den Juden jedes Recht (Erwerb, Besitz, Führen) auf Waffen und Munition absprechen.“

      Es wurden aber nicht nur Juden entwaffnet, sondern alle regime-kritischen Menschen: Kommunisten, Sozialisten, sowie „ungenehme“ Gruppen wie Zigeuner (O-Ton) und Homosexuelle.

      Auch das Verkaufsverbot von Messern auf Märkten geht auf die NS-Zeit zurück. Es sollte allgemein bekannt sein, dass das „fahrende Volk“ (Sinti und Roma) seinen Lebensunterhalt zu dieser Zeit hauptsächlich durch Schleifen und Verkaufen von Messern verdient hatte. Das Verkaufsverbot auf Märkten wurde damals nicht zur Sicherheit eingeführt (weswegen wir es aktuell immer noch begründen, da es immer noch Bestand hat), sondern, um den Roma und Sinti die Erwerbsgrundlage zu entziehen.

  3. Pingback: Drei-Wochenrückblick vom 11.10.2015 | German Rifle Association

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