Das Kind hat sich jetzt auch Waffen gekauft…

29 Mrz

Zugegeben, unser Haushalt ist etwas waffenlastig. Mal abgesehen von den „echten“ nebst Munition in diversen Waffenschränken gibt es bei uns Schreckschuss-, (freie) Luftdruck-, Airsoft-Waffen und Nerf-Guns. Die ersten vier gehören den Erwachsenen, mit der Airsoft-Pistole darf mein Sohn unter Aufsicht und Beachtung der Sicherheitsregeln, wie sie für scharfe Waffen gelten, schießen und Abläufe einüben, sprich – auf sportliche Art und Weise schießen.

Aber er ist 10 Jahre alt, noch ein Kind und da möchte man auch einfach spielen. Ja, man muss nicht mal ein Kind sein, um daran Spaß zu haben. Auch mir macht es Spaß, mir mit meinem Sohn „Feuergefechte“ mit den Nerf-Guns durch die Wohnung zu liefern (das Einsammeln der grünen Scheiben, der Munition, ist dagegen etwas lästig…). Als Erwachsener hat man da noch die Möglichkeit, solche „Cowboy&Indianer-Spiele“ beim Paintball auszuleben.

Das Kind hat sich jetzt eine Erbsenpistole gekauft. Damit kann er herum schießen, ohne Angst um die teure Nerf-Gun-Munition haben zu müssen (ein 10er-Pack kostet so 10-12 €, 800 von den gelben Kugeln für die Erbsenpistole 1 €).

Niedlich, die kleine Pistole, die kleinen Magazine. Und sie waren der Anlaß für interessante Gespräche. Er wollte sich vergewissern, dass es gut ist, mehrere Magazine zu haben, woraufhin ich ihm erklärte, wie viele Magazine wir für welche Waffen haben und wozu man sie sportlich und taktisch brauchen kann. Ich zeigte ihm meine Magazinholster (so ausgefeilt sind die Erbsenpistolen wohl nicht, dass es Holster und Magazinholster dazu gibt…). Wir kamen im Laufe des Gesprächs auch auf Computerspiele (a la Grand Theft Auto – nein, wir haben das nicht, das kennt er von einem Klassenkameraden!), Verbrechen, Strafverfolgung und die Todesstrafe in den USA zu sprechen. Er meinte, die Computerspiele seien wohl schon realistisch und ich fragte ihn, für wie realistisch er es halte, dass jemand Autos klaut und Leute abknallt, ohne dass die Polizei kommt, denjenigen entweder gleich erschießt oder verhaftet. Und ich erzählte ihm, dass einige Staaten in den USA die Todesstrafe haben und man sich mit so einem Verhalten durchaus dafür qualifizieren würde (da machte er große Augen!).

Aber soweit muss man ja gar nicht gehen. Ich nutzte die Gelegenheit um ihm zu erklären, dass man in Deutschland nur als unbescholtener Bürger legal Waffen besitzen darf. Das heißt, wenn man wegen Körperverletzung, Raub, Diebstahl oder anderen Delikten vorbestraft ist, so ist man nicht zuverlässig und erfüllt nicht die Voraussetzungen, um Legalwaffenbesitzer zu werden. Das schien ihn durchaus zu beeindrucken. Für viele Jungs (oder Minderjährige insgesamt) ist der Führerschein das Symbol, dass sie nun erwachsen sind. Aber bei uns spielt das Auto nur eine extrem untergeordnete Rolle, unsere kleine Schrottbüchse wird in der Regel nur 1-2x pro Woche bewegt (hauptsächlich um auf den Schießstand zu fahren J ). Also ist für ihn die Aussicht, irgendwann selbst richtig schießen zu dürfen und eine eigene Waffe zu besitzen die Passage zum Erwachsensein.

Ich denke durchaus, dass Schießen bei Kindern nicht nur die Fertigkeit an sich schulen sollte, sondern dass – wie bei Kampfsportarten – eine Art Lebenseinstellung und Moral gelehrt werden sollte.

Aber dennoch sollte es für Kinder möglich sein, einfach zu spielen. Bei uns früher hießen die Spiele noch Räuber & Gendarm oder Cowboy & Indianer. Ob die heute Cop und Autodieb oder sonst was spielen (…in Berlin auch arabische Großfamilie und LKA…?), ist egal, denn es wird ja auch als Spiel wahrgenommen. Bei einem Computerspiel, in dem man Autos stehlen, Menschen umbringen und vor der Polizei fliehen muss, meinte ich zu ihm, das seien aber nicht gerade gute Taten…“Aber ich spiele doch den Bösen, Mama!“, war seine Antwort. Recht hat er. Ich bin ja auch nicht zum Kindsmörder geworden, nur weil ich als Kind im Theater den Herodes mimte.

Ich finde, dass Kinder auch heute noch mit Spielzeugpistolen spielen dürfen sollten. Wer glaubt, dass Kinder nicht in Lage sind, zwischen Spiel und Wirklichkeit zu unterscheiden, unterschätzt sie und traut ihnen nicht viel zu. Nichts Ungewöhnliches in Zeiten von Helikoptereltern. Ob man ihnen damit einen Gefallen tut, ist eine andere Frage. Es ist durchaus interessant, dass Kinder gerade dann mit Feuereifer bei einer Sache sind, wenn man ihnen Verantwortung überträgt. Wie gesagt, Spiel ist Spiel  – und die Werte, die man dem Kind im Leben mitgibt, sind entscheidend.

Totalverbote sind meist kontraproduktiv, denn das Verbotene wird dadurch umso interessanter und später, oder wenn gerade keine Kontrolle da ist, aus Trotz oder Kompensation, oft besonders exzessiv betrieben. Wer kennt sie nicht aus seiner eigenen Kindheit, die Kinder, die nie Süßigkeiten essen, fernsehen oder Computer spielen durften und dann Süßigkeiten in sich reinstopften, bis sie erbrechen mussten oder nur noch vor der Glotze saßen und mit denen nichts anzufangen war?

Wichtig ist doch, das Kind dabei zu begleiten, für einen kontrollieren Konsum zu sorgen. Alles zu verbieten halte ich für genauso schlecht wie die Kinder mit Computerspielen und Fernsehen sich selbst zu überlassen. Wenn Gespräche geführt werden, ein Dialog besteht, dann sollte es auch mit dem Medienkonsum klappen. Oder eben mit dem Umgang mit Waffen.

 

Bald noch mal mehr zum Thema Kinder und Waffen. Mehr verrate ich erstmal nicht.

 

3 thoughts on “Das Kind hat sich jetzt auch Waffen gekauft…

  1. ich habe meinem Sohn ( 8 ) vor kurzem ein Bogen-Set gekauft. Die Pfeile haben Schäfte aus Carbonfiber und dicke Saugnäpfe als Spitze. Auf dem Kunsstoffkoffer für das ganze Set ( der Bogen ist zerlegbar ) ist eine Scheibe aufgedruckt. Er hat einen Riesenspass damit, wenn wir im Garten um die Wette schießen. Er trainiert Geschicklichkeit und Konzentration. Und in dem Alter nimmt er auch die Verhaltensregel ( nicht auf Lebewesen schießen! ) noch an.

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