26 Jahre deutsche Einheit – und die Kluft wächst….

3 Okt

So, nun habe ich etwas getan, was die Presse gerne praktiziert. Mein Titel – könnte man meinen – will auf die Kluft zwischen Ost und West anspielen.

Will ich aber gar nicht. Ich grenze nicht nach Gruppen wie „die Ossis“ und „wir Wessis“ ab. Oder „die Schwarzen“ und „wir Weißen“. „Wir Frauen“ und „die Männer“. Das sind alles Gegebenheiten, die das Individuum nicht beeinflussen kann. Wofür wir uns entscheiden können ist aber, an was wir glauben. Unsere moralischen Werte, unsere Philosophie, unsere politischen Ansichten.

Ich hatte Kollegen aus dem Osten Deutschlands, da hatte man den Eindruck, als seien sie gerade eben erst aus dem MfS in die freie Wirtschaft entlassen worden. Und andere, die keine ehemaligen Parteigänger waren, sondern unter jenem System zu leiden hatten – und denen man es von Herzen gönnt, dass sie es 1989 losgeworden sind. Naja, bei genauerer Betrachtung müsste das nun relativiert werden, aber ich wollte eigentlich in diesem Beitrag auf etwas anderes hinaus.

Welche Kluft meine ich also, wenn ich nicht die zwischen „Ossis“ und „Wessis“ meine?

Nun – liest man die Presse bezüglich der Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit, so kann einem nur eine Kluft ins Auge fallen: die zwischen dem Volk und den Herrschenden. Volksvertreter kann man diese Menschen schon lange nicht mehr nennen, denn ihr Volk vertreten sie nicht. Einige, besonders gerne Vertreter der Grünen, verachten es sogar und würden die autochthone Bevölkerung am liebsten verschwinden lassen. Politik wird gegen, nicht mehr für das Volk betrieben. Die Bevölkerung, die nicht für den Kurs der etablierten, regierenden Parteien, die mittlerweile nur noch eine konforme Masse bilden, ist, wird von den Herrschenden nur noch als Pack und Pöbel angesehen, das mit Hilfe von Zensur mundtot gemacht werden muss.

Sie haben es sich ja auch allzu schön in ihrem Elfenbeinturm eingerichtet. Als Schock wird dann empfunden, wenn man bei den hermetisch abgeschirmten Feierlichkeiten für die Mächtigen doch für ein paar Meter auf den Pöbel trifft, der seinen Unmut kundtut. So, dass die Frau des sächsischen Wirtschaftsministers in Tränen ausbrach – mein Mitleid hält sich in Grenzen, die Realität kann hart sein.

Jeder weiß, dass die Bundeskanzlerin oder die Bundesminister abgeschirmt und streng beschützt sind – von Polizei und bewaffneten Personenschützern. Aber auch Politiker, die „nur“ auf Landesebene tätig sind, leben in ihren Blasen.

Als ich in Berlin in der Sicherheit tätig war, kannte ich auch Sicherheitsmitarbeiter, die in einer der Landesvertretungen tätig waren (privater Dienstleister!). Es war wohl gar nicht so einfach, dafür Personal zu bekommen, denn abgesehen davon, dass die Optik der Leute halbwegs stimmen musste, wollten da auch kaum Leute arbeiten. Denn die Anforderungen waren so, dass sie kaum einer erfüllen wollte, denn mehr Geld gab es dafür ja auch nicht: Klappe halten, lächeln und immer schön ja und Amen sagen. Wenn der Herr Minister dir sagt, der Himmel sei grün, dann ist er grün, dann wird gesagt: „Jawohl Herr Dr. Sowieso, der Himmel ist grün!“ Widerspruch wird nicht geduldet, auch wenn behauptet wird, dass die Erde eine Scheibe sei…Wem das schon etwas potentatenartig vorkommt: es gab in der Landesvertretung wohl auch bestimmte „Dienstbotengänge“, die das Personal zu benutzen hatte – wichtig war: immer den hohen Herrschaften aus dem Weg gehen, sie möchten den arbeitenden Pöbel nicht vor Augen haben. Aber nicht nur ein gewisser „Ekel vor den Untertanen“ war gegeben, es mischte auch die Angst mit. Da war ein dunkelhäutiger Mensch womöglich ein paar Augenblicke zu lange vor dem Gebäude? Das Sicherheitspersonal war angewiesen, diesen zu verscheuchen. Moment mal, ist das nicht einer von jenen, welche die Politiker öffentlich so herzlich willkommen heißen? Aber nur, wenn sie in den Vierteln des Pöbels leben. Bitte nicht im Umfeld der Mächtigen. Die Landesvertretung als Anlaufstelle für „Landsleute“, die in Berlin beispielsweise durch Diebstahl von Geld, Karten und Ausweisen in Not geraten sind? Aber nicht doch, die sollen sehen, wie sie zurecht kommen. Die Geschichten, die ich mitbekam, vermittelten einfach nur das Bild von abgehobenen Potentaten, die jeglichen Realitätssinn verloren hatten. Marie Antoinette soll ja jenen legendären Ausspruch: „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen!“ nie getan haben, aber er symbolisiert sehr gut die Abgehobenheit der heutigen Herrscherkaste.

