Daniel Friedmann: Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten

26 Jan

Auf dem Flughafen Tegel war noch etwas Zeit, warum nicht in der kleinen Buchhandlung stöbern? Das eine mitgenommene Buch war für mich Vielleser ohnehin zu wenig…Ein Buch wurde recht groß beworben, Daniel Friedmanns „Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten“, das laut Informationsplakat bereits (oder demnächst?) verfilmt wird und wovon es bereits eine Fortsetzung („Der Alte, der die Rache liebte“) gibt. Der Titel der amerikanischen Ausgabe – Don’t ever get old – hatte  auf mich deutlich mehr Anziehungskraft als der deutsche Titel, der mir zu PR-mäßig auf dem Erfolg von „Der 100-Jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ mit zu schwimmen versucht. Aber der Klappentext, der mich darüber informierte, dass es um einen Alten geht, der seine Tage auf dem Sofa sitzend, Fox News schauend und eine Lucky Strike nach der anderen rauchend verbrachte, bis ein alter Kriegskamerad ihm auf dem Sterbebett gestand, dass der deutsche Lageraufseher, der ihn während seiner Gefangenschaft so quälte, weil er Jude war, überlebt hat und mit Nazi-Gold geflohen war, so dass er nach 30 Jahren im Ruhestand vom Polizeidienst noch mal aktiv wird, schien doch ganz viel versprechend.

Der Alte, Buck Schatz, scheint für einige Leute nicht besonders sympathisch zu sein, wenn man so die Rezensionen auf Amazon durchstöbert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass er nicht sonderlich PC ist. Er war ein Bulle vom Schlage eines „Dirty Harry“, der Probleme gerne mit Fäusten und seinem Smith & Wesson Revolver löste. Er sagt, was er denkt und das ist nicht immer nett. Wenn er schon gezwungen wird, in die Kirche zu gehen (zu Beisetzungsfeierlichkeiten), dann möchte er sich dort gefälligst eine Lucky Strike anstecken dürfen. Aber er merkt natürlich sein hohes Alter und macht sich Sorgen, mit seiner geliebten Frau Rose irgendwann in ein Seniorenheim umziehen zu müssen, weil sie in ihrem Haus nicht mehr allein zu recht kommen. Insofern verwundert es nicht, dass Buck Schatz zunächst nicht aktiv werden möchte, auch wenn Nazigold im Wert von Millionen Dollar als Lohn winken könnte. Aber dann wird er von anderen, die auch an dem Gold interessiert sind, mehr oder weniger gezwungen und die Geschichte nimmt ihren Lauf…

Rührend, aber oft auch sehr witzig ist der Umstand, dass der Alte in der modernen Welt ohne seinen Enkel Tequila kaum ermitteln kann, der für ihn googelt und all den technischen Kram übernimmt, über den Buck nur staunen kann. Das ist Tequilas großer Pluspunkt, denn wenn der Alte ihn auch liebt und in ihm Tequilas verstorbenen Vater Brian wieder erkennt, so hält er ihn für einen eher verweichlichten Typen, der ein bisschen harten Schliff vertragen könnte.

Die Suche wird zunehmend gefährlich, es gibt Leute, die für dieses Gold bereit sind, Morde zu begehen, Großvater und Enkel geraten sowohl in das Visier von Gegenspielern wie auch der Polizei.

 

Das Buch ist jetzt meiner Meinung nach keine „große Literatur“ (2013 wurde das Werk für den Edgar Award für „Best new novel“ nominiert), aber eine sehr kurzweilige Lektüre, bei der man gut lachen kann. Warum ich hier einen Blogbeitrag darüber schreibe, ist, weil ich dem Buch das Label „gun owner approved“ geben kann und dafür 5 Sterne!

Wenn Buck Schatz sich mit seinem .357 Magnum Revolver aus dem von Tequila gefahrenen Wagen lehnt, um auf das sie verfolgende Fahrzeug zu schießen, aber sich dann doch anders besinnt, weil er eben nicht mehr im Polizeidienst ist und zudem seine altersschwache Hand zu sehr zittert, dann ist das irgendwie komisch, aber natürlich nicht ganz korrekt. Anders verhält es sich, als Buck – auf dem dramatischen Höhepunkt des Buches – den Antagonisten, der den Alten nun, wie schon die in diesem Buch Ermordeten zuvor, im Krankenhaus endgültig in die ewigen Jagdgründe schicken will, im letzten Moment und mit letzter Kraft mit seinem Revolver, den sein Enkel ihm ins Krankenhaus geschmuggelt hat, abwehren kann. Man kann es sich bildlich (oder filmisch) vorstellen, wie Buck, nachdem er seinem Gegenspieler das Gehirn weggeblasen hat, eine Zigarette ansteckt und die Krankenschwester per Knopfdruck ruft. Und als diese beim Betreten des Zimmers schreit, lapidar meint: „Ja, ich weiß“ (…) „im Krankenhaus wird nicht geraucht.“

Wenn das noch nicht reicht, für den „großen Gleichmacher“ zu sprechen, der es altersschwachen Alten erlaubt, sich gegen körperlich überlegene Gegner zu verteidigen, so tut es doch jener Ausspruch, der im Zuge der entstehenden Buck-Schatz-Witze (so eine Art Chuck-Norris-Witze, die entstanden, weil das Überwachungsvideo seines Zimmers auf der Intensivstation irgendwie auf Youtube gelangt war) entstand:

„Da saß ich also im Gemeinschaftsraum auf unserer Etage im Rollstuhl, eine Decke über dem Schoß, als ich hörte, dass sie in den Fox News von mir sprachen. Ich erinnerte mich, dass es im Beitrag von O’Reilly war.

‚Ich habe zwei Wörter für all die Liberalen auf dem Capitol Hill, die uns die Rechte auf Waffenbesitz nehmen wollen’, sagte O’Reilly.

Ich hoffte, die beiden Wörter würden „Zweiter Zusatzartikel“ lauten.

‚Buck Schatz.’“ (S.314)

 

Noch Fragen?

Ich habe zwar in Interviews nichts über die Haltung des Autors zu Waffenbesitz gefunden, aber jener Absatz sollte doch Bände sprechen…

 

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