 

Ganz allein kommt sie aber auch nicht aus, sie braucht ihre Helfer: Brav Schützenhilfe leisten die etablierten, großen Medien (Mainstreammedien). Kritik? Wo? Ich kann wenig entdecken, brav wird die Regierungslinie verkündet und in die Welt herausposaunt. Schon die Attribute, mit denen Kritiker belegt und verunglimpft werden, sprechen eine deutliche Sprache. Um objektive Berichterstattung geht es nicht mehr, die Bevölkerung soll auf Kurs gehalten werden. Wer ausschert, ist Pöbel, Nazi, Steinzeitmensch.

Für diejenigen im Business, die fleissig und brav Regierungspropaganda betreiben und zu den „Wichtigen“ gehören, scheint es nach wie vor lukrativ genug zu sein – trotz Gejammer wegen sinkender Einnahmen! – oder wie kommt es, dass ein Journalist der „Zeit“ beruflich in 5-Sterne-Hotels absteigt? (persönliche Erfahrung aus meinem letzten Job)

Und auch die nutznießende „Intelligentsia“ aus dem kulturellen Bereich trägt zum Status Quo bei und spielt sich mit Politik und Medien die Bälle zu. Wer es im kulturellen Bereich zu etwas gebracht hat und nicht zur Gruppe der „akademischen Plebs“ gehört, sei es an den Universitäten oder in anderen kulturellen Einrichtungen wie beispielsweise Museen, der lebt ebenfalls in seinem hochtrabenden und gutmenschlichen Elfenbeinturm. Ich kenne es aus meiner Zeit in Museum aus eigener Anschauung: Nichts war 2015 (und 2016) mehr „in“ in diesen Kreisen, als sich für Flüchtlinge einzusetzen. Flüchtlinge bekamen freien Eintritt, es gab Führungen, Workshops (und Verwunderung bei den Herrschaften, dass diese Angebote so gut wie nicht genutzt wurden…) – die Museen und kulturellen Institutionen versuchten sich mit solchen Angeboten regelrecht zu überbieten. Man ist ja so gut und großzügig und hilfsbereit. Zu gleicher Zeit wurden neu ausgeschriebene Aufträge für Sicherheitsdienstleistungen einem Unternehmen, das sich an Arbeitsrecht und Tarifbedingungen hielt, nicht mehr zugesprochen, sondern einem Unternehmen gegeben, das gesetzliche Vorgaben zugunsten der Arbeitnehmer – sagen wir mal – dehnbar auslegt: und somit den ohnehin schon knapp kalkulierten Preis noch unterbieten konnte. Aber nein, wir sind ja so sozial und gut….Und es gibt genug Anwärter für die Positionen in Politik, Presse und Kultur: Dieser Beitrag aus der Zeit zeigt sehr gut das Denken derer, die zukünftig wohl in diesen Positionen sein werden. Ich kann nicht anders: bei der Lektüre dieses Textes hätte ich echt k….. können!

 

Die Kluft, die wird meiner Meinung nach immer größer. Politiker (Staatsdiener, zumindest der höheren Ebenen, allgemein?), Presse und Kulturestablishment bilden eine Gemeinschaft, die nicht nur herrschen und vom Geld der Anderen leben will, sondern Meinung und richtiges Denken nicht nur vorgeben, sondern die Gefolgschaft zur Not auch mit Zwang durchsetzen will.

Auf der anderen Seite stehen die „normalen“ Arbeitnehmer und kleinen und mittelständischen Unternehmer, die für jene zahlen dürfen – aber bitte ohne Murren!

Nichts ist für diese Leute lästiger, gefährlicher und schlimmer, als eine Bevölkerung, in welcher der Unmut immer weiter wächst. Wird sie sich irgendwann erheben? Um dem vorzubeugen ist es essentiell, dass diese sich nicht effektiv wehren kann. Was liegt näher, als Waffen aus dem Volk zu nehmen? Die EU arbeitet mit Hochdruck daran und es gibt genug deutsche Politiker, die genau das möchten.

 

Nein, eine „deutsche Einheit“ besteht nicht mehr. Der Riss zieht sich aber weniger zwischen Ost und West, sondern zwischen Herrschern und Nutznießern des Systems und denen, die der Meinung sind, dass die eingeschlagene Richtung der Politik so nicht fortgeführt werden darf.

Der Tag der deutschen Einheit sollte uns alle daran erinnern, dass in der Politik manchmal ein großer Kehraus geschehen muss. Es ist mal wieder Zeit. Aber diesmal bitte besser als 1989.

 

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